Das Beste aus Grafikdesign und Typografie weltweit: Die Gewinner des TDC 2019 – 7

Eine Identity aus alten Sehtafeln, ein feministisches Filmfest-Branding und eine Schrift, die sich an Datenblocks von Verbrechern orientiert: Auch in unserem letzten Teil zeigen wir exklusiv die Gewinner des Type Directors Club 2019.



In unserem letzten Teil der Gewinner des Type Directors Club 2019 gibt es zahlreiche Identitys, aber auch experimentelle freie Arbeiten.

Gestaltet man das Cover eines Romans von J.D. Salinger gibt es zahlreiche Vorgaben. Keine Foto und Illustrationen sollen verwendet werden, der Titel soll immer über dem Namen des Autors stehen und in größerer Schrift gesetzt werden.

Preisgekrönt setzte das Moker Ontwerp aus Amsterdam für den Titel »Franny en Zooey« um und lockerte die strengen Vorgaben, indem sie einen handgeschrieben Font verwendete und als Kontrast dazu, den Namen des Autors in seriösen Großbuchstaben schrieb.

Ausgelassen ist hingegen das Erscheinungsbild, das vom Designstudio von Julia Masago aus dem São Paulo für die Schule Aldeia das Crianças entwickelte, auf die Kinder von ein bis sechs Jahren gehen. Die Schrift besteht aus einer Buchstaben- und einer Form-Version, die beide kugelrund sind. Kann man mit der einen schreiben, ist die andere zum spielen da und dazu, die unterschiedlichsten Figuren, Tiere und Fantasiegebilde zusammensetzen.

Gleich zwei Mal wurde Julia Masago ausgezeichnet. Auch für die Identity für FIM, dem Festival internacional de Mulheres no Cinema, dem international Frauenfilm Festival. Bezugnehmend Roberta Stubs Definition einer feministischen Ästhetik, setzt diese sich aus der engen Verbindung zwischen Kunst, Erfahrung und Subjektivität zusammen. Sie besteht aus Linien- und Kurven-Segmenten, die sich immer neu formieren können.

Wesentlich reduzierter ist die Seoul Type Symphony von Lynn Park aus New York, der Buchstaben aus geometrischen und architektonischen Elementen formt.

Als die norwegische Agentur Anti den Auftrag bekam, ein neues Erscheinungsbild für den Optiker-K zu entwickeln, der schon seit 1877 existiert, begann sie sich mit den Sehtafeln zu beschäftigen, mit denen die Sehstärke geprüft wird. Und diese blicken ebenfalls auf eine lange Geschichte zurück. 1862 entwarf Merman Snellen die erste Tafel, 1959 entwickelte Louise Sloan sie weiter und bis heute werden die gleichen Buchstaben benutzt. Anti vervollständigte das Alphabet der Tafeln, fügte Zahlen und Sonderzeichen hinzu und machte es zum Kernelement der neuen Identity.

Kämpferisch hingegen sind die prämierten typografischen Plakate von Bright Woo aus Peking. Mit den Schriften Binding Font und Bound Font will der Typograf daran erinnern, dass in vielen Ländern soziale Missstände zwar angeprangert werden, aber wenig getan wird, diese zu ändern. Schnürt der Bount Font Begriffe wie Standard oder Attitude ein, steht der experimentierfreudige Binding Font für zahlreiche Möglichkeiten.

Um zu zeigen, was für eine komplexe Arbeit das Fintech Unternehmen Elliptic leistet, dessen Software Bitcoin-Daten von Kriminellen aufspürt, hat Superunion eine Schrift entwickelt, die sich an Datenblocks orientiert. Hier haben wir in PAGE online bereits berichtet.

Die zweite preisgekrönte Identity, die Superunion gestaltete, geht in eine komplett andere Richtung. Für den Urlaubsanbieter Plava Lugana aus Kroation, der bereits seit 1957 besteht, kreierten die Kreativen ein neues Erscheinungsbild. Und das verzichtet auf das strahlende Blau des Originals-Branding, »weil man in der Urlaubssparte in Blau ertrinkt«, wie Superunion sagt – und setzt stattdessen auf Rot und Weiß , wie man sie auch im Wappen Kroatiens findet.

Die Schrift des Erscheinungsbilds ist von einer mehr als 1000 Jahre alten glagolitischen Schrift inspiriert, die vor allem in Küstenregionen wie Istrien wo Plava Lugana arbeitet, vorkam. Daraus leitete Superunion das Typeface »Glagolitic Circe« ab, das aus einem lateinischen und kyrillischem Alphabet besteht.

Hier finden Sie Teil 1 , Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5 und Teil 6 der Reihe über die Gewinner des Type Directors Club 2019.


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