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Future Playgrounds: Was bleibt, wenn Technologie alles kann?

Was haben der Präsident eines Fußballvereins, eine Illustratorin und ein Set Designer für Opernbühnen gemeinsam? Sie standen beim Future Playgrounds Designfestival auf der Bühne! Doch so unterschiedlich die Perspektiven, so verbindend war das Motto: »Own your Aura«.

Speaker und Team auf einer Bühne, im Hintergrund großer Screen
Die Speaker:innen und das gesamte Team der Future Playgrounds auf der Bühne

Das Future Playgrounds Festival der Peter Schmidt Group ist längst eine feste Größe im Kalender des Design Zentrum Hamburg: Bereits zum fünften Mal kamen Kreative aller Branchen hier am 10. und 11. September zusammen. Motto in diesem Jahr: »Own Your Aura«. Doch warum ausgerechnet über Aura sprechen, wenn sich doch gerade alles um KI dreht? Genau deshalb! Künstliche Intelligenz ist in Kreativprozessen omnipräsent. Abläufe werden automatisiert, Bilder und Videos in Sekundenschnelle generiert, Perfektion zum Standard. Was aber den Unterschied macht: Das Gefühl, das Gestaltung auslöst. Momente, die uns innehalten lassen, zum Nachdenken bringen und Emotionen auslösen. Aura eben!

Persönlichkeit erzeugt Aura

Hierfür braucht es Haltung und eine persönliche Handschrift. Beispiele kamen unter anderem von Cihan Tamti, Charlotte Rohde, Lina Moreno und FOREAL: Tamti zeigte anhand seiner Arbeiten für die Kieler Woche, wie klare Vorgaben nicht als Kreativitätsblocker, sondern als produktiver Rahmen für starke visuelle Ideen verstanden werden können. Rohde rückte Typografie als kulturelles Ausdrucksmittel in den Fokus und verdeutlichte, wie Schrift Bedeutung, Identität und Atmosphäre transportiert. Lina Moreno erläuterte, wie sie im Editorial Design journalistische Texte um eine starke visuelle Ebene ergänzt und so komplexe Inhalte für Leser:innen zugänglicher macht.

Und FOREAL? Das Studio von Benjamin Simon und Dirk Schuster kennt man für ihre humorvollen 3D-Grafiken und High-End-CGI-Animationen. In ihrer Keynote »A Pen and a Stupid Idea« blickten die beiden Gründer jedoch auf den Weg zum Ergebnis. Ihr Appell: Mehr Neugier, Experimentierfreude und handwerkliches Ausprobieren wagen! So unterschiedlich die Ansätze waren, verband sie ein gemeinsamer Gedanke: Technologie kann Prozesse beschleunigen und neue Möglichkeiten eröffnen.

Speaker auf dem Future Playgrounds Festival auf der Bühne, im Vordergrund Publikum
Cihan Tamti

 

Sprechende Frau auf der Bühne
Chris Kore

 

Speaker auf dem Future Playgrounds Festival auf der Bühne, im Vordergrund Publikum
FOREAL

 

Das echte Erlebnis zählt

Poster, Schriften, Illustrationen und Animationen? Check! Was die Kreativen im Saal begeisterte, bildete aber nur eine Facette des Programms ab. Denn seit jeher steht Future Playgrounds dafür, den Blick auf Gestaltung zu weiten und neue Reize zu setzen. Was in diesem Jahr auffiel: Viele Impulse bestanden aus Live-Erlebnissen. Chris Kore, die sich selbst als »Digital Dreamer« bezeichnet, entwickelt für Musikfestivals und Live-Events immersive digitale Visuals, die Hallen für Tausende Menschen atmosphärisch aufladen. Rifail Ajdarpasic wiederum konzipiert seit 25 Jahren Bühnen für Europas führende Opernhäuser. Für ihn ist klar:

»Jedes Objekt auf der Bühne hat eine Aura, weil es eben für mehr steht als nur das, was wir sehen.«

Und so lässt er ein Verkehrsflugzeug in Originalgröße nachbauen oder flutet den Klosterplatz in Stankt Gallen mit Wasser, um ihn für die Aufführung von Giuseppe Verdis »I due Foscari« in die Lagunenstadt Venedig zu verwandeln. Was für ein Fest!

In diesen Kontext passte dann auch Oke Göttlich, Präsident des FC St. Pauli, perfekt. Schließlich werden Fußballstadien jedes Wochenende zu Orten kollektiver Erlebnisse, bei denen sich Sportler:innen und Fans gegenseitig emotional aufladen. Der FC St. Pauli kultiviert zudem eine ganz eigene Aura, die von Toleranz und alternativer Fankultur geprägt ist. Ein Verein ist mehr als seine Strukturen, mehr als eine Marke. Erst die Menschen, die sich mit ihm identifizieren, seine Ideen weitertragen und mit eigenen Erfahrungen aufladen, geben ihm Bedeutung. So viel Bedeutung, dass Fans für ihren Verein hunderte Kilometer zu Auswärtsspielen reisen – wenn das mal nicht Aura ist, die Wirkung entfaltet!

Vier Speaker auf der Bühne, im Vordergrund Publikum
Panel mit Gästen und Speakern

 

Performance, die berührt

Wie in den Jahren zuvor bildete eine Performance den Abschluss des Festivals. Diesmal kam sie von Vincent de Malherbe, Mitgründer von Can Touch This Studio. Das Studio verbindet Sound mit physischen Objekten und übersetzt Berührung direkt in Klang. So entstehen Sitzbänke, die Töne erzeugen, sobald sich die darauf sitzenden Menschen berühren – oder die Ananas wird zum Instrument auf einem Musikfestival. Und beim Future Playgrounds? Da produzierte de Malherbe live Musik mit Topfpflanzen und Wasserschalen. Am eindrucksvollsten war jedoch ein Experiment auf der Bühne: Zwei Teilnehmerinnen, die sich erst am Vortag kennengelernt hatten, durften kurzerhand seine Installation ausprobieren – und mussten sich berühren, um sie zum Klingen zu bringen. Was mit Zurückhaltung begann, endete in einer herzlichen Umarmung. »It’s always an icebreaker«, so de Malherbe.

Drei Personen auf dem Future Playgrounds Festival auf der Bühne
Can Touch This mit Chris Kore & Charlotte Rohde

 

Menschlichkeit first

Vielleicht brachte de Malherbes Performance auf den Punkt, was das Future Playgrounds von anderen Festivals unterscheidet: »Wir bewahren uns eine Größe, die den persönlichen Austausch möglich macht. Speaker kommen nicht auf die Bühne und sind dann wieder weg – sondern werden Teil der Community«, so Felix Damerius, der zusammen mit seinem Kollegen Sven Rieckmann, beide ECDs der Peter Schmidt Group, das Programm kuratierte.

Zwischen allen Programmpunkten sind es daher die persönlichen Momente, die nach zwei Tagen im Gedächtnis bleiben. Das Gespräch mit den Speakern beim Get Together auf der Terrasse. Die Geschichten über Erfolg, Umwege und Zweifel. Das Festival zeigte nicht nur kreative Feuerwerke, sondern schuf Raum für Begegnungen, Irritation und gemeinsames Ausprobieren. So bleibt eine Erkenntnis: Kreativität entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie entsteht zwischen Menschen. Und vielleicht ist genau dort auch Aura zu finden.

Publikum schaut auf eine Bühne, im Hintergrund großes Wandmotiv mit bunten Figuren

Blick in ein Publikum beim Future Playgrounds Festival

Alle Bilder © Future Playgrounds Festival, Peter Schmidt Group 

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