Hochaktuell und spannend: Visuelle Kommunikation für Flüchtlinge

Bilder statt Bleiwüste: Amelie Kim Weinert arbeitet in der Flüchtlingshilfe und hat in ihrer Abschlussarbeit im Fach Visuelle Kommunikation ein großartiges Set entwickelt, dass Flüchtlingen hilft, Deutsch zu lernen.



Mein Deutschland

60 Millionen Menschen befinden sich aktuell auf der Flucht. Was das für ein Drama ist, sieht man Tag und Tag in den Nachrichten. Gekenterte Flüchtlingsboote, überfüllte Auffanglager, Neonazis, die »Flüchtlinge raus« brüllen. Viel liegt im Argen und dazu sind die Behörden von der rund halben Million Asylanträgen überfordert, die 2015 voraussichtlich gestellt werden.

Viele der Flüchtlinge sprechen kein Englisch und erst Recht kein Deutsch, sind traumatisiert und zum Teil ist ihnen auch das Lesen und schreiben fremd, weiß Amelie Kim Weinert, die als Patin eine afghanische Familie betreute, die nach sechsjähriger Flucht heute in Weinerts Heimat Mühlacker lebt.

Mit ihre Erfahrung darin, wie an der tatsächlichen Situation der Flüchtlinge vorbei geplant wird, suchte Weinert, die an der Pforzheimer Hochschule Visuelle Kommunikation studierte, sich für ihre Abschlussarbeit ein ganz besonders Thema.

Sie entwickelte die Orientierungshilfe Mein Deutschland mit der Asylbewerber sich auf einen Deutsch- oder Alphabetisierungskurs vorbereiten können – und zwar auf ganz andere Art und Weise, als es mit herkömmlichen Lehrmitteln üblich ist.

»Mit meinem Ordner findet der Austausch auf Augenhöhe statt, ich vermeide konsequent die Lehrer- und Schülerrolle«,

sagt die 25-jährige.

Statt dessen setzt sie auf die spielerische Vermittlung von Wissen – und zwar im Austausch über die eigene Kultur und anhand von Bildern und Illustrationen. Gleichzeitig wird die Feinmotorik und die Schreibbewegung geübt.

Geht es um Zahlen, erlernt man diese in »Mein Deutschland“ anhand eines Würfelspiels, gleichzeitig arbeitet sie mit Stickern, die mit Bildern und Illustrationen versehen sind und auf unterschiedliche Gegenstände geklebt werden können.

Lange hat Amelie Weinert die unterschiedlichsten Lernmethoden untersucht, geeignete Elemente detailliert auf Flüchtlinge umgearbeitet, auf deren Lebenswelten und Arbeitsweisen und so ein passgenaues System entwickelt, das speziell auf Erwachsene ausgerichtet ist – und genau auf das setzt, was Visuelle Kommunikation ausmacht:

»Menschen verständigen sich über visuelle Elemente und ohne lange Texte«,

sagt sie, arbeitet mit Alltagsfotografien, Illustrationen und Icons.

In sechs Kapitel ist »Mein Deutschland« aufgeteilt, in denen es um das gemeinsame Kennenlernen geht. Woher komme ich? Wie ist Deutschland? Was ist in unserer Kultur wichtig? Welche Sprache verwenden wir? sind einige der Fragen, die gestellt werden.

Nach ihrem gelungenen Studien-Abschluss hofft Amelie Weinert jetzt, dass ihre Methode in der Flüchtlingshilfe Einsatz findet. Wir hoffen das auch, denn Bedarf gibt es genug. Dafür sucht Amelie Weinert jetzt nach einem Verlag – also bitte melden!

 

 

 

 




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