Change Fashoin: Wie sich die Branche verändern muss

Die ZEITmagazin x Vogue-Konferenz »Change Fashoin« fragte, wie die Mode-Branche in Zeiten neuen Bewusstseins, neuer Ansprüche und veränderter Kommunikation umdenken muss.



Christiane Arp, Chefredakteurin der Vogue, die Mit-Veranstalterin der ZEITkonferenz zur Fashion Week Berlin, kam gerade von den Couture Schauen in Paris.

Veränderungen in der Welt der Mode hatte sie dort zwar gesehen, erzählte sie zum Auftakt der Tagung im Kronprinzenpalais Unter den Linden, aber viel zu wenige. Tillmann Prüfer, ZEITmagazin-Redakteur, fand über den eleganten Umweg, zu erzählen, wie es für ihn plötzlich ist Brille zu tragen und nicht mehr alles durch einen Schleier zu sehen, noch deutlichere Worte für die Fashion-Branche:

»Je genauer man hinschaut, desto weniger Spaß macht es«, sagte er.

Wie die Branche sich bezüglich veränderter Konsumerwartungen, medialen Paradigmenwechsel und einer neuem Bewusstsein verändern sollte und wer es bereits versucht, darum ging es auf der Change Fashoin Konferenz.

Und in seiner Keynote zum Thema warf Tillmann Prüfer ein paar Fragen in den Raum.

Wie schön kann Verantwortungslosigkeit sein? In einer Welt, in der ein Hoodie, wie seine Tochter ihn gestern kaufte, gerade mal drei Euro kostete und Kleidung zum Wegwerfartikel wird, wahllos auf die Straße geschmissen, denn schließlich bekommt man nicht 8 Cent wie für eine Pfandflasche für sie. Was passiert, wenn ein Kleid wie ein Papiertaschentuch behandelt wird?

Wie verändern Marken sich? Schließlich sind sie immer das, was über sie kommuniziert wird. Und brauchen wir in Zeiten wandelnder Kommunikation eine neue Modekritik? Längst haben Modemagazine ihre einstige Autorität eingebüßt.

Und ist Gesundheit eigentlich der neue Luxus? Um fünf Uhr morgens aufstehen und ein Glas lauwarmes Wasser mit einem Spritzer Apfelessig trinken? Hat sich der Luxusbegriff von schickem Aussehen, das leicht zu kopieren ist, zugunsten der intensiven Beschäftigung mit dem eigenen Körper verschoben und der Zeit, die man dafür braucht? Und wie beeinflusst es die Mode, wenn wir plötzlich alle 100 werden?

Antworten versuchte Model Toni Garrn, Mitglied der »Model Mafia« zu geben, eines »Clubs« von Frauen aus der Branche, die sich mit Belästigungen, Unterdrückung und Ähnlichem beschäftigen und die zudem mit ihrer eigenen Stiftung Mädchen in Afrika mit Wohnheimen unterstützt, in die Schule gehen zu können. Denn Spendentopf füllt sie dabei schon mal auf, indem sie ihre eigenen und die Markenklamotten ihrer Model-Freundinnen, die sie in Unmengen von Designern zugeschickt bekommen, verkauft.

Maria und Jörg Koch vom Fashionmagazin 032c hingegen erzählten, wie sie mit Kanye West und Frank Ocean zusammenarbeiten und warum man die Hoffnung in Sachen Print nicht aufgeben sollte: Die Millennials lesen zwar nicht das ganze Heft, stellen es sich aber wie ein Fetisch ins Regal – und die Stars legen viel mehr Wert darauf, im gedruckten Heft als online zu erscheinen, schön umgeben von kunstvollem, europäischem Flair.

18 Mitarbeiter beschäftigen die Kochs heute, arbeiten als Berater und haben neben dem Magazin eine Modelinie.

»Sei laut, wenn alle leise sind und sei leise wenn alle laut sind«, hat Jörg Koch sein Vorgehen mal beschrieben.

Am konkretesten wurden die Antworten bei Marie Dewet, Gründerin des französischen Modelabels Maison Cléo, einem wirklichen Ausnahme-Unternehmen, das ihre Arbeit einzig auf Instagram bewirbt und nur einmal in der Woche online und kurz geöffnet hat. Immer mittwochs am frühen Abend kann man bestellen: Mode nach den eigenen Maßen, die von Maries Mutter handgenäht wird – 25 Stück pro Woche und aus Natur-Stoffen, die bei Couture-Häusern übrig blieben.

Zwei Wochen muss man auf ein Stück warten – eine modische Entschleunigung in Zeiten des 24-Stunden-Lieferservice.

Thorsten Mindermann, CEO von H&M Deutschland hingegen erklärte, wie das Fast-Fashion-Unternehmen auf nachhaltige und recycelte Materialien setzt – und ab 2030 nur recycelte und natürliche Materialien verwenden will, wie es nach Stoffen aus Mais forscht und in Sachen Baumwolle,  die weniger Wasser beim Anbau braucht.

Gleichzeitig betonte er, dass H&M auf nachhaltige Mode zu niedrigen Preisen setzt, weil man seiner Meinung nach nur so den Umweltaspekt durchsetzen kann.

Denn natürlich geht niemand zu H&M, um die Welt zu retten, sondern um billige Mode zu kaufen …

 

 


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