Jobprofil: Texter

Als Artdirektor in einer Agentur zu arbeiten, ist für viele junge Leute ein Traumjob – über Texter hört man das eher selten. Dabei ist es gerade die enge Teamarbeit zwischen beiden, die tolle Kampagnen hervorbringt …



Texter, Jobprofil, kreative Berufe

Noch vor drei Jahren wusste Karl Wolfgang Epple gar nicht, dass es über­haupt Werbetexter gibt. Sah er einen Audi-Spot, war für ihn klar: Der ist von Audi. Dass in der Regel zwischen Kunde und Spot ei­ne Agentur steht, darüber hat­te er noch nie nachgedacht.

Musste er auch nicht, denn eigentlich wollte er Anwalt werden, brach das Jurastu­dium aber im fünften Semester ab. Durch Zu­fall landete er auf der Facebook-Seite der Hamburger Tex­ter­s­chmiede, die dort einen kleinen Wettbewerb zur Fra­ge »Welche Headline könnte zu diesem Bild passen?« veranstaltete.

Karl Wolfgang Epple mach­te aus Jux mit – mit einem entsetzlichen Wortspiel, das er nicht verraten will –, erhielt kurz darauf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch und wurde an­ge­nom­men.

Seit Oktober 2013 arbeitet er als Texter bei der Agenturgruppe thjnk in Hamburg. Nachts schreibt er fleißig an seinem Coming-of-Age-Roman »Ich hab nur Hurensohn verstanden« (www.karl-wolfgang-epple.de), der noch dieses Jahr erschei­nen soll. Wir sprachen mit ihm über Wörter, Konzepte, Teamarbeit und Nashörner.


Jobbezeichnung Texter
Ausbildung Es gibt keinen vorgeschriebenen Ausbildungs­weg
Verdienst (Brutto) Vom Juniortexter mit etwa 25 000 Euro jährlich bis zu rund 60 000 Euro Jahresgehalt als Seniortexter


Ich gehe mal um den Block, dann fällt mir eine Super-Headline ein – so stellen sich viele die Arbeitsweise eines Texters vor, was ist dran?
Karl Wolfgang Epple: Nicht viel. Es passiert schon mal, dass man eine Eingebung hat, aber selten und wenn, dann eher für einzelne Lines, sicher nicht für eine ganze Kampagne. Der Beruf des Texters umfasst eben doch ein bisschen mehr, als nur schön schreiben und Grammatik zu können.

Was gehört denn zum Handwerkszeug?
Man hört ja immer, dass das Werkzeug des Texters die Sprache wäre, aber das stimmt nicht. Natürlich soll­te man ein Faible für Sprache haben, aber das ist nur die halbe Miete. Die andere Hälfte ist ganz viel konzeptionelles Denken, Geduld und Stressresistenz. Dabei hilft einem als Vorbildung übrigens jedes Studium, auch wenn es ein abgebrochenes ist.

Das heißt, Texter sind auch an der Konzeptentwicklung beteiligt?
Absolut, oft sogar mehr als die Artdirektoren. Hier bei thjnk bekommt die Kreation aus der Strategie eine Art kreatives Sprungbrett, auf dessen Basis wir Kon­zepte entwickeln. Wir fangen meist mit einem Satz an, sozusagen dem Kampagnengedanken. Dann über­legen wir, wie die Kampagne aussehen könnte: Gibt es Plakate, Filme, wie kann sie online funktionie­ren und so weiter. All das denken sich Artdirektor und Texter gemeinsam aus. Der Senior Artdi­rektor Niko auf dem Berge ist hier bei thjnk mein fes­ter Partner, wir teilen auch ein Büro. Wir sind immer zusammen.

Was gehört noch zum Aufgabengebiet eines Texters?
Headlines schreiben natürlich. Aber auch Spots fürs Radio oder Fernsehen – das sind dann oft schon klei­ne Drehbücher. Gelegentlich auch längere Tex­te, was gar nicht einfach ist. Da musste ich erst ler­nen, nicht unbedingt den ganzen Platz vollzuschreiben. Ich tex­te auch Mailings oder mache das Naming für ein neu­es Produkt. Und manchmal sind es klei­ne net­te Sachen wie das Bekleben der agen­tur­ei­ge­nen Fahr­räder mit lustigen Sprüchen. Eins gilt stets: Ent­schei­dend ist nicht, was ein Tex­ter schreibt, son­dern, was er weg­lässt. Man kann aber auch komplett ande­res machen: Pro­dukt­texte für Verpackun­gen, Vi­deo­spie­le, such­ma­schi­nenoptimierte Texte oder Dreh­bü­cher schreiben.

Die Ausbildung ist aber immer dieselbe?
Sehr viele Texter starten ohnehin als Quereinsteiger, auch weil es für diesen Beruf keinen vorgeschriebe­nen Ausbildungsweg gibt. Die einjährige duale Ausbildung an der Texterschmiede – die einem im Übrigen wirklich fit für den Job macht – geht schon in Richtung Werbetexter, sicher auch wegen der vielen Werbekoryphäen, die dort als Dozenten tätig sind. Unter den Absolventen finden sich aber auch Drehbuchautoren, Autoren oder Redakteure.

