Illustratorenwettbewerb für Nachwuchstalente

Gestalterpreis der Büchergilde Gutenberg für junge Illustratoren: Hat die Jury richtig entschieden?



Wohl kein anderer Buchverlag arbeitet so viel mit Illustratoren zusammen wie die Büchergilde Gutenberg. Alle zwei Jahre veranstaltet sie einen Illustratoren-Wettbewerb für junge Talente. Für diesen Gestalterpreis tritt der Verlag mit einer Hochschule in Kontakt, als Semesterprojekt kann eine Illustratorenklasse sich an den Illustrationen zu einem literarischen Text versuchen. Eine Jury wählt den besten Entwurf aus, der dann als wunderschönes Buch erscheint.

Diesmal ging es um die Novelle »Der Doppelgänger« von Theodor Storm – viele kennen seinen »Schimmelreiter« als Schullektüre. Wer auch immer sich damals geschworen haben mag, nie wieder Storm zu lesen, macht einen großen Fehler. Seine mitreißenden, dramatischen Geschichten haben nichts an Faszination verloren.

So folgten elf Studierende der Klasse Illustration/Comic der Kunsthochschule Kassel der Einladung, den ursprünglich 1887 erschienenen Text zu bebildern.

Zur Jury gehörten die Illustratorin Antje Herzog, Illustrator Sebastian Lörscher, Büchergilde-Herstellungsleiterin Cosima Schneider, Katharina Pischedda von der Buchhandlung Büchergilde in Mainz sowie die Autorin dieser Zeilen als Vertreterin von PAGE.

 

© Sophie Nicklas

Gewinnerin des Gestalterpreises 2018 war letztlich Sophie Nicklas. Sie überzeugte durch einen überraschenden, unverwechselbaren Stil: passend zum Ambiente der Novelle derb-rustikal und gleichzeitig sehr zeitgemäß und gewagt, bei aller Düsternis mit einem gewissen Witz und doch respektvoll gegenüber dem Text. Auch die starke Farbwahl begeisterte. Neben ganzseitigen Illustrationen fertigte Nicklas viele vignettenartige Bilder an und gestaltete ein rundum illustriertes Cover, das Lust auf die Lektüre macht.


Was natürlich nicht heißen soll, dass es nicht auch andere gute Entwürfe gab! Zwei davon wollen wir hier stellvertretend zeigen, damit unsere Leser überprüfen können, wie sie gewählt hätten.

 

© Janosch Feiertag

Opulent und expressiv kamen die Illustrationen von Janosch Feiertag daher, der auch mit originellen Ideen aufwartete wie zum Beispiel der, den Text auf einer Doppelseite durch den Rauch einer Pfeife zu umrahmen. »Ich habe versucht, anhand eines schroffen Striches und einer kühlen Farbgebung die düstere Stimmung des Buches zu untermalen«, erklärt er. »Die Illustrationen fertigte ich mit Tusche, verschiedenen Buntstiften und Makern an und bearbeitete sie nachträglich digital.«


@ Elena Seubert

Stark konzeptuell ging Elena Seubert das Thema an. Ihre Illustrationen betrachten ausschließlich das Innenleben der Hauptfigur John Hansen und versuchen, es aus einer sachlichen, distanzierten Perspektive sichtbar zu machen. Was auch dem Anliegen des bürgerlichen Realismus jener Zeit entspricht, wie die Illustratorin erklärt.

»Die Zeichnungen zeigen Hoffnungen, Sehnsüchte und auch Ängste Johns in Form von sehr symmetrisch statischen Bildkompositionen – ich musste immer wieder an die Heiligenbildchen denken, die mir in der Kindheit in der Dorfkirche zugesteckt wurden«, so Seubert. »Die Wiederholung der grafischen Elemente über das gesamte Buch hinweg sollen das Gefühl dieser dichten, eigenen Welt verstärken. Ebenso verweisen die Zeichnungen abstrakter, geometrischer Figuren auf Johns Wirklichkeitskonstruktion; im Verlauf der Novelle verändern sie sich, zerfallen oder bauen sich neu auf.«

Im Juni soll die von Sophie Nicklas illustrierte Ausgabe von »Ein Einzelgänger« in der Edition Büchergilde erscheinen. Aber auch von den anderen Illustratoren werden wir sicher noch hören.


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