Touch: Die Typo 2013 hat begonnen!

Work hard & be nice to people: Highlights des ersten Tages der TYPO 2013.



 

18 Jahre gibt es die TYPO Berlin jetzt. »Sind wir erwachsen geworden? Und keine Rebellen mehr?« fragt Jürgen Siebert vom FontShop zum Beginn in der legendären Auster des Haus der Kulturen der Welt. Und hält es mit Steve Jobs’ »Stay hungry, stay foolish« – und erklärt, dass es in diesem Jahr das umfassendste Programm seit dem Beginn der TYPO gibt – auf vier Stages und mit einem extra kuratieren Programmspecial, in dem auf die Szenen in Polen und Russland geschaut wird.

Doch erstmal geht es mit einem Grundsatztalk los was Touch, das Thema der diesjährigen Konferenz, bedeuten kann – mit der britischen Grafikdesign-Legende Ken Garland, der mit kunterbuntem Hippie-Hütchen und unermüdlich auf und ablaufend, erst leidenschaftlich davon erzählt, wie wichtige die wirkliche analoge Berührung ist, für die Emotion und auch, um die Wahrheit von Dingen zu prüfen – und dann Gegenstände durch die Zuschauerreihen reichen lässt, von Schachfiguren, Holzstückchen zu seinen Salz- und Pfefferstreuern, zwei Figuren, die seine Frau und er im täglichen Leben wahrscheinlich wohl öfter berühren als sich gegenseitig, wie er scherzt, und die zur innigen Umarmung zusammengerückt werden können.

Das Analoge haben ebenso Nancy Birkhölzer und Reto Wettach von IxDS im Blick, die dafür plädieren, sich nicht im digitalen Leben zu verlieren, nicht auf Facebook und Co., einen Moment nicht nur wirklich zu spüren, wenn man ihn mit seinem Smartphone aufnimmt oder persönliche Zuneigung durch das I-Like-Sign zu ersetzen – und, dass das Design gefragt ist, die Kultur um uns herum zu gestalten. Anstatt starr vor seinem Computer zu sitzen und mit dem Finger auf dem Mousepad herumzufahren, sollte man die Finger mehr benutzen, um mit der Realität zu interagieren, das Wifi mal abschalten – und an Design-Lösungen zu arbeiten, die analoges und digitales Leben sinnvoll verbinden.

»Wenn wir gelernt haben, am Sonntag unsere Business-Mails zu lesen, warum haben wir dann nicht gelernt, am Mittwoch ins Kino zu gehen?« zitierten sie einen Kollegen – und stellen Ideen, wie eine Kreditkarte vor, die immer schwerer durch das Lesegerät zu ziehen ist, die höher der zu zahlende Betrag ist, eine »intelligente« Pillendose, die zeigt, ob man heute schon sein Medikament genommen hat – und den besorgten Bezugspersonen gleich mit oder ein Device, das mahnt, wie Eco-freundlich der eigene Fahrstil ist.

Anthony Burrill erläutert später mit herrlich britischem Humor, wie er einst noch mit Schere, Klebstoff und Fotokopierer begann, Plakate zu gestalten, z.B. für KesselsKramer und ihre legendäre Hans-Brinker-Kampagne für das schlechteste Hotel der Welt und wie sein Stil, der einst ganz analog entstand, auch sein digitales Arbeiten prägt, zeigt seine legendären »Work hard & be nice to people«-Plakate und wie sie in einer alten Druckerei in Südengland entstehen – und endet mit seinen großartigen Plakaten »Oil & Water. Do not Mix«, die zur Ölkatastrophe 2010 im Golf von Mexiko entstanden, gesiebdruckt mit Öl-verseuchtem Sand von den dortigen Stränden.

Zum Abschluss aber wurde gespielt: »Lettering vs. Calligraphy« heißt das Projekt von Martina Flor und Giuseppe Salerno, dessen Idee letztes Jahr bei einem Typo-Stammtisch geboren wurde und bei dem sie seither täglich einen jeweils grafisch und einen mit Kalligrafie gestalteten Buchstaben auf ihrer Website zur Abstimmung gegeneinander antreten lassen.

Im ungeheuer charmanten Live-Battle der beiden konnte man das dann auch vor Ort und hielt dafür Stimmkarten hoch. Ein großer Spaß! – mit einem Ergebnis, das gnädiger und gerechter Weise in einem Unentschieden mündete.

Abb. oben: Salz- und Pfefferstreuer von Ken Garland


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