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Best-of Indie-Mags: Irin Journal

Interview-Reihe über Indie-Mags und ihre Macher: Heute Ayomide »Mimi« Aborowa vom Irin Journal aus Lagos, Nigeria, das den afrikanischen Kontinent jenseits von Klischees und in all seiner Diversität zeigt.

In PAGE 2.2021 zeigen wir die aktuell spannendsten Independent Magazine, erzählen wie sie entstehen und von ihren Machern. Hier die Interviews mit ihnen.

Heute mit Ayomide »Mimi« Aborowa aus Lagos, die in ihrem Irin Journal ein aufregend anderes Bild des afrikanischen Kontinents zeigt, jenseits von Safaris, Dürre und wilden Tieren und statt dessen voller Diversität, aufstrebender Modemacher, Küchenchefs und Entrepreneurs, Start-ups mit smarten Ideen und das in jeder Ausgabe in einer anderen, brodelnden Metropole.

Wie ist die Idee für das Irin Journal entstanden?

Ayomide »Mimi« Aborowa: Seit ich zurückdenken kann, liebe ich Magazine. Und als ich irgendwann das Cereal Magazine entdeckt habe, war ich hin und weg. So etwas hatte ich noch nicht gesehen, es war aufregend im Inhalt und so schön gestaltet und drehte sich um Themen wie Reisen und Kultur, die mich so stark interessieren. Da habe ich begonnen, mit nach Reise-Magazinen umzuschauen, gelesen, was ich kriegen konnte und dabei ist mir aufgefallen, wie wenig Afrika darin vorkommt. Wenn es Geschichten über Afrika gibt, dann über Südafrika, Marokko, Kenia und Tansania. Natürlich ist es schön dort, aber die Diversität Afrikas wird völlig ignoriert.

Und da hast du dir vorgenommen, das zu ändern.

Ja, 2016 dachte ich, dass ich es jetzt selbst in die Hand nehme. Ich habe einen Instagram-Account eröffnet auf dem ich verschiedenste Bilder Afrikas gepostet habe, denn ich wollte die Menschen inspirieren. Doch irgendwann wurde es mir zu viel mit all diesen schönen Bildern, die auf Instagram gepostet werden. Da habe ich habe eine Website gestartet, um die Bilder mit Text zu verbinden und so eine Konversation zu eröffnen. 2017 war das und ein Jahr später hat uns dann ein Autor des Conde Nast Traveller Magazins entdeckt. Er schrieb uns, dass er unseren Istagram-Account und unsere Website liebe und ob denn daraus ein Magazin würde. Und ich habe einfach ja gesagt. Und als er fragte, wann es erscheinen würde, habe ich Januar 2019 geantwortet. Er hat dann bei Conde Nast Traveller über uns geschrieben und ich war im Zugzwang.

Wie bist du dann gestartet?

Mit der Hilfe von Freunden. Wir haben uns zusammengesetzt und gebrainstormed, haben eine Kampagne für Kickstarter entwickelt und als sie erfolgreich war, ging es los. Im Oktober 2019 haben wir mit Lagos dann die erste Ausgabe des Irin Journals herausgebracht.

Drei Freundinnen, ein Editorial Design


Du lebst in Lagos, aber bist auch in London ausgewachsen, oder?

Ich bin zwischen London und Lagos aufgewachsen und seit vier Jahren jetzt wieder hier in Lagos. Und die Stadt hat sich sehr verändert. Sie ist westlicher geworden als sie noch vor zehn Jahren war, ist globaler geworden und hat sich stark entwickelt. Aber das Fundament der Stadt und sein Kern ist derselbe, diese unglaubliche Power, die hier herrscht ist unvergleichlich, der Verkehr noch immer der Wahnsinn und dazu fällt ständig der Strom aus. Genau diese Energie und diesen Sound möchte ich mit der Welt teilen, die ständig ratternden Generatoren, das ununterbrochene Hupen, das Lachen und den Song der im Radio gerade rauf und runter spielt und diese unvergleichliche Melange, die daraus entsteht. In Lagos leben mehr als 20 Millionen Menschen, leidenschaftliche, hitzköpfige, intelligente und ambitionierte. Das alles möchte ich zeigen und vor allem ein Afrika jenseits von Klischees.

Jede Ausgabe des Irin Journal beschäftigt sich mit einer anderen afrikanischen Stadt.

ìrìn ist das Yoruba-Wort für »gehen« und die Vorsilbe des Wortes für »Reise«. Die Vision des Irin Journals ist, die afrikanische Kultur durch Reisen, Menschen und die Gemeinschaft zu entdecken. Indem wir die verschiedensten Städte vorstellen, wollen wir die Diversität des Kontinents zeigen und auch, was es bedeutet, afrikanisch zu sein – mit Geschichten aus der Vergangenheit und der Gegenwart, die die Kultur formen. Es sind Essays, Gespräche und Reportagen über Kunst, Rhythmus, Essen, Traditionen und vieles vieles andere. Wir wollen das Leben in Afrika nicht glorifizieren, sondern einfach darstellen, wie es hier ist. Das Gute, Schlechte, Hässliche und Schöne zeigen. Meistens drehen sich Geschichten über Afrika um wilde Tiere und um Safaris oder um Korruption, Krankheiten, um Armut oder Dürre. Natürlich findet man das alles hier, aber eben noch viel viel mehr. Wir haben tolle Designer, großartige Küchenchefs und junge Entrepreneurs, die kluge Lösungen für die Alltagsprobleme hier finden und das Leben zu einem besseren machen.

Wie ist die Gestaltung des Irin Journals entstanden?

Ich selbst bin Geologin und habe keine Ahnung davon, beziehungsweise habe ich es nie gelernt. Aber zwei Freundinnen haben wir geholfen, eine Illustratorin und eine Künstlerin. Sie kamen mit ihren Laptops vorbei, wir haben uns auf den Boden gelegt und experimentiert. Sie haben sich beide auch noch nie mit Editorial Design beschäftigt, aber sie haben den richtigen Blick. Ich selbst habe dann auch noch Fotos beigesteuert.

Und aufgrund des Erfolgs ist die nächse Ausgabe schon geplant, oder?

Ja, es soll Addis Abeba sein. Die Pandemie hat unsere Pläne gerade etwas durcheinandergeworfen, aber alles ist auf dem Weg.

Irin Journal; Lagos Nigeria, seit 2019; 208 Seiten; 15 Euro; Irin Journal

Weitere Interviews: Aaron Beebee und Thomas Schostock von Plastikcomb; Lisa H. Moura vom Alien Magazine; Anna Broujean von Club Sandwich, Lukas Dubro vom Kapsel Magazin, Sophia Weidner, Lucas Hesse von Ruhm & Ego

 

 

 

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