Re-invent Your Brand – Kunstgriffe & Kunstfehler

Ab sofort im Handel: PAGE 01.2014



Editorial: Proaktiv

 

Die Neigung, in unübersichtlichen Situationen aktionistisch zu handeln, auch wenn das Handeln unberechenba­re und am Ende ungünstige Folgen hat, ist eine rein menschliche. Evolu­tions­bio­logisch gesehen sind wir Jäger und Sammler. Da zahlt sich Aktivität be­deu­tend stärker aus als Nachdenken. Blitz­schnelles Reagieren entschied in der Vergangenheit über Leben und Tod.

Und heute? Heute verhalten wir uns nicht anders. Angst und Unsicherheit bestimmen unser Handeln: Für ein Me-too-Produkt nach dem anderen suchen wir hektisch die eine alles auf den Kopf stellende Idee; unsere sogenannten Big Ideas skalieren wir reflexartig auf alle Kanäle, obwohl die Aufmerksamkeitsspanne des Menschen viel zu kurz dafür ist; unermüdlich fordern wir dazu auf, lustige Bildchen auf Websites hochzuladen, originelle Verpackun­gen zu gestalten oder auch einfach nur, un­sere ach so kreative Arbeit zu liken und zu sharen . . . Eine Pseudoinnovation um ihrer selbst willen jagt die andere. Hyperaktionismus pur. Anstatt einfach mal innezuhalten und zu überlegen.

Nun, wir alle stehen unter Druck. Mar­ken, Designer und Agenturen. In den Alltag der Konsumenten dringen schon lange nicht mehr die Marken mit dem größten Werbegetöse, sondern vielmehr jene, die einen klaren Mehrwert bieten. Angebote, die Bedürfnis­se befriedigen, anstatt sie erst zu wecken. An Beispielen mangelt es nicht: Das iPhone oder das Nike FuelBand sind nur zwei davon.

Viele, viel bodenständiger erschei­nen­de Ideen basieren dagegen auf un­ausgegorenen Ergebnissen vollkom­men ab­ge­hobener Kreativworkshops. Sie ent­­beh­ren jeglichen Bezugs zur Le­benswirklichkeit und sind damit schon von vornherein zum Scheitern verurteilt – Top-Design hin, geniale Kampagne her. Dabei wissen wir es doch: Der Kunde ist das Maß aller Dinge. Was er nicht braucht, grenzt er aus. Und letztendlich siegt das Angebot, das im­pli­zit den Produktnutzen am schnells­ten, ein­deu­tigsten und authen­tischs­ten kom­muniziert. Schluss also mit all dem kon­zept­losen Aktionismus, Schluss mit blo­ßem Reagieren: »Reinvent Your Brand!« – Kunstgriffe und Kunstfehler siehe Seite 24 ff.

Gabriele Günder,
Chefredakteurin/Publisher

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