Oficía Mono: Viel mehr als Typo fürs Büro
Die Type- und Grafikdesignerin Charlotte Rohde sieht ihre Schriften oft als Personen. Das ist bei ihrem neusten Font nicht anders.

Auf den ersten Blick ist Oficía Mono eine Monospaced Schrift, die (nicht nur aber auch) gut zu Büroanwendungen passt. Für Charlotte Rohde, die in den letzten drei Jahren als Gastprofessorin für Typografie und Type Design an der Bauhaus Universität Weimar unterrichtete, ist Oficía Mono aber viel mehr: Sie ist auch eine Büroangestellte, fasziniert von Finanzen, professionell, gleichzeitig aber auch mädchenhaft – was sich in den herzförmigen i-Punkten manifestiert. Charlotte Rohde beschreibt Oficía Mono als »Girl who is invested«, was meint sie damit? »Das ist ein Wortspiel, das mit dem Privaten und dem Beruflichen spielt. Ein Girl, dass invested ist, ist emotional investiert. Ein Girl, das investiert, kümmert sich um ihr Geld«, so die 34-jährige.


Und auch in dem feministischen Science-Fiction-Fintech-Roman, an dem Charlotte Rohde gerade schreibt, kommt Oficía vor – als Protagonistin Oficía Greif, eine Hedgefonds-Managerin, die auf den Wert von Wörtern spekuliert. Der Roman spielt in einer Welt, in der Sprache kein Gemeingut mehr ist, sondern ein Finanzwert. Wörter sind markenrechtlich geschützt, werden in Fonds gehandelt, und ihr Wert schwankt je nach kultureller Nachfrage und Marktspekulation. Klingt super spannend, leider ist noch nicht klar, wann das Buch erscheinen wird. Aber für alle, die mehr wissen wollen, hat Charlotte Rohde einen Tipp: »Das Thema wird in diesem Essay gut zusammengefasst, der im reader ‚Positions on Freedom. Design and its Boundaries‘ von the thing magazine im Rahmen der gleichnamigen Ausstellung im Rahmen der World Design Capital 2026 rausgekommen ist, veröffentlich wurde.«

Zurück zu Oficía Mono. Es gibt sie in acht Schnitten – Hairline, Light, Regular und Bold, jeweils in einer normal breiten und einer Compressed Version.

Stilistisch orientiert sich Oficía an der Antique Oliv und der Gill Sans. »An der Gill Sans mag ich vor allem die fetteste Version mit dem hüpfenden i-Punkt. Sie ist lustig und macht Spaß, das wollte ich aufnehmen.« Gleichzeitig ist Eric Gill eine äußerst problematische Persönlichkeit, Charlotte Rohde gefiel die Idee, mit Ofícia eine Schrift zu entwerfen, die den Bedarf an Gill Sans deckt, und dabei gleichzeitig einen problematischen Mann durch ihre weibliche Hand überschreibt. Ein klassisches Schriftmuster gibt es zur Ofícia Mono nicht, zusammen mit der Designerin Tina Lehmkuhl arbeitet Charlotte Rohde an dem Konzept einer Ausstellung mit Installation, die im nächsten Jahr stattfinden soll.



Die Oficá Familie ist noch nicht komplett, kürzlich veröffentlichte die Typedesignerin den ersten Schnitt der Oficía Poly, die sie als Oficía Monos Leben nach Feierabend beschreibt. »Oficia Mono ist hoch professionell, testet aber dabei aus, wie viel ihrer Persönlichkeit sie mitbringen darf (eine Monospaced Schrift mit Herzen als i-Punkten). Oficia Poly (kleiner Berlinwitz: Monogamie/Polygamie) ist aus dem Büro raus und muss sich nich mehr in die akkuraten Kästchen zwängen, sie kann sozusagen die Krawatte lockern und lustig sein, was sich etwa in den i-punkt Variationen zeigt.«


Wahrscheinlich wird nicht jeder, der die Oficía auf Charlotte Rohdes Website lizensiert, sich der Metaebene, die diese Schrift beinhaltet, bewusst sein. Was auch nicht tragisch ist, denn Oficía ist vor allem auch eine sehr gut anwendbare, tolle Schrift für die verschiedensten Projekte.

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