Was macht in Ihrem Job am meisten Spaß?
Früher dachte ich immer, ich wäre vor allem stilis­tisch sehr gut. Das mag auch stimmen, aber am meis­ten Spaß macht mir die Entwicklung von Konzepten. Gar nicht das Wort, das die Menschen am Ende lesen, sondern das Ausdenken davor. Ich habe gro­ßes Glück mit meinem Artdirektor. Niko ist sehr kon­zeptstark, da macht das Bällezuwerfen Spaß.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?
Eigentlich ist jeder Tag anders. Morgens schreibe ich vielleicht einen TV-Spot für McDonald’s, mittags habe ich eine Telefonkonferenz mit dem »Spiegel«, nachmittags texte ich Claims für einen Pitch. Und das immer eng vernetzt mit den Strategen, den Digita­len und anderen Kollegen. Da Niko und ich für die gesamte Agenturgruppe tätig sind, habe ich letztes Jahr für über zwanzig Kunden gearbeitet. Das ist eher ungewöhnlich, aber ziemlich gut.

Ist das nicht manchmal ziemlich anstrengend?
Schon. Aber es wird eben auch nicht langweilig. Als Kreativer arbeitet man ja nicht wirklich, man lebt als Kreativer. Ich will nicht sagen, mein Arbeitstag hört nie auf, ich bin ja nur von 10 bis 20 Uhr in der Agentur. Aber wenn mir in der Nacht was einfällt, schrei­be ich das natürlich auf. Und zwischen der gan­zen Texterei gibt es auch viel Milchkaffee und zum Austausch eine Menge anregende Gespräche mit anderen Teams.

Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf am meisten?
Ich habe eigentlich hundert Berufe. Auf dem Papier bin ich zwar Werbetexter, aber gleichzeitig fahre ich morgens Audi, baue nachmittags IKEA-Möbel auf, trinke abends ein Paulaner. Ich muss mich ja in die Marken hineinversetzen, in einen bayerischen Bierbrauer oder einen Ingenieur bei Audi.

Welches war bislang Ihr spannendstes Projekt?
Zum einen der Bettenstammbaum für IKEA. Aus dem Gedanken heraus, dass jeder zehnte Europäer in ei­nem IKEA-Bett gezeugt wurde, haben wir einen Stammbaum entwickelt, auf dem man sieht, in welchem Bett welches Kind gezeugt wurde (www.thjnk.de/project/ikea-bettenstammbaum). Die Kampagne hat letztes Jahr in Cannes Silber gewonnen, das war natürlich ein Highlight. Die zweite tolle Sache war .hiv. Ein Projekt, das hier bei thjnk begonnen hat und inzwischen ein gemeinnütziger Verein zur Aidsbekämpfung ist (https://click4life.hiv/de). Unternehmen können sich registrieren lassen und bekommen dann die URL-Endung .hiv. Und jeder Klick auf eine .hiv-Website löst eine Spende aus. Das ist spannend, weil es technisch neu und eine gute Sache ist.

Und woran würden Sie gerne arbeiten?
An einer Kampagne, die ein Tier – vielleicht ein Nashorn –, vor dem Aussterben rettet. Man darf als Wer­ber solche Dinge nicht vernachlässigen, man kann nicht nur Möbel und Bier verkaufen. Und Für Nike.

Würden Sie einem guten Freund raten, Texter zu werden oder doch lieber Bierbrauer in Bayern.
Bierbrauer natürlich. Nein im Ernst, wenn jemand Interesse an dem Beruf hat, würde ich sagen: »Mach es, aber horch in dich hinein, ob du dafür geschaffen bist.« Man muss schon ein kreativer Mensch sein und ein besonderes Sprachtalent haben. Oder abends beim Fernsehen denken: Mensch, die Werbung ist total scheiße, das könnte ich viel besser.


Ausbildung zum Texter

Die Ausbildung zum Texter ist nicht geschützt und im Unterschied zu den kaufmännischen und gestalterischen Berufen der Kommunikations­branche bis heute nicht akademisch geregelt – trotz vereinzelter univer­sitärer Angebote. Aber es gibt einige Ausbildungsstätten für Texter.

KreativKader, Düsseldorf und Stuttgart. Die duale Ausbildung zum Texter beim KreativKader dauert zwölf Monate und kostet monat­lich 440 Euro sowie einmalig 650 Euro Prüfungsgebühr. Die Schulgebühren sollten sich mit dem Ausbildungsgehalt der Agenturen decken lassen.

Miami Ad School Europe, Hamburg und Berlin. Die private Schule ist staatlich anerkannt und bietet zweijährige Ausbildungen für Werbetexter, Artdirektoren und Grafikdesigner an. Studierende können sich nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) unter­stützen lassen. Kosten: rund 21 000 Euro.

Texterschmiede, Hamburg, Die duale Ausbildung an der Texterschmiede dauert zwölf Monate und kostet monatlich 385 Euro. Die zwei, jeweils sechsmonatigen schulbegleitenden Praktika in den Förderagenturen werden mit 400 bis 500 Euro monatlich vergütet. Mit Ausbildungs­beginn wird eine einmalige Aufnahme- und Bearbeitungsgebühr in Höhe von 180 Euro fällig. Pro Schuljahr gibt es ein Stipendium, die Texterschmiede ist im Rahmen des BAföG anerkannt. Bewerbungsschluss ist der 22. Mai.

Mehr Jobprofile in Kreativberufen finden Sie hier.




Kommentieren

Einfach mit dem PAGE Account anmelden oder Formular ausfüllen

Name *

Email *

*Pflichtfeld

Ihr Kommentar *

 
 

Das könnte Sie auch interessieren