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Wie simple Formen zu Supergraphics werden: Die Identity der Config 2024

Auf der Config 2024 rotierten die Farben und Formen und rissen einen auf verschiedenste Weise mit. Wir sprachen mit Figma Design Managerin Jessica Svendsen über das Config Design, über Farbpaletten und Supergraphics – und wie das Design Team beständig auch an der Figma Identity selbst arbeitet.

Wir sprachen mit Jessica Svendsen, Design Manager:in bei Figma, die ihre Karriere bei Pentagram und Apple startete und anschließend als In-House Brand Designer:in bei Stripe und Dropbox gearbeitet hat und jetzt an der Seite von Figma Creative Director Damien Correll (hier im Interview) erstmals die Entwicklung der Config-Identity mitentwickelt hat.

»Es kam mir fast wie Magie vor, als unsere zweidimensionalen Entwürfe plötzlich plastisch wurden«

Letztes Jahr wurde die Identity der Confiq von Piktogrammen und Typografie bestimmt. In diesem Jahr hat einen ein wirkliches Feuerwerk aus Farben und Formen begrüßt. Wie ist es entstanden? Und welche Idee steht dahinter?

Jessica Svendsen: Das Schöne an Konferenz-Design ist, dass es zeitlich begrenzt und vergänglich ist und wir deshalb jedes Jahr ein neues gestalten können. Es lehnt sich jeweils an das Figma-Branding an, aber spiegelt gleichzeitig einige der neuen Produkte. Letztes Jahr ging es um die Einführung von Dev-Mode und damit um die universelle Sprache zwischen Designern und Entwicklern. Und so haben die Piktogramme der Config-Identity eine gemeinsame Sprache visualisiert. In diesem Jahr hingegen haben wir uns von Produkteinführungen wie dem neuen UI Design und den Firma Slides inspirieren lassen. Daraus entstand die Idee, etwas wirklich Simples wie eine Form zu nehmen und zu sehen, auf welche Art man sie verändern und mit ihr spielen kann. Einfache Formen wie ein Quadrat oder einen Kreis haben wir in etwas verwandelt, was wir Supergraphics nennen. Das sind komplexe, übereinander geschichtete, verschachtelte Formen, die zum Leben erwachen und sich ausbreiten. Sie sind eine abstrakte Visualisierung der Neuerungen, die zum Auftakt der Konferenz in der Keynote vorgestellt wurden.

Und in diesem Jahr ist das alles zudem in Bewegung geraten.

Absolut. Motion steht im Mittelpunkt unser diesjährigen Config-Identity und wir haben dafür mit unseren hauseigenen Motion-Designern zusammengearbeitet. Die Formen verwandeln sich, verändern ihre Größe und sind plötzlich mit einem 3D Twist versehen. Es kam mir fast wie Magie vor, als unsere zweidimensionalen Entwürfe plötzlich plastisch wurden. Sie sind im gesamten Messecenter zu sehen, während den Keynotes und Talks und sind auch auf die Website integriert.

»Die Bewegungen im Film werden immer komplexer und dynamischer«

Bevor die Keynote begann, hat man auch diesen mitreißenden abstrakten Film gesehen.
Den Eröffnungsfilm. Das war noch einmal eine ganz besondere Herausforderung, denn er ist eine ganze Minute lang. Und dazu setzt er auch noch den Ton der Konferenz und bestimmt die Energie und die Stimmung im Raum. Und das alles an einem Mittwoch Morgen um 9 Uhr. (lacht). Gleichzeitig wollten wir trotz der Abstraktion einen narrativen Bogen spannen, der einen bis zum Schluss fesselt. Und so werden die Bewegungen im Film immer komplexer und dynamischer.

Und der Rhythmus des Films ist sehr wichtig.
Auf jeden Fall. Und auch die Farben sind es.

Gleichzeitig ist die Farbpalette der Config 2024 viel komplexer, bunter und leuchtender.
Ja, letztes Jahr waren die Farben wesentlich unauffälliger und gedämpfter. Wirklich toll ist auch, dass wir gleich sechs verschiedene Farbpaletten entwerfen konnten, die auf verschiedenfarbigen Hintergründen funktionieren. Dazu haben wir gleich unsere neuen Figma-Features genutzt und sie haben uns und unseren Animator:innen ermöglicht, konsistent zwischen den Farbpaletten hin- und herspringen. Die Paletten sind definiert, aber eröffnen gleichzeitig viele Möglichkeiten, gerade auch, weil sie alle wie ein Teil derselben Farbfamilie wirken. Darum geht es im Figma Brand Design sowieso immer, um eine hohe Flexibilität in allen diesen verschiedenen Anwendungen, darum, dass alles sehr abwechslungsreich ist und gleichzeitig eine Einheit und wiedererkennbar.

