Out of Order Symposium in Bremen: Störung als Prinzip?

Das “Out of Order” Symposium der Hochschule für Künste versprach vom 22. bis 24. Januar 2010  in Bremen das Spannungsverhältnis von Mode zwischen Körperpolitiken, Starkult und Kunstperformance aus vielerlei Perspektiven zu beleuchten.



credits: Vibsov Emenius Installation The Fringe Series I


Das Out of Order Symposium der Hochschule für Künste versprach vom 22. bis 24. Januar 2010  in Bremen das Spannungsverhältnis von Mode zwischen Körperpolitiken, Starkult und Kunstperformance aus vielerlei Perspektiven zu beleuchten.

 

Sehr aufschlussreich dazu war der Vortrag von Pamela Church Gibson vom Londoner College of Fashion zur Konvergenz von Marken und Stars. Sie arbeitete heraus, wie eng sich Mode und Starkult wie etwa bei Victoria und David Beckham bedingen. Andere, wie Lady Gaga, lassen sich bekanntlich sogar ihr Image vom Stylisten kreieren. Stars wie die Beckhams bezahlen Stylisten für die Auswahl ihrer Garderobe, die ihrerseits auch noch von den Luxusmarken honoriert werden um mit deren Produkten die Stars einzukleiden. Ein florierendes Geschäft, das jedoch nur einen Nachteil hat: Das Ergebnis ist die Angleichung und Verflachung der Stars in ihrem Auftreten und eine wahre Klonkultur wie bei Paris Hilton zu sehen.

 

credits: Vibsov Emenius Installation The Fringe Series I

 

Soziologin Verena Kuni aus Frankfurt nahm sich dagegen die Geschichte der Handarbeitszirkel vor. Sie zeigte die sozialen Implikationen von Strickkurse auf, angefangen vom Klatschtreff im 19. Jahrhundert, über den solidarischen Stricktreff amerikanischer Hausfrauen während des zweiten Weltkriegs, bis zu den strickenden Starzirkeln von Brad Pitt oder Sarah Jessica Parker. Interessant auch war die Entwicklung der politisch motivierten und über Online-Netzwerke organisierten Stricktreffs in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre. Die haben ihren Ursprung an der amerikanischen Westküste und deren steigende Popularität ging einher mit der erhöhten Arbeitslosenquote im Silion Valley nach dem Platzen der New Economy-Blase. Die Internet-Handarbeitszirkel von heute sind sind Auswüchse einer globalen Vernetzung verknüpft mit lokalen Aktionen.

 

Derweil wollte im Vorraum der Veranstaltung des Speicher XI das Bundesamt für Bekleidung die Tagungsteilnehmer aus ihren alten Kleidungsgewohnheiten reißen. Das Projekt der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK), Studienvertiefung Style & Design unter der Projektleitung des Hamburger Fashionlabels Bitten Stetter, bat in einem ansprechend gestalten Foyer-Interieur mit aus simplen Scheiben gebastelten Sitzlandschaften zum Fragebogen, um den Teilnehmern eine Umorientierung der Garderobe vorzuschlagen und gleich tatkräftig umzusetzen.

 

credits: Vibsov Emenius Installation The Fringe Series III

 

Bei so viel soziologischer Theorie durfte auch die Kunst nicht zu kurz kommen: Modestar Henrik Vibskov und Künstler Andreas Emenius präsentierten als Vibskov Emenius ihre Installationsserie “The Fringe Projects” und ihre “Circular Series”, die beide derzeit im Bremer Wilhelm Wagenfeld Haus ausgestellt werden. Die Künstler beschäftigen sich dabei mit den Randgebieten der Mode und nehmen Versatzstücke wie etwa Stofffransen zum Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Experimente.

 

credits: Vibsov Emenius Installation The Circular Series, im Garten des Bremer Wilhelm Wagenfeld Haus


credits: Sitzlandschaft als Installationen im Foyer des Speicher XI


 

 


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