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Ein Jahr Corona: alles anders?

Mittlerweile leben wir seit über einem Jahr mit Corona. Wie hat sich in dieser Zeit das Geschäft von Kreativagenturen, Designstudios und Freelancern gewandelt? Was ist anders, neu, schlechter oder besser? Und vor allem: Wie geht es weiter?

2021 wird alles besser. Dieses Mantra half uns im schwierigen Jahr 2020. Inzwischen ist klar: So ganz einfach wird auch 2021 nicht. Der anhaltende Lockdown, Impfprobleme und Virusmutationen verhindern, dass die Wirtschaft so schnell in Gang kommt wie gehofft. In vielen Branchen werden sich die öko­nomischen Auswirkungen der Pandemie erst in diesem Jahr zeigen. Zudem könnte die unsichere Lage dazu führen, dass Konsumenten und Unternehmen ihr Geld erst mal zusammenhalten und Marketingbudgets entsprechend vorsichtig bewilligt werden. Auch der Wunsch, wieder ein Agenturleben fernab des Homeoffice zu erleben, wird sich nicht so rasch erfüllen. Trotzdem – und das ist wirklich eine gute Nachricht – ist die Stimmung in der Krea­tivbranche gar nicht mal so schlecht. Eine im Herbst 2020 vom Gesamtverband Kommunikationsagen­tu­ren GWA durchgeführte Umfrage ergab, dass die meis­ten Agen­turen wohl mit ei­nem blauen Auge davonkommen werden.

»Vorsichtiger Optimismus«, so fasst Robert Men­de, Inhaber des Personalvermittlers Designerdock in Hamburg, die momentane Situation zusammen. »Bis zum Sommer haben wir Corona hoffentlich im Griff. Dann können Arbeitsmarkt und Agenturland­schaft aufatmen und wieder aktiv werden.« Bis dahin konzentriere man sich darauf, die Strukturen aufrecht­zuerhalten – mit allem, was da helfen kann: Kurzarbei­tergeld, Überbrückungshilfen, Remote-Lösun­gen. Zwar haben Agenturen auch 2020 Leute eingestellt, etwa wenn sie für Kunden aus Boombereichen wie Streaming-Angeboten oder E-Commerce arbeite­ten. »Es war aber kein Vergleich zur Vor-Corona-Zeit. Da hatten wir den War for Talents. Gerade im Digitalbereich suchte man händeringend Leute, die Markt­­macht der Arbeitnehmer war spürbar hoch«, so Men­­de. »Mit Corona hat sich das neutralisiert. Tolle UX Desig­ner, Entwickler oder Konzeptioner sind nach wie vor sehr gefragt, insgesamt aber gab es einen deutlichen Rück­gang an offenen Stellen.« Entsprechend hat auch De­signerdock selbst ein schwieriges Jahr hinter sich. »Wir hatten weniger Aufträge und konkrete Vermitt­lungen. Nicht in existenzgefährden­dem Maße, aber durchaus messbar.«

Licht am Ende des Tunnels

Zurückgegangen sind vor allem auch die Buchun­gen von Freelancern. »Natürlich haben die Agenturen erst mal zugesehen, dass sie ihre Projekte mit der bestehenden Mannschaft stemmen. Außerdem darf man keinen Freelancer anheuern, wenn man für einen vergleichbaren Job einen Mitarbeiter in Kurzarbeit hat«, erklärt Robert Mende. Die­se Flaute bekamen freiberufliche Designer vor allem im Frühjahr und Sommer zu spüren. Seit Herbst zieht das Geschäft wieder an – al­lerdings auf niedrigerem Niveau als in den Jahren zuvor. »2019 waren fast alle Freien gut gebucht, die guten sogar für mehrere Monate im Voraus. Diese Zeiten sind erst einmal vorbei«, sagt Lars Kreyenhagen, Geschäftsführer der Personalvermittlung Markenpersonal in Hamburg, die auch Coaching für Freelancer anbietet. Viele hätten die ruhige Zeit genutzt, um ihre Außendarstellung zu verbessern, an ihrer Positionierung zu feilen und neue Akquisestrategien aufzusetzen.

Lars Kreyenhagen rechnet damit, dass sich der Freelancer-Markt erholen wird, auch wenn dies noch eine Weile dauern könnte. »Es gibt schon positive Tendenzen: Agentu­ren und Unternehmen sind viel offener geworden für Homeoffice und Remote Work. Davon können Freelancer genauso profitieren wie Fest­angestellte.« Diese Entwicklung wird sich auch auf die Arbeits­umgebung von Kreativen auswirken. »Viele Agen­turen versuchen bereits, ihre Büro­fläche zu re­duzieren und anders zu strukturieren«, sagt Lars Kreyenhagen. Mehr Flexibilität, weniger Präsenzpflicht, das Office als Begegnungsstätte und eine gestiegene Offenheit für neue Arbeitszeitmodelle – sollten sich diese Ansätze langfristig durch­setzen, hatte Corona zumindest auch ein bisschen was Gutes.

Corona: Nachgefragt in der Kreativbranche

Weitere Links zum Thema Corona und die Kreativbranche

  • Corona-Hilfen für Kreative: Über die Entwicklungen bei der staatlichen Unterstützung von Freelancern und Agenturen informieren wir Sie aktuell auf unserer Website unter www.page-online.de/coronahilfen
  • »Kreativ in der Krise«: Wie Designer die Situation nutzen können, um ganz neue Wege zu gehen, lesen Sie in PAGE 03.21

Produkt: PAGE 07.2020
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Remote: Workshops und Design Sprint ++ Flexibilität visualisieren ++ Know-how für Packaging-Projekte ++ Bildung und Kultur im Netz ++ Beyond Crisis: Kris Krois im Interview ++ Ratgeber: Kreativ-Notebooks ++ Rethink: Agenturen im Umbruch ++ Restart: Neue Chancen für Designer ++ Corona und Designstudium ++ Inspiration: Muster im Design

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