Liebeserklärung an die Illustration

In Hamburg eröffnet der Raum für Illustration, der Galerie, Studio und Workshop-Space ist – und die Kunst der Illustration feiert. Warum das so wichtig ist, erzählen dessen Macher.



Der Raum für Illustration startet mit einem Paukenschlag, mit 30 Illustratoren aus 13 Nationen, die jeweils einen Sticker gestalten. IT´S STICKY! heißt die Schau und wer pünktlich kommt, kann einen Gratissticker ergattern, die anderen kleben dann an der Wand.

Doch das dauert noch etwas. Die Eröffnung in Hamburg St. Pauli ist am 30. August.

Voller Vorfreude haben wir den beiden Machern Beate Pietrek und Philipp Schultz, die als Art Direktoren im ZEIT Verlag arbeiten, ein paar Fragen zu ihrem Projekt gestellt:

Wie ist die Idee zum Raum für Illustration entstanden?
Durch unsere Arbeit im Magazin-Design sind uns immer wieder tolle Projekte aufgefallen, die mit Illustration zu tun haben und da ist bei uns der Wunsch entstanden, auch so etwas zu machen. Ein Magazin zu gestalten hat sehr viel mit kuratieren zu tun. Man überlegt sich ein Design und belebt es mit Bilden. Wir wollen das auf andere Medien übertragen. Sei es auf Ausstellungen in unserem Raum, auf öffentliche Räume, Festivals, aber auch auf wissenschaftliche und technische Projekte. Um das umzusetzen, wollen wir drei Richtungen verfolgen: Galerie, Workshops und Studio sein und alle drei sollen sich gegenseitig beleben und inspirieren.

Warum glaubt ihr, dass Illustration mehr Raum braucht?
Eine Illustration kann ein Thema sehr präzise auf den Punkt bringen. Ein simples Beispiel dafür sind Emojis.
Durch die Zusammenarbeit mit einem Illustrator entsteht eine hervorragende Gestaltung, weil der jeweilige Stil einzigartig ist und somit auch das Resultat. Dazu kommt, dass es für jedes Projekt den passenden Illustrator gibt, man muss ihn nur finden!

Gibt es Vorbilder für euer Projekt?
Wie eine Galerie ein Designstudio beflügeln kann sieht man sehr gut bei FISK aus Portland. Lovers aus London erschaffen in Zusammenarbeit mit Illustratoren einprägsame visuelle Identitäten, wie z.B. ihre Kampagne für die Oxford Universität. Eine großartige Idee ist auch der Raum sshh.nyc des Grafikdesigners Braulio Amado, in dem nicht nur Workshops mit dem Künstler stattfinden, sondern man auch Sprachen wie Japanisch oder Portugiesisch lernen kann. In all diesen Projekten geht es um Kommunikation und darum, etwas miteinander zu machen und voneinander zu lernen und etwas Neues zu suchen und zu erschaffen.

Für was brennt ihr bei Illustrationen?
Illustrationen können mit wenigen Strichen komplexe Inhalte visualisieren und einem breiten Publikum zugänglich machen. Sie funktionieren wie eine Art Übersetzung. Sie können Gefühl und Verstand gleichzeitig ansprechen und miteinander in Einklang bringen. Sie können wild sein und laut, aber auch leise und zärtlich. Sie können in einem Bild eine ganze Geschichte erzählen (Christoph Niemann) oder in vielen Bildern nur ein kleines Detail (Chris Ware). Sie sind zum totlachen oder einfach nur traurig. Auf jeden Fall unverwechselbar wie ihre Schöpfer.

Was fasziniert euch besonders?
Die Vielfalt der Möglichkeiten. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass, wenn man den richtigen Illustrator für den richtigen Anlass aussucht und ihn nicht zu Tode brieft, er eine Idee weiter denkt und oft noch viel besser macht. Das ist immer wieder bewundernswert!

Wird der Raum für Illustration eine bestimmte Linie verfolgen?
Wir möchten mit Menschen zusammenarbeiten, die wir mögen und deren Arbeit wir respektieren und bewundern.

Gibt es Kriterien für die Auswahl der Illustratoren? Es scheint als seien bei der ersten Ausstellung nicht allzu viele Hamburger dabei. Seit ihr eher international ausgerichtet?
Das stimmt, wir haben bei IT´S STICKY! 13 Nationen dabei, aber das wunderbare ist doch, dass es eigentlich egal ist wo ein Illustrator herkommt. Es geht um die Arbeit und nicht um die Herkunft. Wenn man das bedenkt ist Hamburg mit 5 von 30 IllustratorInnen doch sehr gut vertreten?!?

Raum für Illustration, Lange Straße 50, Hamburg St. Pauli, Eröffnung: 30.8.

Foto: Michael Kohls


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