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Spacige Konstruktionen

Wie digitale Fantasien sehen viele der Architekturbilder in dem demnächst erscheinenden Band »CCCP« von Frédéric Chaubin aus. Aber die Bauten stammen alle aus dem einst real existierenden Kommunismus. 

Wie digitale Fantasien sehen viele der Architekturbilder in dem demnächst erscheinenden Band »CCCP« von Frédéric Chaubin aus. Aber die Bauten stammen alle aus dem einst real existierenden Kommunismus. 

Es war nicht alles schlecht am kommunistischen System, auch in architektonischer Hinsicht nicht… Die sowjetischen Baumeister hatten jedenfalls mehr drauf als nur Plattenbauten und stalinistische Zuckerbäckerei. Frédéric Chaubin, seit 15 Jahren Chefredakteur des nach wie vor hochinteressanten französischen Fashion- und Lifestyle-Magazins »Citizen K«, hat zwischen 2003 und 2010 ehemalige Ostblock-Staaten besucht und dort spektakuläre Fotos von Bauten aus den siebziger und achtziger Jahren gemacht. Die Sowjetunion lag zu jener Zeit schon in den letzten Zügen, aber in den Visionen der Architekten lebte die Utopie weiter. Das Bild oben etwa zeigt ein höchst amtliches Gebäude, das im Jahr 1974 im georgischen Tiflis entstand und das Ministerium für Autobahnen beherbergte. (Ein schöner Kommentar dazu, wie sich der georgische Autobahnbau in der Architektur widerspiegelt, findet sich übrigens im Blog Zeilensturm…) Chaubin fotografierte immer aus einem gewissen Abstand, so dass die Gebäude im Zusammenhang mit der sie umgebenden Landschaft oft wie gestrandete Objekte aus einer anderen Welt aussehen – siehe Bildergalerie ganz unten.

Chaubins Fotos sind nicht nur in dem in Kürze beim Taschen Verlag erscheinenden Band »CCCP – Cosmic Communist Constructions Photographed« zu bestaunen, sondern ab 29. Januar auch in einer Ausstellung im ZKM in Karlsruhe.


Frédéric Chaubin: Cosmic Communist Constructions Photographed

Hardcover, 26 x 34 cm, 312 Seiten 

€ 39.99

ISBN: 978-3-8365-2519-0

Mehrsprachige Ausgabe: Deutsch, Englisch, Französisch

Sowjetische Botschaft in Kuba (A. Rotschegow) Havanna, 1985
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Erholungsheim Druschba (I. Wasilewski, J. Stefantschuk) Jalta, Ukraine, 1985
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Aus dem 19. Jahrhundert stammend, verwandelte sich das Fort IX in Kaunas in ein Straflager zunächst des sowjetischen NKWD und dann der deutschen Wehrmacht. Das 32 Meter hohe Denkmal steht am Ort der mit dem Holocaust einhergehenden Massenhinrichtungen – dieses Werk des Bildhauers Alfonsas Ambraziūnas erinnert eindringlich an das Leiden und Sterben. Litauen, 1983
3/8
Das Haus der Sowjets von Kaliningrad mit seinem anthropomorphen Profil entstand an der Stelle des alten Schlosses von Königsberg. Bedingt durch Baumängel und den Zerfall der UdSSR wurde der 1974 begonnene Bau nicht vollendet.
4/8
Krematorium (A. Milezki) Kiew, Ukraine, 1985
5/8
Ukrainisches Institut für wissenschaftlich-technische Forschung und Entwicklung. (L. Nowikow, F. Turijew) Kiew, Ukraine, 1971
6/8
Die Fakultät für Architektur des Polytechnikums Minsk mit überhängenden Hörsälen. (W. Anikin, I. Jesman) Weißrussland, 1983
7/8
Zeremonienpalast (R. Dschorbenadse, W. Orbeladse) Tiflis, Georgien, 1985
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Produkt: PAGE 02.2020
PAGE 02.2020
Fotografie: Comeback in Kommunikation, Branding und UX Design ++ Behavioural Design: Wie wir mit Design Verhalten gezielt verändern können ++ Vegan drucken – so geht’s ++ Creative Coding für Designer ++ Framing als Kreativmethode ++ Dos & Don’ts: Mit UX an die Spitze ++ John Maeda im Interview

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