Generative Gestaltung

Beim generativen Design dreht sich alles um die Formfindung mittels mathematischer Formeln – Algorithmen und Code bestimmen die Gestaltung. Dabei orientiert sich der Designer nicht mehr auf den formalen Designprozess, sondern wird vielmehr zum Programmierer seiner dynamischen digitalen Werkzeuge – des Entwurfsmediums. Mit Processing, VVVV, Quarz Composer, openFrameworks oder anderen Programmen, die keine großen Coding-Kenntnisse erfordern, experimentieren Designer im Kommunikationsdesign mit Farbe, Form, Typografie und Bild und nutzen Abstraktionsmuster, um neue visuelle Welten entstehen zu lassen. Anwendungsgebiete sind beispielsweise Logos, Informationsgrafiken oder Diagramme.

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Logoentwicklung, Firmenlogo erstellen, Logo entwerfen, Visitenkarten, Corporate Identity, Agenturpitch, Generative Gestaltung, 3D Drucker

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Was genau ist »Metaworlds«? Die Schöpfer dieser ausgesprochen opulenten Bachelorarbeit haben sich das nie gefragt.

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»Wir sammeln innovative Eingabegeräte«, sagen Paul Kirsten und Christian Freitag, Bachelor-Absolventen an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle.

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Alles fließt: Die Agentur Heine/Lenz/Zizka hat für das neue Kongresshaus der Messe Frankfurt ein generatives Erscheinungsbild entworfen.

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Big Data Weihnachtspost von deepblue

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No Message Whatsoever

20131116 - 20140125

DAM, Berlin

 
Die Ausstellung zu Ehren von Frieder Nake vereint zwei besondere Jubiläen: Zum einen experimentierte Nake bereits 1963 mit Computer und ersten Plotterzeichnungen, die durch einen Zuse Graphomat Z64 an der Universität Stuttgart gezeichnet wurden. mehr

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Push.conference 2013

Im Oktober findet in München zum zweiten Mal die push.conference statt, die sich um Interaction Design und User Experience dreht.

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3D-Printing-Workshops auf dem DMY

Auf dem DMY- International Design Festival Berlin werden mehrere Workshops zum 3D-Drucken angeboten.

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Im Unterschied zu schon seit Längerem etablierten Experimenten in der generativen Kunst, wo Bilder und Konzepte für Installationen mittels Programmierung erzeugt werden, fokussiert der Begriff Generative Gestaltung eher Aufgabenstellungen in den Bereichen Design und Architektur. Architekten wenden Generative Gestaltung (dort auch häufig Computational Design genannt) hauptsächlich zur Formfindung und Simulation architektonischer Strukturen an.


Lesen Sie auch unsere PAGE eDossiers zu den Themen »Generative Gestaltung mit Processing & Co« und »Modernes Corporate Design – Flexibel, modular & generativ«.



Digital-Arts-Vertriebe aus Paris, New York, Tokio

Ob Kunst oder Design, auch für Kunstsammler ist die Frage der Präsentation und Archivierung generativer digitaler Artworks und Designs interessant. Dies nicht zuletzt, weil sich in den letzten Jahren neuartige Plattformen und Businessmodelle entwickelt haben, über die Digital Artists und Designer ihre Arbeiten potenziellen Kunden anbieten können.


Erstveröffentlichung dieses Beitrags: PAGE 04.2016 | Autorin: Verena Dauerer


Inhalt

1 Kunst ist überall: bright aus Paris
2 Der richtige Rahmen: Electric Objects aus New York
3 Spiel mit mir: Framed aus Tokio

Nein, die Zeit des Gemäldes – unbewegt und einmalig – ist nicht vorbei, aber es bekommt ernst zu nehmende Konkurrenz: In Büros, Hotels, Bars, an Fassaden oder Bushaltestellen kommen zunehmend Bewegtbilder zum Einsatz. Generative Visuals, GIFs, Videos und Animationen haben ihren Ursprung im Internet verlassen und sind nun dabei, nach Desktop- und Mobile-Screen, auf die digitale Leinwand zu wandern, als gerahmtes Kunstwerk in verschiedensten Flatscreen-Formaten bis hin zu riesigen Medienfassaden. Das Spannende an diesem Trend ist, dass dahinter neuartige Geschäftskonzepte und Online-Plattformen stehen, die zugleich neue Wege der Distribution für (Motion-)Designer und Animations künstler erschließen.

