Revolution auf der re:publica

Frühling in Arabien, Kriegsgreuel in Syrien, Zensur in Nordafrika und Occupy weltweit auf der re:publica.



»Es tut mir leid, wenn ich sie bestürze, aber so sieht die Realität in Syrien heute leider aus«, sagt Leila Nachawati, eine Spanisch-Syrische Bloggerin, die an der Universität in Madrid Kommunikation unterrichtet – und erzählt anschließend von einem Sänger, der ein Protestlied geschrieben hat und dem man die Stimmbänder herausschnitt, von einem Karikaturisten, den man folterte und beide Hände brach, von inhaftierten Bloggern und einem Friedenskämpfer, der Blumen an Soldaten verteilte und dessen Leiche man vor das Haus seiner Familie warf.

Aber sie erzählt auch davon, wie die Syrer die »Mauer des Schweigens«, die das Land lange Zeit umgab, langsam niederreißen und ihre Botschaften in die Welt tragen. Mit ihren Smartphones filmen die Syrer, wie Orte des Verbrechens kaschiert werden, angebliche Hilfe der Soldaten inszeniert, wie Künstlergruppen wie 3aref Plakate gestalten (Abb. oben) und auf flickr zur Verfügung stellen, Facebook-Gruppen wie Syrian.Intifada und die Activist News Association Informationen posten.

Zeit zum Aufatmen gibt es nicht, denn im Anschluss legt Jillian C. York von der Electronic Frontier Foundation dar, wie Regierungen im Mittleren Osten und in Nordafrika kritische Blogs und Websites sperren, Twitter Accounts spamen, um von relevanten Tweets abzulenken, wie Facebook, YouTube und Twitter sich bereit erklären, Regierungskonform Content in bestimmten Ländern zu sperren – und wie westliche Firmen – unter anderem aus Deutschland – den Regierungen Software zur Verfügung stellen, um das Internet zu überwachen und zu kontrollieren.

Der ägyptische Blogger und Global Voices Autor Tarek Amr macht klar, dass der arabische Frühling keine Facebook-Revolution war und die Revolution noch lange nicht beendet ist – und schließlich stellen der Kommunikations-Wissenschaftler Sasha Costanza-Chock und Christine Schweidler von dem Non-Profit Research-Institute DataCenter eine politische Auseinandersetzung der anderen Art vor.

Anhand von Datenerfassung haben die Amerikaner Statistiken der Occupy Bewegung erstellt, 80,8% sind Weiß, 76,4,% Hetero, viele haben eine hohe Bildung, die meisten ein niedriges Einkommen und um damit arbeiten zu können und ein beständiges Movement zu bilden, haben sie das offene Network Occupy Research ins Netz gestellt. Die dort zugänglichen Daten sollen der Bewegung helfen, Strategien zu entwickeln, Informationen zu generieren und sich besser zur formieren. Neben Statistiken hat Costanza-Chock zahlreiche YouTube-Videos der mit Media Teams, Liivestreams, Working Groups und Pressezelten medial bestens formierten Occupy-Bewegung in seinen Vortrag eingebaut.

Doch da auf der re:publica das Internet nur selten funktioniert, laden sie nicht. Reine Ironie, aber begeistert hat das Projekt dennoch – und der gesamte großartig informative und konzentrierte Überblick der Blogger und Aktivisten am zweiten Tag.


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