Was halten Sie vom neuen Mozilla-Logo?

Deutlicher Bezug zum Internet, Serif-Font, bunt und bildgewaltig – der neue Mozilla-Auftritt ist fertig. Lesen Sie hier, was Designexperten davon halten!



Das neue Logo

Vor sieben Monaten startete die Non-Profit-Organisation Mozilla, die unter anderen hinter dem Firefox-Browser steckt, in ihren Open Design Process. Tausende Vorschläge aus der Community trudelten ein, zig Meetings wurden gehalten und jetzt ist es endlich so weit: Ein neues Branding erblickt die Welt.

Ziel der neuen Corporate Identity war es, Mozilla als Marke bekannter und prägnanter zu machen sowie den einzelnen Communitys eine starke Dachmarke zu geben. Die finale Umsetzung entstand gemeinsam mit dem Londoner Designstudio johnson banks.

 

Das Logo

 

Die Zeichenfolge »://« ist der Start ins Internet und künftig fester Bestandteil des Mozilla-Logos. Schließlich positioniert sich das Unternehmen als »Champion for a healthy internet«. Der Font Zilla, gestaltet von der niederländischen Typotheque, ist für jeden frei zugänglich. Er erinnert die Courier, was ihm einen journalistischen Touch geben und den Anspruch von Mozilla unterstreichen soll. Außerdem hebt er sich durch Serifen ab, die in den Logos anderer Tech-Firmen eher selten sind. Von der Wortmarke aus gehen alle weiteren Elemente, wie Submarkennamen, Farben und Bilder aus – so, wie die URL der Ausgangspunkt ins Web ist.

 

Farben und Bildwelt

 

Die Farbpalette macht Anleihen bei den Highlight-Farben von Internetbrowsern und wechselt je nach Kontext. Mit der fortschreitenden Entwicklung des Style Guides will Mozilla Farbzusammenstellungen und Intensitäten definieren.

Statt sich auf ein einziges Bild zu beschränken, schöpft Mozilla aus dem Vollen und setzt auf dynamische, ständig wechselnde Bilder, die sich zudem noch überlappen. Geplant ist, Künstler, Designer und Techies einzuladen, Bilder für Mozilla zu kreieren (erinnert ein bisschen an die Aktion von Adobe, bei der das »A« des Logos von verschiedenen Gestaltern interpretiert wurde). Dazu kommen von Mozilla entwickelte GIFs und Animationen.

Die gesamte CI ist Open Source, die Bilder stehen unter Creative Commons allen zur Verfügung. Das neue Erscheinungsbild wird ab sofort schrittweise ausgerollt. Der Open Design-Prozess ist übrigens noch nicht vorbei. Wer Feedback geben oder Vorschläge machen möchte, kann dies im Mozilla-Blog tun – und natürlich in der Kommentarleiste unter diesem Artikel.

 


 

Experten-Meinungen

Olaf Stein, Partner bei Factor

Open Design Process?

Ich bin mir nicht sicher, ob wirklich viele Menschen Mozilla kennen, aber sicherlich das bekannteste Produkt, den Webbrowser Firefox, der vor wenigen Jahren noch Mozilla Firefox hieß. Das Re-Branding von Mozilla, bzw. der Mozilla Corporation, die sich als Non-Profit Organisation bezeichnet und auf der Website folgendes mitteilt: »We’re Mozilla, the proudly non-profit champions of the Internet, helping to keep it healthy, open and accessible to all.«, hat am Ende aber doch 1000 Mitarbeiter und die neue CI wurde ganz »Mozilla-like« im »Open Design Process« entwickelt, wodurch wohl eine inhaltliche Brücke zur Open Source Entwicklung, die allen Mozilla-Produkten innewohnt, geschaffen werden sollte.

Die Erklärungen auf der Mozilla Seite zum Rebranding sowie das Statement von Michael Johnson, einem Partner der Londoner Agentur JohnsonBanks sind mir persönlich zu sperrig – auf der Agentur-Website sieht man sich mit sehr vielen sehr lebendigen Mood-Chart-Variationen konfrontiert. Die abschließend gewählte Route und die vielfältigen Anwendungen zeigen mir vor allem eins:

Am Ende ist es ein normales Rebranding, welches durch eine Branding-Agentur begleitet wurde.

Das wie auch immer zu Stande gekommene Ergebnis spiegelt in meinen Augen den »Open Source«-Ansatz überhaupt nicht wieder. Das Logotype steht in einem schwarzen Kasten – eingesperrt und abgeschirmt von der Außenwelt. Verschlossen und unzugänglich. Zudem verstehe ich das Zitat an das alte Web – ://, als einen Blick zurück und nicht nach vorn. Persönlich bin ich froh, diese Zeichen nicht mehr eingeben zu müssen. Die Website, von der ich nicht weiß, ob sie wirklich neu ist oder nur das Logo ausgetauscht wurde, zeigt außer dem Logo noch nichts von dem, was JohnsonBanks angedacht hat.

Man darf gespannt sein, ob die Brand durch die Veränderungen wirklich mehr »awareness« bekommen wird.


André Stauffer, Creative Director, MetaDesign Zürich

Wer das Internet im Herzen trägt, der fühlt Code …! Klar, wenn man die Entwickler-Community fragt. Und die passende Bildwelt besteht aus einem lustigen Universum kleiner, bunter Bilder.

Das Ergebnis von Mozillas Open Source Branding ist etwas, womit sich Marken-Agenturen oft schwer tun: Es ist populär – im Ergebnis und im Prozess. Dass jedoch die Menge der Mitspieler nicht automatisch die Qualität des Resultats verbessern, erscheint offensichtlich. Und spätestens beim Schriftenwurf mussten dann doch die Profis von Typotheque ran. Aber die benutzen ja auch Programme, die nicht jeder beherrscht.

Branding ist im Agenturalltag seit langem ein Prozess, der in Zusammenarbeit und im Austausch vieler Beteiligter geschieht. Der Erfolg beruht darin, die Kräfte zu bündeln und sinnvoll zu lenken.

Wer dabei der Versuchung erliegt, Konzeption und Kreation in die Crowd abzudelegieren, verliert.

 

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2 Kommentare


  1. Peter N.

    Mir erschließt sich mit dem neuen Logo kein Bezug mehr zur Wortmarke Mozilla. Ich lese da „moz“ und noch „a“. Und auch wenn ich mich nicht unwissend stelle und weiß wofür es stehen soll, gefällt es mir persönlich keine Spur besser.


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