1 Kunst ist überall: bright aus Paris

Digitalkunst im Abo
Eine dieser Plattformen ist bright aus Paris. Das Start-up hat es sich zum Ziel gesetzt, Visuals und Bewegtbildinhalte von Digitalkünstlern an beliebige öffentliche und private Orte zu bringen – und zwar in Form eines Abonnements. So können Marken, Firmen und Institutionen, aber auch Kunstliebhaber zu Hause Artworks über das Portal mieten. Das Ganze funktioniert ziemlich einfach, vergleichbar mit dem Musik-Streaming-Service Spotify. Derzeit bietet bright mehrere Hundert Werke von 85 Kreativen an. Das Abo kostet zwischen 1000 und 3000 Euro im Monat. Der Preis richtet sich nach der Größe des Displays und danach, ob die Inhalte auf einer unbegrenzten Anzahl von Screens zur Verfügung stehen sollen. Auch die Art des Kunstwerks – ob Video, generatives oder bald auch interaktives Visual – spielt eine Rolle. Die Künstler selbst erhalten die Hälfte des Erlöses. 

Nach einer Betaphase ist bright Ende 2015 offiziell gestartet. Zu ihren Kunden zählen unter anderem das Centre Pompidou, Les Hôtels du Roy, die Bank LCL oder der Concept Store Le Marais. Zudem besteht eine Kooperation mit JCDecaux für die Bespielung von Pariser Bushaltestellen. Die Idee zu bright hatte CEO Abdel Bounane vor drei Jahren. Damals betrieb er im Pariser Digitalkunstcenter La Gaîté lyrique einen Concept Store für Magazine. »Für viele Ar tists, die ich dabei traf, war es schwer, ihre Kunst in Galerien und auf Messen zu verkaufen – immaterielle Werke interessierte die zeitgenössische Kunstwelt nicht«, so Abdel Bounane. Er fand, dass ihre Arbeiten ebenfalls an öffentlichen Orten gezeigt werden sollten und dass sie darüber hinaus für Marken interessant sein könnten, und gründete daher das Start-up, zusammen mit Martin-Zack Mekkaoui als CTO.

Laut einer Studie des Kunstmarkt-Infoportals Artprice hat digitale Kunst noch nicht ihr Businessmodell gefunden. Ein Visual samt Screen als Gesamtwerk zu verkaufen hält Abdel Bounane nicht für sinn voll. »Das lotet nicht das volle Potenzial aus. Wir wollen die ›Schwäche‹ der Digitalkunst in einen Vorteil verwandeln. Denn ein Kunstwerk auf einer unbegrenzten Anzahl an Screens gleichzeitig auszustellen bietet ganz andere Möglichkeiten«, erklärt er. Bei der Auswahl der Artists berücksichtigt bright neben deren Reputation und Originalität zum Beispiel auch, wie einfach ein Artwork in einem Kontext zu verstehen ist, der sonst kein üblicher Ort für Kunst ist. Generell ist Abdel Bounane aber überzeugt: »In den nächsten Jahren werden Gebäude und Plätze anders gestaltet sein: bewegter, informativer – und sie werden Kunst überall verbreiten.«
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2 Der richtige Rahmen: Electric Objects aus New York

Einen anderen Weg, digitale Kunst in die Welt zu bringen, verfolgt Electric Objects. Das New Yorker Start-up verkauft einen Screen und bietet dazu eine Visual-Plattform samt Community. Das physische Produkt baute Electric Objects mit Unterstützung einer Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter: EO1 ist ein 21 Zoll großer Hochformatscreen mit einer Full-HD-Auflösung von 1080 mal 1920 Pixeln. Die Bilder, Animated GIFs, Videos oder Websites sollen selbst bei einem Betrachtungswinkel von bis zu 179 Grad perfekt von allen Seiten zu sehen sein. Bedient wird das Gerät mittels einer iOS- oder Android-App über WLAN. EO1 ist in Weiß oder Schwarz für knapp 500 Dollar erhältlich.

»Die Idee war, digitale Artworks wie andere Formen der visuellen Kunst erfahrbar zu machen. Und es geht um eine experimentelle Art des Computers, die sich nicht ständig obsessiv um unsere Aufmerksamkeit und Interaktion bemüht«, erklärt Jake Levine, Gründer und CEO von Electric Objects. Und so ist EO1 als stilles Kunstwerk an der Wand konzipiert, es gibt keine Lautsprecher, dafür aber ein eigenes, auf die speziellen Anforderungen eines Kunst-Screens zugeschnittenes Betriebssystem, das auf Android basiert. Beispielsweise werden keine Warte-Icons eingeblendet, solange das Visual lädt, um das Seherlebnis des Betrachters nicht zu stören.

