Zeitung als Kunstwerk: Baselitz gestaltet Ausgabe der Welt

Keine Fotos, keine Grafiken und keine Tabellen – stattdessen ein Bilderzyklus von Georg Baselitz. Zum 20-jährigen Jubiläum der deutschen Wiedervereinigung gestaltet der Maler »Die Welt«.



Keine Fotos, keine Grafiken und keine Tabellen – stattdessen ein Bilderzyklus von Georg Baselitz. Zum 20-jährigen Jubiläum der deutschen Wiedervereinigung gestaltet der Maler »Die Welt«.

»Ich habe nie verleugnet, dass ich Deutscher bin und deutscher können auch meine Bilder nicht sein« sagt der 72jährige Georg Baselitz über sein Werk. »Seine DRR-Vergangenheit habe er sich vom Leibe gemalt«, sagen andere über ihn – und so oder so ist es kein Wunder, dass Cornelius Tittel, Feuilleton-Chef der Welt-Gruppe, ausgerechnet Baselitz, der in der DDR aufwuchs und 1957 nach West-Berlin ging, bat, die Ausgabe zum 20-jährigen Jubiläum der deutschen Wiedervereinigung zu illustrieren.

Ein geschicktes, Aufmerksamkeit erregendes Projekt – und, wie Baselitz selbst sagt »eine irritierende, lustige, positive Idee, dass man das Ganze bricht und ein Bild dahin setzt das von der Story völlig losgelöst ist.« Denn dort, wo sonst Fotos, Tabellen und Grafiken zu sehen sind, zieht ein Bilderzyklus von Baselitz sich durch die gesamte Ausgabe.

Werden die Bilder, ganz wie in einer Detektivkomödie, in der der Amateur sich hinter einer falschherum gehaltenen Zeitung verschanzt, auf dem Kopf stehen? Schließlich malt Baselitz seine Bilder seit mehr als 40 Jahren um 180° gedreht. »Eine Masche«, kritisieren die Kritiker seine Technik, eine Art »das Bild aus der fatalen Abhängigkeit zur Wirklichkeit wegzubringen«, sagt der Maler dazu.

Ob ein eventueller Kopfstand in der Welt überhaupt auffallen wird? Denn obwohl sich der exklusiv angefertigte Bilderzyklus um deutsch-deutsche Themen dreht, driftet so manches Bild eventuell in die Abstraktion ab.

Ob das den Leser gefallen wird, da schwankt Baselitz zwischen »112 rufen die an. Oder gleich die 110« und »dass auch die Leser Spaß daran haben werden«. So oder so: ein Sammlerstück werden sie auf jeden Fall in den Händen halten.

Copyright: (c) Georg Baselitz, Photos: Jochen Littkemann, Lithographie: Farbanalyse


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