»Wir wollten die digitalen Markenvisuals in ein wirkliches physisches Erlebnis verwandeln«

Und dann sind da noch die tollen 3D-Skulpturen, die hoch oben in der Eingangshalle schweben. Ich war sehr gespannt, was dort in diesem Jahr zu sehen sein wird. Denn im letzten Jahr hingen dort die riesigen Patchwork-Arbeiten mit der Config-Identity, die von der Mutter eines Mitarbeitenden genäht wurden.
Toll sahen die aus. Wir hingegen haben in diesem Jahr Objekte entworfen, die wir Kites (Drachen) genannt haben. Schaut man sich ihre Form an, sind es wohl eher Kasten-Drachen. Und ich bezweifle auch, dass sie fliegen. (lacht) Für uns ging es darum, wie wir die zweidimensionalen und digitalen Markenvisuals in ein wirkliches physisches Erlebnis verwandeln. Die »box kites« waren für uns eine Möglichkeit, unsere flachen Supergraphics in diese ganzen unterschiedlichen Drachen zu übersetzen, die dazu aus jeder Perspektive anders aussehen. Es war ein toller Moment, als wir ins Moscone Center kamen und sie zum ersten Mal gesehen haben. Ich glaube, es sind 14 Drachen insgesamt und sie heißen einen auf der Konferenz willkommen.

Sie wirken wie Skulpturen.
Und es hat so viel Spaß gemacht, sie zu entwickeln. Schon allein, über die Materialien nachzudenken. Sie sind jetzt aus Nylongewebe gefertigt und bieten einen schönen Kontrast zu den Holzverkleidungen und anderen Materialien dort.

»Wir arbeiten konstant daran, unsere Markensprache vorwärtszubringen«

Auch im Makerspace im Erdgeschoss stehen Skulpturen, die von den Config-Visuals abgeleitet sind und einige Partnerbrands und vieles Andere untergebracht ist. Es ist gar nicht einfach, so eine schöne Einheit zu gestalten.
Das stimmt. Und alles, was dort sieht, ist erneut von dem Config-Design abgeleitet und noch einmal eine andere Interpretation der Marke, die den Brand gleichzeitig zum Leben erweckt. Die drei zentralen Aufbauten dort sind ebenfalls von den Supergraphics abgeleitet, die Besucher:innen können sich dort treffen, zusammensitzen, sich ausruhen oder austauschen.

Wenn ihr nicht gerade am Config Design arbeitet, worin bestehen eure Aufgaben als Brand Design Team? Und wie viele seid ihr?
Wir sind ein Team aus 17 Designer:innen, Writer, Maker und Strateg:innen. Die Config ist eines der vielen Projekte, an dem wir arbeiten. Darüber hinaus haben wir auch die gesamten Produkt-Launches unterstützt, die in der Keynote vorgestellt wurden, waren am Storytelling, den Animationen und Videos beteiligt. Produkteinführungen zu begleiten, ist definitiv ein wichtiger Teil unserer täglichen Arbeit. Dazu arbeiten wir an Konfigurationen und an der Firma Identity selbst, überlegen, wie wir unseren Illustrationsstil weiterentwickeln können und unsere Typografie, wie wir tolle Bibliotheken für andere Teams erstellen können und auch konstant daran, das Wachstum der Marke zu unterstützen, indem wir unsere Markensprache analysieren und sie vorwärtszubringen.

Auch das Figma Logo ist in Bewegung, oder?
Das Figma Logo, das F, wurde von unseren Motion Designer:innen auch animiert. Eines der Dinge, die ich daran liebe ist, dass unsere Motion Designer diese fünf Formen aus denen es besteht, immer wieder auf neue Art und Weise lebendig werden lassen und so, dass es zu den neuen Produkten passt. Wir schätzen den Ton und das Verspielte daran.

»Besonders schön war es auch, Merch zu gestalten, der speziell von Designern und Developer getragen wird«

Und dann ist da noch der Souvenirshop, vor dem den ganzen Tag über wirklich lange Schlangen sind.
Ganz so wie im letzten Jahr, wo Merchandise für unglaubliche 85.000 Dollar verkauft wurde. So gibt es jetzt auch eine neue Kollektion, die von Sweat- und T-Shirt zu Pins reicht. Wir wollten ein tolles Shopping-Erlebnis schaffen und haben dafür mit dem Studio Actual Source aus Utah zusammengearbeitet. Sie waren großartige Partner, haben großartige Artikel entworfen, deren Gestaltung von UI-Elementen zu einer handgezeichneten Version des Figma F-Logos reicht. Besonders schön war es auch, Merch zu gestalten, der speziell von Designern und Developer getragen wird. Wir konnten sehr spielerisch sein und das Branding zum Teil neu erfinden. Auf einem Shirt steht zum Beispiel »independent corners« und nimmt das auch in der Gestaltung auf. Das Merchandise ist eine schöne Gelegenheit, unsere Figma-Nutzer anzusprechen und bestimmte Brand-Elemente zu nutzen.

Und die Konferenz-Taschen, die die Farben des Config-Brandings aufnehmen, sind sehr schön. So schön, dass sie vergriffen sind.
Sie sind tatsächlich zu wandelnden Billboards geworden, man sieht sie überall auf den Straßen hier und auch das macht mich wirklich sehr glücklich.

Verschiedene Supergraphics
Farbpaletten
Anwendungen

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Die wachsenden Herausforderungen für Designer bei der Gestaltung von Identitäten

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