Pentagram-Partnerin Giorgia Lupi ist die bekannteste Informationsdesignerin der Welt. Warum sie auch Data-Artist genannt wird, zeigt ihre Daten-Installation an der SUNY Binghamton University, die Wissen in eine eigene grafische Sprache verwandelt.

Die Glenn G. Bartle Library der SUNY Binghamton University Upstate New York ist ein besonders schöner und sehr geschichtsträchtiger Ort.
Und das mit großen, luftigen Räume, einer offenen, gerasterten Architektur aus dem letzten Jahrhundert, die Backstein, Beton und große Fenster verbindet, und ein Bibliotheksbestand mit vielen seltenen Werken.
Da einer der Bibliotheks-Räume renoviert und neu ausgestattet wurde, bat die SUNY Binghamton University Pentagrams Data-Artist Giorgia Lupi eine Wandarbeit zu gestalten, die Charakter und Komplexität der Bibliothek ausdrückt.
Um dafür einen visuellen Ausdruck zu finden, tauchten Lupi und ihr Pentagram-Team in den Bibliotheksalltag ein, beobachteten den Betrieb, erkundeten die Regale, schauten sich an, wie Bücher instand gesetzt werden und was für Besonderheiten der Bestand bietet.
Doch was setzt man in einer Gestaltung um, die den Kern des Ortes sichtbar machen soll?

Wege des Wissens
Nach und nach entstand die Idee, das Wissen selbst zu visualisieren: die Forschung, die Bücher und die Wege, die sie nehmen, und so Wissen geteilt wird.
Und dass durch die Besonderheiten des Bestands und dessen Ausleihe.
So entstand eine datengetriebene Installation der 200 Bibliotheksbände, die am häufigsten ausgeliehen werden – und die in ein visuelles System übertragen wurde, das selbst wie ein Buch zu lesen ist.
Die 200 Bücher sind als dreidimensionale Kacheln an der Wand angebracht, mit einer Jahreszahl versehen und mit farbenfrohen Mustern, die voller Inhalte stecken.
Grafik als Sprache
Die Visuals setzen sich aus Scans von Texturen, Oberflächen und architektonischen Details zusammen, die Pentagram im gesamten Gebäude gesammelt hat.
Während die Form der »Kacheln« wie Pentagram sie nennt, zeigt, ob es sich um physische oder digitale Materialien handelt.
Gleichzeitig verweisen die verschiedenen Visuals auf den jeweiligen Themenbereich, Punktmuster und Farben zeigen die Heimatbibliothek an, während die Farbe des Rechtecks, das hinter jeder Kachel aufgemalt ist, die Studiengänge zeigt, die am engsten mit dem Material verbunden sind.
Ein unterschiedlich dicker Linienverlauf hingegen zeigt, wie häufig sie entliehen wurden.

Schauen – und mitmachen
Die 200 Objekte reichen von gedruckten Büchern über E-Books, Zeitschriften, Abschlussarbeiten und Dissertationen zu Preprints und Materialien aus institutionellen Speichern, Datenbanken und Indizes. Dazu finden sich LibGuides, Filme und Streaming-Videos, Sondersammlungen und Noten.
Gleichzeitig geht die Installation über das Erkunden hinaus, das von ausliegenden Karten mit den Legenden begleitet wird, die helfen, die jeweiligen Visuals zu entschlüsseln.
Denn auf der Wand gegenüber hat Pentagram eine interaktive Datenwand angebracht, auf der Studierende mithilfe von Magneten, die nach Studienfächern farblich kodiert sind, Fragen zum Lernen, zu Lesegewohnheiten, zum Datenschutz und der Zukunft des Wissens beantworten – und so bildet sich, über die Informationen hinaus ein eigenes farbiges Cluster, das die Antworten visualisiert.
So ist eine Visualisierung von Wissen, von Wissensvermittlung und Weltkenntnis entstanden, die nicht nur sichtbar macht, wie Bildung entsteht, sondern sie auch selbst feiert.
Und das ist in Zeiten, in denen Bildung immer mehr verloren geht, besonders wichtig.
