Digitaldruck bei Verpackungen ist im Aufwind: Das sind die Chancen für Kreative

Wir sprachen mit Julian Joost über die Chan­cen, die Digitaldrucktechnik bietet, und warum das Start-up print­mate auch für Kreative interessant ist …



Digitaldruck, Julian Joost

 

In seiner Zeit als Verpackungsmanager bei Zalando lernte ­Julian Jost, dass das Auspacken der emotionalste Moment beim Onlineshopping ist.

Um möglichst vielen Kunden dabei ein schönes Erlebnis zu bescheren, gründete er im März 2015 das Start-up printmate in Ber­lin, damit jeder einfach seinen individuellen Karton gestalten und bestellen kann – auch in kleinen Mengen.

Wir sprachen mit ihm über die Chan­cen, die Digitaldrucktechnik bietet, und warum print­mate auch für Kreative interessant ist:

Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern individuell bedruckter Kartons?
Julian Jost: Bislang entstanden solche Verpackungen im Offset- oder Flexodruck. Die Fixkosten für Werkzeu­ge und Druckklischees lagen bei 3000 Euro aufwärts, die Mindestproduktionsmenge betrug 2000 Stück und die Lieferzeit gerne mal 12 Wochen und mehr. Bei uns gibt es keine Klischee- und Werkzeugkosten. Wir lassen bei Partnerunternehmen digital in CMYK und 600 dpi mit wasserbasierten Farben direkt auf Wellpappe drucken. Unsere Mindestbestellmenge beträgt 100 Stück und die Lieferzeit 4 Wochen. Wem 100 noch zu viel sind: Mo­mentan bieten wir zum Ausprobieren 20 individuell bedruckte Kartons für 20 Euro an.

Was für Kartons sind das und was kosten die?
Unsere Versandkartons inklusive Klebeverschluss und Öffnungshilfe gibt es in drei Größen, die Kosten liegen bei rund 2 Euro pro Stück inklusive Druck. Wir wollen das Sortiment deutlich ausbauen. Weinverpackun­gen sollen dazukommen und viele weitere Versandkar­ton­grö­ßen.

Aber Sie bleiben bei Kartons?
Nicht unbedingt. Wir sind mit zahlreichen Herstellern im Ge­spräch, zum Beispiel für bedruckte Versandtaschen, Klebeband oder Seidenpapier. Sogar Tierfuttersäcke wurden schon angefragt. Interessant sind alle Ar­ten von Verpackungen, bei denen die Produktionstechnik mit unserem Anspruch an Qualität, Lieferzeit und Preis mithalten kann.

Was macht printmate für Kreative interessant?
Vor allem die kleine Mindestauflage und fehlende Fixkosten. Etwa ein Drittel unserer Kunden sind Agentu­ren, denn auch die schicken ja gelegentlich Mailings raus oder entwickeln welche für ihre Kunden. Einmal wurde sogar ein Messestand aus unseren Boxen gebaut. Auch die Agentur monopage, mit der wir häufig zusammenarbeiten, war Kunde erster Stunde und freut sich sehr, für das Weihnachtsmailing dieses Jahr nicht mühsam Kartons stempeln zu müssen.

In welchem Format muss man die Daten anliefern?
Wir bieten einen klassischen PDF-Druckdaten-Upload inklusive 3D-Vorschau an. Außerdem haben wir ei­nen einfach zu bedienenden Editor entwickelt, der das Druck­bild in Echtzeit im Splitscreen in 3D darstellt. Der Editor soll Amateuren die Gestaltung erleichtern, aber die 3D-Vorschau hilft auch Profis dabei, das Druck­bild zu visualisieren und auf (Denk-)Fehler zu prüfen. So erspart man sich das Ausdrucken, Ausschneiden und Zusammenfalten und kann einen Screenshot der 3D-Vorschau für eine Präsentation nutzen.

»Auspacken ist ein sehr emotionaler Moment. Es ist schade, wenn man den verschenkt«

Macht die fortschreitende Digitaltechnik eine Firma wie printmate überhaupt erst möglich?
Auf jeden Fall. Die Verpackungsbranche hat die Digitalisierung bisher ein bisschen verschlafen, ist jetzt aufgewacht und konzentriert sich vor allem auf die Produk­tion. Mit der ganzen Auftragsgenerierung, -abwicklung und so weiter ist sie bei kleinen Mengen aber meist über­for­dert. Viele arbeiten noch mit Excel-Tabellen und schi­cken ihre Angebote per Fax raus. Diese Lücke nutzen wir, indem wir uns um diese Dinge kümmern. Auch hat sich die digitale Produktionstechnik in der letzten Zeit enorm verbessert – nicht nur qualitativ, auch hinsichtlich der Geschwindigkeit. Printmate wäre 2014 noch gar nicht möglich gewesen, weil unsere Produkte das Dreifache gekostet hätten.

Lassen sich auf Ihren Kartons auch Sonderfarben und Veredelungen realisieren?
Im Moment leider noch nicht. Wir batchen, das heißt, wir produzieren gleichartige Bestellungen als Großauf­trag. Dies geht allerdings nur, wenn alle Eigenschaf­ten außer dem Druckbild identisch sind, zum Beispiel Material und Konstruktion. Wir prüfen aktuell, ob sich eine digitale Lackierung in unseren Produktionsprozess integrieren lässt. Dieses Projekt steht aber noch am Anfang.

Wie weit gehen die Individualisierungsmöglichkeiten?
Neben unserem Standardsortiment fertigen wir bei Ver­packungen aus Wellpappe auch klassische Individualaufträge. Hier ist ab einer Auflage von 2000 Stück alles möglich, was der Kunde möchte und bezahlen kann. Bei exklusiven, hochwertigen Verpackungen, etwa mit Mag­netverschluss, besonderen Papieren oder Drucktechni­ken greifen wir auf unsere Partnerfirma cr8packaging (  http://cr8packaging.com  ) zurück.

Kann ich dann auch jeden meiner 2000 Kartons individuell bedrucken lassen, zum Beispiel mit dem Namen des Empfängers?
Noch nicht, aber Seriendruck ist super interessant. Ich stelle es mir großartig vor, ein Paket zu bekommen, das mit einer persönlichen Anrede, in meinem Design oder auch mit einem personalisierten Gutscheincode bedruckt ist. Wir hoffen, Ende 2016 so weit zu sein.


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Digitaldruck bei Verpackungen ist im Aufwind! Lesen Sie mehr zum Thema in PAGE 01.2016! Dort zeigen spannende Möglichkeiten für die Individualisierung.




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