Abstimmen über den 12. MuVi-Preis

Das Musikvideo ist tot, es lebe die Kunst: Im Vorfeld der Oberhausener Filmtage kann das Publikum online den besten deutschen Musikclip wählen



Das Musikvideo ist tot, es lebe die Kunst: Im Vorfeld der Oberhausener Filmtage kann das Publikum online den besten deutschen Musikclip wählen.

Spätestens seit MTV statt Musikfernsehen vor allem Dating-Shows zeigt, ist der Musikclip von dem Fernsehbildschirm auf Online-Portale gewandert – und auf Computerbildschirme, Handyscreens und iPods. Dass er sich abseits der Kommerzialität und dank immer besserer Produktionsmöglichkeiten dabei auch künstlerisch befreit hat, kann man alljährlich beim Oberhausener MuVi-Preis sehen. Während über den Preis für das beste internationale Musikvideo, für den Clips von Jarvis Cocker, Jay-Z und Massive Attack nominiert sind, eine Jury entscheidet, stimmt die Online-Community über den Gewinner für das beste deutsche Musikvideo ab. Auch wenn Deutschland in Sachen Musikvideo weder stilbildend noch führend ist und abseits großer Musiknationen eher belanglos vor sich hindümpelt, ist die Vielfalt der nominierten Beiträge interessant.

Bis zum 1. Mai kann unter www.muvipreis.de und dem Button „Voting” jeder die Clips anschauen und seine Stimme abgeben.

Gewählt werden kann dabei unter 12 Nominierungen, die in ihrem Stil, ihrer Qualität und Aussagekraft so unterschiedlich sind, wie die Musik selbst. Während Klaus Lembke, Filmemacher-Papst der 70er-Jahre („Amore“) das Video zu Malakoff Kowalskis „Andere Leute“ in einen augenzwinkernden Reigen aus Selbstzitaten verwandelt, entwerfen Felix Hüffelmann und Philip Frowein für „Bit by Bit” von Comfort Fit ein modernes Memento Mori. Im Schnelldurchlauf wird ein Wohnzimmer eingerichtet, vollgemüllt, staubt ein, zerfällt, um dann eine geheimnisvolle Auferstehung zu feiern. Markus Wambsganss hingegen bleibt für „Opaque” von Hildur Gudnadóttir ganz in der Abstraktion, setzt auf Farben, Formen und Effekte, während der Clip zu „Serenity” von Vernon und Burns schlicht und in schwarzweiß gezeichnet ist.

Was kann das Video heute noch? Mehr, als die Musik zu untermalen? Als eigene Kunstform bestehen? Avantgarde sein? Provozieren? Das sind einige der Fragen, die sich beim MuVi-Preis immer wieder von neuem stellen – und auf die die Regisseure alljährlich vielfältige Antworten geben. Auch, weil sie aus den unterschiedlichen Sparten kommen. Schorsch Kamerun, Sänger der Goldenen Zitronen, setzte den klamaukigen Clip zu ihren „Positionen“ gleich selbst um, das Designerkollektiv Pfadfinderei bebilderte den Song von Moderat mit einem ebenso gemäßigtem Video während hinter dem Clip zu „u_08-1“ der Künstler Carsten Nicolai steht. Gemeinsam mit Simon Mayer verwandelte er einen japanischen Getränkeautomat in eine blinkende Lichtorgel – ein kleiner inszenatorischer Dreh mit großer Wirkung!

Der MuVi-Preis wird am 1. Mai innerhalb der 56. Oberhausener Kurzfilmtage (29.4.-4.5.2010) verliehen.

Bild ganz oben: Getränkeautomat als Lichtorgel – alva noto feat. Anne-James Chabon

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