Käufer eines EO1 bekommen nicht nur Zugang zur EO1-Community – mit der Möglichkeit, eigene Visuals hochzuladen und die anderer anzusehen –, sondern auch zum Art Club von Electric Objects. Dieses Angebot umfasst unter anderem Werke von Künstlern wie Ai Weiwei oder Björk. Derzeit sind es mehr als 200 Visuals von 50 Artists. Diese Online-Galerie soll mehrmals pro Woche aktualisiert werden, und das dank Partnerschaften beispielsweise mit der New York Public Library, dem Rhizome-Projekt des New Yorker New Museum oder Tumblr, die neue Inhalte beisteuern. Electric Objects veranstaltet aber auch regelmäßige Open Calls, bei denen Künstler ihre Arbeiten einsenden können. Dafür erhalten sie einen EO1-Screen und ein Honorar von rund 500 Dollar.

 

Der richtige Rahmen Die digitalen Kunstwerke sollen sich zurückhaltend in jede Umgebung integrieren – das ist die Idee hinter dem EO1-Screen von Electric Objects. Über den virtuellen Art Club erhält man Zugang zu Arbeiten von Künstlern wie Ai Weiwei und Björk, aber auch zu Werken aus öffentlichen Sammlungen (Abbildungen: © Electric Objects)

Das Businessmodell des Start-ups besteht im Moment hauptsächlich aus dem Verkauf des Screens, mit den Erlösen erwirbt es neue visuelle Werke für die Plattform. Jake Levine sagt: »Alle Medien heute haben sich einem dramatischen Wandel unterzogen, was die Nutzung und das Teilen angeht. Visuelle Kunst zu Hause blieb davon relativ verschont. Gleichzeitig ist eine Generation an Künstlern herangewach sen, die sich über das Internet oder durch den Computer ausdrücken. Diese Generation verdient ein entsprechendes Medium, das sich der digitalen Kunst auf nachhaltige Weise widmet.«
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3 Spiel mit mir: Framed aus Tokio

Framed aus Tokio kam ebenfalls durch eine Kickstarter-Kampagne zustande. Doch anders als bei Electric Objects stehen hier die Möglichkeit der Interaktion, die hochwertige Verarbeitung des Bildschirms sowie der Zugang zu exklusiven Digitalkunsteditionen im Vordergrund. Hinter dem Projekt steckt kein Geringerer als Flash-Pionier Yugo Nakamura, der es als Mitgründer und Kreativ-

direktor begleitet. Die »Bühne für eine unbegrenzte Anzahl von digitalen Kunstwerken in der Alltagsumgebung«, so die Macher, zielt ebenso auf die Nutzung zu Hause wie auch im Geschäftskontext ab und wurde schon auf Festivals und Konferenzen, etwa auf der NODE15 in Frankfurt am Main oder dem Amsterdamer Fiber Festival, vorgestellt.

Der 24-Zoll-Screen im edlen Walnussholzrahmen verfügt über eine Full-HD-180p-Darstellung bei einem Betrachtungswinkel von bis zu 180 Grad – und das zu Preisen ab 400 Dollar (eine 40-Zoll-Version ist in Arbeit). Die Plattform selbst ist offen und lässt Werke jeder Art zu. Der Screen kann mittels Processing, Flash oder openFrameworks generierte Animationen ebenso wie OpenGL-, WebGL- oder Three.js-Anwendungen darstellen. Und nicht nur das: Framed soll Interaktionen ermöglichen. Dafür ist der Screen mit einer Kamera, einem Mikrofon sowie Bewegungssensoren und Gestenerkennung ausgestattet. Bedienen lässt er sich über eine iOS-App im WLAN, und selbst Lautsprecher für die Wiedergabe von
Videos sind integriert.

Mit der Gallery gibt es eine Plattform mit von Framed kuratierten, käuflichen Werken, deren Auswahl mehr auf Sammler digitaler Kunst zielt. Darunter finden sich spannende Kollaborationen zum Beispiel mit dem Digitaldesigner und ehemaligen Google-Mitarbeiter Aaron Koblin, dessen generatives Visual »Flight Pattern« man beim Kauf eines Framed-Screens im MoMA Store in einer Exklusivedition dazuerhält. Oder die »Tai Chi«-Animation der britischen Kreativagentur Universal Everything, die lediglich 5000 Mal heruntergeladen und gekauft werden kann. Auf der Kickstarter-Seite ist anhand der Kommentare zu erkennen, dass das Projekt noch mit den üblichen Liefer- und Debugging-Problemen zu kämpfen hat, die so viele Crowdfunding-Kampagnen mit Hardwarepro dukten kennzeichnet. Nach der ersten Auslieferung an die Unterstützer kann der Screen derzeit nur vorbestellt werden.
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Auch wenn die vorgestellten Projekte zum Teil noch im Anfangsstadium stecken, sie leisten schon jetzt einen wichtigen Beitrag dazu, digitale Kunst in unser Leben zu bringen.