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Von humanoiden Robotern und echter Handwerkskunst

Die Berlin Design Week 2026 hat beim Real Talk vor allem eins deutlich gemacht: Es gibt eine Gegenspielerin zur Künstlichen Intelligenz – die Handwerkskunst. Menschen wünschen sich mehr Analoges, mehr Natürliches und echte Storys hinter Designs.

Grafik Design Real Berlin Design week
Grafik: Berlin Design Week

Am Freitag der Berlin Design Week referierten Speaker auf der Bühne zu Themen, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Allen gemeinsam: Design. PAGE hat sich einige genauer angeschaut.

Insbesondere ein Satz von Birgit Baier (Bempowered) wirkte äußerst passend und blieb im Gedächtnis: »Design wird nicht verschwinden. Aber Design ist in Zeiten von AI wie System Thinking mit verschiedenen Layern.«

Also: AI ist längst nicht mehr nur ein Tool, sondern wie ein aktiver Teilnehmer des gesamten Designsystems. Ausgenommen: klassische Handwerkskünste.

Wann kommen humanoide Roboter?

Menschen aus der Kreativbranche beschäftigen sich seit einigen Jahren mit Entwicklungen von und mit Künstlicher Intelligenz. Wo man hierzulande in großen Teilen noch dabei ist, mit AI Tools wie Midjourney, ChatGPT, Canva etc. klarzukommen, sieht es auf Messen wie der CES (Consumer Electronics Show) im Las Vegas Convention Center, Nevada (USA) schon um einiges futuristischer aus.

Humanoide Roboter mimen bereits menschliche Bewegungen nach, fangen Bälle auf oder erledigen einfache Aufgaben im Alltag und für die Industrie.

Wer sich für aktuellste technologische (Design-)Entwicklungen interessiert, sollte unbedingt einen Blick auf den Fortschritt werfen. Nicht nur, um up to date zu bleiben, sondern auch, um zukünftige Designanforderungen nicht aus den Augen zu verlieren.

Beim Real Talk zur Berlin Design Week berichtete Prof. Dr. Oliver Nickel (SWELL) zum Thema »Affectionate Intelligence«. Also über mitfühlende »Companion AI«, oder, wie er sagte, darüber, wie »Technik liebevoll wirken kann«. Dafür brachte er Eindrücke der erwähnten CES Konferenz mit. Von »Cute AI« über »Social AI« bis hin zu »Physcial AI«, um einige Beispiele zu nennen, gibt es heute noch vermehrt die sogenannten Single-Anwendungen.

Das heißt: Roboter können immer nur eine Sache übernehmen, nicht mehrere. Dies wird sich schon bald ändern, meint er. Aber inwiefern kann der Mensch Roboter eigentlich kulturell akzeptieren? Dafür brauche es gewisse Katalysatoren wie Sprache, Persönlichkeit, Erkennbarkeit (wie ein menschliches Gesicht) oder Haptik. Insbesondere in der Sparte Care Design könnte das wirklich helfen.

»Gegenspieler« ist die Handwerkskunst

Doch bei all diesen spannenden technischen Eindrücken bleibt – und verstärkt sich – offenbar immer mehr der Wunsch nach analogen Designprodukten. Auch das wurde bei den Real Talks enthusiastisch vorgetragen.

Ob mit Hand perlenbestickte Accessoires, selbst gewebte Textilien, mit der Hand gearbeitete Holzprodukte oder Möbelstücke ohne Scharniere: Viele der Speaker vereinte die Leidenschaft zum Handgemachten, zum klassischen analogen Handwerk.

Das Publikum durfte zum Beispiel zusehen, wie Justin Allen, Architekt und Mitgründer von Allen Kaufmann Architekten, mit einem großen Ziehkoffer zur Bühne trat. Als er diesen öffnete und begann, einzelne Holzteile zusammenzuschieben, waren viele beeindruckt. Am Ende hatte er binnen kurzer Zeit einen Stuhl aufgebaut, auf dem er dann auch direkt selbst Platz nahm. Nach dem Motto: Keine Schrauben, keine Scharniere, kein Bullshit. Was ihm wichtig ist: dass Menschen Möbelstücke lange behalten möchten.

Allen Kaufmann Möbeldesign
Aus den Möbeldesigns von Justin Allen, Architekt und Mitgründer von Allen Kaufmann Architekten // Foto: PR

 

Von Natur und Tradition inspiriert

Auch Designerin Monica Förster (Monica Förster Design Studio) betonte ihre Liebe zum Handwerk. Sie sagte, dass Handwerk ein starker Gegenpol zu KI sei. Sie glaubt zudem fest daran, dass es zukünftig immens wichtig sein wird, Dinge mit der Hand zu gestalten, das hätte etwas Magisches, was Technik nicht kann. Damit spielte sie auf die Verbindung zur Natur an. Da sie selbst sehr naturnah aufgewachsen ist, lässt sie sich ständig von ihr inspirieren. Das spiegelt sich auch in ihren Arbeiten wider. Obendrein schätzt sie die starke Freundschaft und Verbindung zwischen Designer:innen und Handwerker:innen – ohne einander ginge es nicht, Projekte zu gestalten und manuell herumzuexperimentieren.

Für viele Bevölkerungsgruppen sind Designs und spezielle analoge Techniken zudem mit noch ganz anderen Emotionen und Lebensgeschichten verbunden. Die Speaker Pablo Bautista (Idonika), Lujan Cambariere und Claudia Coronado (INGUAT) aus Guatemala berichteten, wie Design vom Handwerk und von der Kultur aus gedacht wird. Designs und Herstellungsverfahren kommunizieren auf den Spuren der Maya-Kultur Tradition, Rituelles oder Spirituelles.

Guatemala Designs, Berlin Design Wee
Guatemala diseña con las manos: Ausstellung Instituto Guatemalteco de Turismo (INGUAT) / Guatemalan Tourism Institute (INGUAT) / Guatemaltekisches Institut für Tourismus (INGUAT)

 

Hier erzählen Designs ihre ganz eigene Geschichte, die nichts mit AI und digitalen Tools zu tun haben. Dahinter stehen echte Künstler:innen und Handwerksleute, die zum einen ihren Lebensunterhalt damit verdienen und zum anderen die Designs samt Hintergrundgeschichten in die Welt tragen möchten.

Auch historisch außerordentlich spannend war der Special Guest! Typedesigner Lucas de Groot präsentierte eine sehr unterhaltsame Reise durch seine Geschichte von Typografie. Und die muss man einfach selbst mitgehört haben …

Hier geht’s zu den Design Day Short Bits!

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