Film als Katalog von NODE Berlin/Oslo

Zum Release von Erik Schmidts Film »Gatecrasher« im MARTA Herford hat das Büro NODE einen beachtlichen Katalog gestaltet, in dem die Schrift in riesigen Lettern über die Bilder läuft und die Papiere unterschiedlich sind. Wir sprachen mit dem Grafikdesigner und Mit-Gründer Serge Rompza.




Zum Release von Erik Schmidts Film »Gatecrasher« im MARTA Herford hat das Büro NODE einen beachtlichen Katalog gestaltet, in dem die Schrift in riesigen Lettern über die Bilder läuft und die Papiere unterschiedlich sind. Wir sprachen mit dem Grafikdesigner und Mit-Gründer Serge Rompza.

Was war Ihre Grundidee, wie Sie einen Film in einem Buch umsetzen?

Das Übersetzen eines Films in ein Buch ist eine interessante Herausforderung. Wir fragten uns, wie sich das »Filmische« definiert, und ob sich dieses ebenso mit statischen Abbildungen erfassen lässt. Die Elemente Zeitverlauf und Bewegung fehlen in der Fotografie. Erst die Reihung und gezielte Montage von Abbildungen, wie sie z.B. im Comic oder dem Fotoroman vorkommt, das zusammenhängende Lesen der Fotografien und deren Zwischenräume, erschließt möglicherweise den Inhalt und das Wesen des Films. Beide Medien haben meiner Meinung nach ihre uneingeschränkte Berechtigung, keines ordnet sich unter. Die Zeitdauer des Films, mit der dieser fest verhaftet ist, löst sich im Buch auf und wird zur freien Größe, so dass beide Medien letztendlich eigene Qualitäten aufweisen müssen. Der Umgang mit fragmentarischer Fotografie in Bezug auf Film, hier Filmstills, die wir vor Kurzem bereits in der Publikation »Auto-Kino!« von Phil Collins erproben durften, hat im Fall von »Gatecrasher« zu neuen Fragestellungen und Lösungen geführt. Die Stills wurden von uns nach inhaltlichen und formalen Aspekten gesichtet und geordnet, so dass sich innerhalb der Kapitel völlig neue Erzählstränge ergeben.

Sie haben ja quasi mit dem ungeschriebenen Gesetz gebrochen, dass die Typographie in einen Kunstkatalog zurückhaltend ist, das Bild ganz im Vordergrund steht. In »Gatecrasher« läuft die Schrift wie ein Vorspann/Abspann über die Seiten.

»Gatecrasher« ist kein Kunstkatalog im klassischen Sinne, also mit der alleinigen Funktion eines Verzeichnisses von Kunstwerken mit Titelbezeichnungen und begleitenden Texten, die diese beschreiben und letztendlich verkaufen. Die Publikation ist in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler Erik Schmidt entstanden und funktioniert auch eigenständig als Künstlerbuch, also unabhängig zu den drei Filmen. Die Titeltexte, die als Einleitung vertikal über die ersten Seiten eines jeden Kapitels laufen, sind eine deutliche Referenz zum animierten Filmvor- bzw- Abspann, für das Cover greifen wir dieses Prinzip wiederum auf. Die direkte Konfrontation von Schrift und Fotografie macht in diesem Fall für uns Sinn, auch, weil wir die Filme nicht repräsentieren, sondern beabsichtigen, eine eigenständige, unabhängige Arbeit zu schaffen.

Impressionistische Malerei trifft auf filmischen Realismus. Wie sind Sie dabei vorgegangen, in dem Katalog Malerei und Filmstills zu kombinieren?

Der Künstler Erik Schmidt bezeichnet sich selbst als »Filmemachenden Maler«, er experimentiert in verschiedenen Bereichen, sein Haupttätigkeitsfeld ist die Malerei. Seine Ölbilder weisen inhaltliche Referenzen zu der Film-Trilogie auf, die wir ausgewertet haben und aufzuzeigen versuchen.

Sie haben unterschiedliche Papiere benutzt. Aus welcher Idee heraus?

Die Filmstills sind durchgängig auf ein ungestrichenes Papier gedruckt, das die verschiedenen Bildqualitäten der Stills (35mm & Digitalvorlagen) einzuebnen versucht. Die Ölbilder wurden auf ein gestrichenes festeres Papier gedruckt, das bindetechnisch die Katernen mit den Stills kapitelweise einfasst und die drei Filme somit trennt. Das glänzend gestrichene Papier stellt einen Kontrast dar und dient der Detail getreuen Abbildung der Malerei.

Welche Schriften haben Sie verwendet?

Franklin Gothic für die Titel und Schulbuch Süd für die Begleittexte.

Könnten sie sich auch einen »bewegten« Ausstellungskatalog vorstellen, gerade wenn es um Film geht? (auf DVD oder ähnlichem?)

Selbstverständlich. Wenn es um das »richtige« Repräsentieren von bildender Kunst bzw. Film geht, sind die Fähigkeiten und die Sichtweisen des Gestalters gefragt, die Sprache und den Ton für die Übersetzung in ein anderes Medium zu finden.

Katalog: Erik Schmidt »Gatecrasher«

Marta Herford, Diotima Gesellschaft, Kunstverein Kreis Gütersloh, Werkstatt Bleichhäuschen (Hrsg.), erschienen im Kerber Verlag, Bielefeld, mit Beiträgen von Wiglaf Droste, Friederike Fast, Melanie, Körkemeier, Roland Nachtigäller, Kito Nedo

116 Seiten

Klappbroschur

Format: 20 x 26,5 cm, deutsch / englisch

60 Farb- und 21 s/w-Abbildungen

ISBN 978-3-86678-483-3

Preis: 25,95 Euro

Bitte beachten Sie: im Januar wird PAGEonline in der Rubrik Kreation eine Reihe starten, in der spannende Grafikdesignbüros und Agenturen vorgestellt werden. Zum Auftakt: NODE


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