Haltung zeigen – auch visuell: Für das Orangerie Theater, kurz OT, hat das Studio »We will love Mondays« ein neues Erscheinungsbild entwickelt, das alle einlädt! Beim BDG Zoom-Deepdive erzählt Designer Felix Boße heute persönlich, wie es entstand.
Weil sich das Orangerie Theater in Köln als Raum des Dialogs und der Teilhabe versteht, wie deren künstlerische Leiterin Dr. Sarah Youssef betont, wünschte sie sich ein neues Erscheinungsbild, das diese Haltung sichtbar macht. Und das nicht durch Lautstärke, sondern durch Zugänglichkeit.
»Ein Design, das nicht voraussetzt, sondern einlädt«, wie Youssef sagt.
Auf dieser Grundlage entwickelte das Kölner/Hamburger Designstudio We will love Mondays, einen neuen Auftritt, der ganz darauf ausgerichtet ist, dass Kultur keine Barrieren hat – auch nicht im Design.
Alle spielen mit!
»Uns ging es nicht darum, das Theater neu zu erfinden«, sagt Felix Bosse von We will love Mondays. »Sondern darum, seine Offenheit sichtbar zu machen und das auch mit einem Erscheinungsbild, das niemanden ausschließt.«
Typografie, Beschilderung, digitale Interfaces und Printmedien wurden so entwickelt, dass die Informationen nicht nur gesehen, sondern verstanden werden – intuitiv, ohne Hürden.
Der Relaunch des Markenauftritts folgte auf die Sanierung des Orangerie Theaters, das von Raumwerk Architekten barrierefrei umgebaut wurde.
In diesem Zusammenhang wurde sich für einen »Neustart« entschieden. Die einzigen Vorgaben: Dass der Name Orangerie Theater unangetastet bleibt, auf keinen Fall die Farbe Orange verwendet werden darf und dass das Motto gilt »Alle spielen mit!«
Doch was braucht ein Branding, das von allen verstanden werden kann?
Kurz, klar, flexibel: OT
Der Weg zu einem Branding für alle begann mit dem Begriff Orangerie, der nicht zu unserem alltäglichen, und bei vielen auch nicht zu dem besonderen Wortschatz zählt.
Wie geht man damit um, dass er nicht von allen gelesen und mit Inhalt gefüllt werden kann? Nach dem Austausch mit Anne Leichtfuß, Expertin für Leichte Sprache, und mit Natalie Dedreux, Aktivistin und Journalistin mit Down-Syndrom, entstand die Idee, den Namen als OT abzukürzen.
Aus diesem Akronym leitete Felix Bosse schließlich ein ganzes Logo-System ab. Denn das OT bietet viele Möglichkeiten, visuell mit ihm umzugehen.
Ultra bold gestaltet, kann man die beiden Buchstaben vertikal stellen, man kann sie verzerren, verformen, auseinanderziehen oder zusammendrücken – und sie bleiben dabei immer gut lesbar.
Riesengroß flattert es auf den Fahnen vor dem Theater und sieht dabei wie ein Mensch mit ausgebreiteten Armen aus. Es biegt sich beim Merchandise um die Trinkflasche herum, ist auf glitzernder Regenbogenfolie genauso präsent wie auf kleinen Stickern oder auf den goldenen Tickets. Und ist dabei immer in einem Raster, das im Hintergrund liegt, ausgerichtet.
Voller Optionen
Die größte Herausforderung bestand allerdings im digitalen Spielplan und dessen Gestaltung. Wie passt mit sich den verschiedenen Bedürfnissen an? Und wie findet man ein Designsystem, das diese ganz Veränderungen aushält?
Schlicht in Schwarzweiß, übersichtlich und klar, ist das Design sehr flexibelgehalten, bietet extrahohe Kontraste und spezielle Farben.
Auf Animationen wird ebenso verzichtet wie auf Transparenzen und vor allem bietet es unter dem Button Barrierefreiheit die Optionen: Leichte Schrift, Deutsche Gebärdensprachen, Legasthenie-Schrift (die OpenSource-Schrift »OpenDyslexic«), Nachtmodus, Kontrast erhöhen und Bewegung reduzieren.
Dazu können über »Barriere melden« Anmerkungen gemacht werden und Verbesserungsvorschläge.
Die OT-Website mit der Legasthenie-Schrift »OpenDyslexic«
Für alle Sinne
Genauso arbeitet »We will love Mondays« auch an der barrierefreien Orientierung auf dem Theater-Gelände selbst.
Neben naheliegenden Elemente wie Schildern, die nicht nur klar visuell zu erkennen und zu lesen sind und auch taktil als Icon- und Brailleschrift tastbar, gibt es auch andere, unkonventionellere Wege.
Dazu gehört der flexible Tresen des OT im Foyer des Theaters, der mit zwei Kühlschränken ausgestattet ist – und dessen klirrende Flaschen beim Öffnen und Schließen eine wunderbare Tonspur bieten.
Der Kühlschrank steht für eine Methode, die die Kreativen bei dem Projekt durchgängig anwenden: Immer wieder die unterschiedlichen Sinne für die Gestaltung abzuklopfen, das Sehen, Hören, Tasten.
Wenn man das Prinzip verinnerliche, dass Design für alle bedeute, für alle Sinne zu gestalten, sagt Felix Boße, käme man manchmal von ganz alleine auf überraschend einfache Lösungen.
Im kostenlosen Deepdive-Zoom-Format des Berufsverbands Kommunikationsdesign (BDG) erzählt Felix Boße heute, am 21. Januar 2026 um 19.30 Uhr am Beispiel der Neugestaltung des Orangerie Theaters vonBarrierefreiheit als Gestaltungsprinzip. Alle Infoshier.