Nicht mehr allein

Konstruktivismus trifft Fanzine: Annabelle Dorn entwickelt Erscheinungsbild und Heftreihe für ein Ledigenheim - und kämpft für dessen Erhalt.



Als das Ledigenheim in der Hamburger Rehhoffstraße zur Jahrhundertwende erbaut wurde, war es seiner Zeit weit voraus. Seeleute und Hafenmonteure konnten dort kleine möblierte Zimmer mieten, die regelmäßig gereinigt wurden, die Bettwäsche wurde gewechselt, es gab Gemeinschaftsräume, eine Speisewirtschaft und, anders als in der Seemannsmission, konnten die Männer die Zimmer auch während ihrer Zeit auf See behalten.

Ein perfektes und soziales Projekt das bedroht ist, seit ein dänischer Immobilieninvestor das Haus gekauft hat und befürchtet wird, dass er die Räume in lukrative Single-Appartements umwandelt.

Annabelle Dorn, die an der UdK Berlin und an der HAW Hamburg visuelle Kommunikation studierte, unterhält seit zwei Jahren mit Kollegen den Veranstaltungsraum reh. im Erdgeschoss des Ledigenheims – und ist seit 2012 Mitglied der Initiative Rehhoffstraße, die sich gemeinsam mit Anwohnern, Bewohnern und dem Architekturbüro acollage für den Erhalt des Ledigenheims einsetzt.

Zur Unterstützung der Initiative und als Diplomarbeit entwickelte Annabelle Dorn ein Erscheinungsbild mit einem stilisierten Bild des Hauses selbst und die Heftreihe »Blicke in das Ledigenheim in der Rehhoffstraße« deren Gestaltung vom russischen Konstruktivismus, der sich mit grundlegenden geometrischen Formen und Farbflächen beschäftigte,  inspiriert ist – und ihn zeitgemäß und in Anlehnung an selbstgemachte Fanzines neu aufleben lässt.

Die ideenreichen gesiebdruckten Cover der Heftreihe, die Informationen über das Haus, dessen Bewohner und Historie enthält, Texte zum Hafen und Seefahrt, zu Wohnkonzepten und Visionen, zeigen aufgerasterte Motive und grafische Farbflächen, vom Wind aufgebäumte Segel, Hochhäuser auf hoher See, Heimathäfen und die Schönheit der gemeinschaftlichen Wabe.

Auf den Innenseiten hingegen wird viel Wert auf gute Lesbarkeit gelegt, sie sind ruhig und mit doppelseitigen Bildern gestaltet – und kommen als Box mit neun Heften heraus. Und, ein weiterer wichtiger Aspekt: Die Hefte lassen sich billig und eigenhändig im Copyshop und der Siebdruckwerkstatt reproduzieren.

Am 12.4. wird die Heftreihe in den ehemaligen Gemeinschaftsräumen des Ledigenheims präsentiert. Es ist die Auftaktveranstaltung zu »Das Ledigenheim erhalten!« bei der eine Stiftung zum Erhalt des Männerwohnheims gegründet werden soll, Spenden gesammelt und die Forschungsergebnisse des Projekts »Collective Adaptation« der Hafencity University vorgestellt werden, die das Leben in der Neustadt analysiert haben.

Das Ledigenheim erhalten!, 12.4.2013, 18 Uhr, Ledigenheim Rehhoffstraße 1-3


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