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Vogue Italia geht radikalen Schritt: Illustrationen statt Fotografie

20 Flüge gespart, 12 Zugfahrten und 40 Autos in Bereitschaft: die Vogue Italia verzichtet in ihrer Januar-Ausgabe 2020 komplett auf Fotografie – und feiert die Illustration.

Die italienische Vogue gilt seit jeher als die innovativste. Erst unter Franca Sozzani, jetzt unter Emanuele Farneti. Und das nicht nur modisch, sondern auch, was gesellschaftliche Themen betrifft.

Dazu gehören die Ausgabe, die Sozzani 2008 einzig mit schwarzen Models herausbrachte oder Farnetis Heft, das Frauen über 60 gewidmet war.

In ihrer Januar-Ausgabe 2020, die heute erscheint, macht die Vogue Italia darauf aufmerksam, wie viel Energie Modeproduktionen verbrauchen.

»150 Leute waren beteiligt. Um die 20 Flüge und ein Dutzend Zugfahrten nötig. 40 Autos in Bereitschaft. 60 internationale Lieferungen. Licht, das für mindestens 10 Stunden ununterbrochen brannte, zum Teil von Generatoren geliefert, die mit Benzin betrieben wurden. Lebensmittelabfälle von Catering-Diensten. Plastik, um die Kleidungsstücke einzupacken. Elektrizität, um Telefone und Kameras aufzuladen«, ist die Bilanz der acht Modeproduktionen der italienischen September-Ausgabe 2019, die Farneti zieht.

Internationale Künstler und Illustratoren gestalten Vogue

Um darauf aufmerksam zu machen und auch, um die Mode-Illustration zu feiern, mit der einst alles begann, erscheint die Januar-Ausgabe 2020 komplett illustriert.

Es ist das erste Mal in 55 Jahren. Und das Heft jetzt schon ein Sammlerstück. Auch wegen der verschiedenen Cover, gezeichnet und gemalt von Künstlern wie Vanessa Beecroft (s. Abb. oben), von David Salle, der mosambikanisch-amerikanischen Malerin Cassi Namoda, des Comic-Künstlers Milo Manara, des Japaners Yoshitaka Amano, dessen Figuren auch in Computerspielen zu finden sind, des italienischen Künstlers und Fotografen Paolo Ventura oder der New Yorker Porträt-Künstlerin Delphine Desane.

Das Geld, das bei der Produktion gespart wurde, geht an das Museum Fondazione Querini Stampalia in Venedig, das durch die Flut vor ein paar Monaten stark beschädigt wurde.

Kreativität anstatt Ressourcen-Verschwendung

Natürlich können wir nicht die Welt retten, hat der Vogue-Chefredakteur in einem Interview gesagt. Aber die Verpflichtung einhalten, die alle 25 internationalen Vogue-Chefredakteure im Dezember 2019 unterschrieben haben und die besagt, sich für den Erhalt des Planeten einzusetzen und für die Natur.

In der Februar-Ausgabe der italienischen Vogue wird es wieder Fotografie geben. In Zukunft aber wohl etwas weniger – und dazu mehr Kreativität.

Außerdem wird die Vogue Italia ihr Packaging in diesem Jahr mit einer zu 100% abbaubarem Folie ersetzen.

Abb oben: Vanessa Beecroft: Weibliche Figur in Gucci. © Vogue Italia/Vanessa Beecroft

David Salle: Lili Sumner in Gucci © Vogue Italia/David Salle

Delphine Desane: Assa Baradji in Gucci © Vogue Italia/Delphine Desane

 

Milo Manara: Olivia Vinten in Gucci © Vogue Italia/Milo Manara

Paolo Ventura: Felice Nova Noordhoff in Gucci © Vogue Italia/Paolo Ventura

Yoshitaka Amano: Lindsey Wixson in Gucci © Vogue Italia/Yoshitaka Amano

Cassi Namoda: Ambar Cristal Zarzuela in Gucci © Vogue Italia/Cassi Namoda

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