Ausweitung der Designzone: Design verändert die Welt

AGD-Geschäftsführerin Victoria Ringleb schreibt in ihrer Kolumne diesmal darüber, wie Designer über den eigenen Tellerrand hinausschauen und die Welt verbessern können.



»Gemeinnützige Initiativen brauchen unsere Arbeit oft wesentlich mehr als ein Markenprodukt. Deshalb ist es viel wichtiger, dass wir uns da engagieren«, sagt Erik Spiekermann in einem Interview mit den Machern der Plattform youvo.org, deren Beiratsmitglied er ist. Wie Recht er damit hat, zeigen die vielen Designprojekte, die in den vergangenen fünf Jahren über die Plattform vermittelt und abgewickelt wurden.

»Wir glauben, dass wirkungsvolle Kommunikation und der sinnvolle Einsatz von digitalen Kompetenzen die Welt verändern«

Youvo.org bringt Kreative mit sozialen Organisationen zusammen, die Unterstützung bei der Digitalisierung oder Öffentlichkeitsarbeit benötigen. Studierende und Professionals aus dem Design-, Kommunikations- und Digitalbereich bekommen durch youvo.org die Möglichkeit, sich mit ihren Fähigkeiten für soziale Projekte einzusetzen und diese in ihrer Wirkung zu stärken. Der ehrenamtliche Einsatz soll keine bezahlten Arbeitsplätze ersetzen, sondern digitale und kreative Ressourcen dort zugänglich machen, wo sonst die Mittel dafür fehlen. Auf diese Weise entfaltet Design seine gesellschaftlich relevante Wirksamkeit.

Designer sind mehr als Dienstleister

Die Projekte reichen von der Logo-Entwicklung über Visualisierungskonzepte und die Erstellung von Texttafeln, Textarbeiten und WordPress-Anpassungen hin zu Design- und UX- Beratung. Das Team von youvo.org, das aus haupt- und ehrenamtlich Engagierten besteht, vermittelt, berät und macht die Öffentlichkeit aufmerksam auf sein Anliegen und die Anliegen der gemeinnützigen Einrichtungen, die sich an sie wenden.

Die Plattform bietet Studenten, Absolventen und Berufsanfängern die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln, Netzwerke zu knüpfen und – nicht zuletzt – Gutes zu tun. »Wichtig für das Engagement über youvo.org sind die Werte und Regeln, die mit unserer Community entwickelt wurden«, sagt Tobias Oertel, einer der Gründer, in unserem Gespräch am Rande der diesjährigen TYPO in Berlin.

Youvo.org löst Design und Designer aus der inzwischen viel zu eng gedachten Dienstleisterrolle heraus und stellt sie in den Dienst der Gesellschaft

So schreiben es die Verantwortlichen in ihrer Vision: »Design und das Schaffen der Designer sind ein wirksamer Weg, den gesellschaftlich relevanten Anliegen eine hörbare Stimme zu verleihen«. Damit weitet youvo.org die Designzone aus, denn es löst Design und Designer aus der inzwischen viel zu eng gedachten Dienstleisterrolle heraus und stellt sie in den Dienst der Gesellschaft.

Anders als Erik Spiekermann in seinem eingangs zitierten Interview bestenfalls kritisch zum Ausdruck bringt, ist dies keine moderne Form des Ablasshandels, nichts, was wir tun, um unser schlechtes Gewissen zu erleichtern. Denn denken wir es konsequent weiter, scheint es eine lohnende Aufgabe zu sein, Design, das die Welt verbessert, nicht aus der Dienstleisterrolle herauszulösen, sondern letztere so weiterzuentwickeln, dass auch jede Auftragsarbeit so gedacht und umgesetzt wird, dass sie gesellschaftlich relevant ist und die Welt besser macht.

Inspiration, wie das gehen kann, welche Fragen gestellt und beantwortet werden wollen, erhalten Designer im Oslo Manifesto, das die von den Vereinten Nationen verabschiedeten Sustainable Development Goals für Design und Architektur konkretisiert und damit gewissermaßen allen Designern einen Leitfaden in die Hand gibt, im täglichen Geschäft gesellschaftlich relevant zu agieren. Auf der Website heißt es:

»The Oslo Manifesto is an embodiment of the movement towards a new, empowered standard of design which compassionately shapes and harmonizes with the systems of the earth, its communities, and the beings that live on it«

Der Satz stammt von Friedrich von Borries, der in seinem Buch »Weltentwerfen – Eine politische Designtheorie« nicht weniger fordert, als dass Design nicht nur ästhetische, funktionale und ökonomische Kriterien berücksichtigen sollte, sondern auch ethische und politische Maßstäbe in den Designprozess mit einbeziehen und sich daran messen lassen müsse.

Dies tut das Team um youvo.org in bemerkenswerter Weise, weitet damit seine eigene Designzone aus und verändert die Welt. Die Verfasser des Oslo Manifestos tun es auf ihre Weise – und ermutigen uns mitzumachen.

 


Victoria Ringleb ist seit 2010 Geschäftsführerin der AGD. Sie hat Kommunikationswissenschaften und Interkulturelle Wirtschaftskommunikation in Jena, Cambridge und Brisbane studiert. Alle weiteren Ausgaben ihrer Kolumne lesen Sie hier. Ein Video mit Victoria Ringleb aus unserer Reihe »PAGE 10×10« gibt es hier.

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