Perfekte Typografie für Print und Online

Stolperfallen im Umgang mit Schrift gibt es jede Menge. Wir zeigen Ihnen, wie der typografische Auftritt in Print und Web garantiert gelingt.



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 Schrift ist eine spröde Geliebte. Das wusste schon Typolegen­de Günter Gerhard Lange. Gerade angehende Web- oder UX Designer, bringen oft nicht allzu viel Vorbildung mit, wenn es um Lesbarkeit, Fontformate oder Mikrotypografie geht. In vielen »digitalen« Studiengängen ist es möglich, seinen Abschluss zu machen, ohne je einen Typografie-Kurs besucht zu haben. Auf der anderen Seite »kann« durch die Demokratisierung der Mittel heute jeder alles: Schriften entwickeln, Magazine oder Websites gestalten. Dass dabei dann öf­ter mal Sachen entstehen, die gestandene Gestalter und Typogra­fen den Kopf schütteln lassen, verwundert nicht. »Besonders Webtypografie ist ein super spannendes Thema, das sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt hat«, sagt Chris Magiera, die an der FH Potsdam Interfacedesign studiert hat. Ihre Bachelorarbeit schrieb sie über »Typografie im Web«, inzwischen unterrichtet sie dieses Thema.

»Eine Webseite besteht zum Großteil aus Text. Daher sollte man sich unbedingt mit Schrift und Typografie beschäftigen.«

Standards, die für Print und Web gleichermaßen gelten

Chris Magieras Kurs besuchen überwiegend Interfacedesignstudenten, die Kommunikationsdesigner fühlen sich wohl durch die geforderten Grundkenntnisse in HTML und CSS abgeschreckt. Die Teilnehmer lernen Grundlegendes im Umgang mit Schrift,
etwa korrekte Satzzeichen, über Leseprozes­se sowie Rhythmus, Harmonie und Kontrast – alles Standards, die für Print und Web gleichermaßen gelten. Aber auch Technisches über Fontformate, Zeichensätze, Zeichen­ko­die­rung und Fontrendering. »Diese Basics sind die Voraussetzung dafür, Typografie als Gestaltungsmittel richtig und schön einsetzen zu können«, so Chris Magiera. Im Verlauf des Kurses geht sie auch immer wieder darauf ein, welche neuen Möglichkeiten das Medium Internet bie­tet und wie sich diese realisieren lassen, zum Beispiel mit responsi­ver Typo­grafie. Die Designerin arbeitet daran, ihre Bachelorarbeit zu ei­nem Buch auszubauen – ganz sicher ein willkommener Ratge­ber.

Wissen selbst erarbeiten

Einen bewussten Umgang mit Schrift zu erlernen und ein Gespür für Typografie als gestalterisches Mittel zu entwickeln, das verlangt Falko Ohlmer von seinen Studenten an der Fachhochschule Mainz. Dafür quält der Designer und geschäftsführende Partner der Frank­furter Agentur Arndt Benedikt die angehenden Kommu­nika­tions­designer auch gerne mal ein bisschen. »Oft stoße ich sie gleich mit der ersten Aufgabe vor den Kopf«, schmunzelt er. Die kann lauten: Schreibt einen Aufsatz über Schweizer Typografie, analysiert ein in diesem Stil gestaltetes Poster und entwerft selbst eines! Falko Ohlmer ist aber auch in der Lage, die Studenten mit seiner eigenen Typo-Begeisterung anzustecken, sodass sie sich gewöhn­lich mit Feuereifer in die Arbeit stürzen.

»Da sie sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen müssen, stecken sie schnell tief drin und lernen mikrotypografische Details oder Schriftgeschich­te quasi nebenbei – zumal viele durch eine vorausgegangene Ausbildung oder Ähnliches schon Vorkenntnisse haben.«

Über verschie­dene Übungen für Schrift sensibilisieren und die Studierenden dann anregen, selbst zu gestalten – wobei die Aufgabe so gestellt sein muss, dass sie sich dabei notwendiges Wissen erarbeiten –, so lässt sich Falko Ohlmers Konzept zusammenfassen. Dass es aufgeht, beweisen die qualitativ hochwertigen Semesterarbeiten, die in Mainz immer wieder entstehen. Welches Konzept auch immer man verfolgt: Typografieunterricht ist unverzichtbar. Denn auch heute hat gute Gestaltung sehr viel mit Wis­sen und handwerklichem Können zu tun. Nur wer die Regeln beherrscht, kann virtuos mit ihnen umgehen und sie bei Gelegenheit auch einmal brechen.

Eine Anatomie der Buchstaben:

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Serife, ein- und zweistöckiges a, Punze, Oberlänge, Scheitel – wer sich bei diesen Begriffen noch nicht ganz sicher ist, schaut am besten gleich einmal hier nach. Hier geht es zu einer detaillierten Erklärung der Anatomie der Buchstaben.


Korrekte Satzzeichen sind immer wieder ein Problem und werden auch oftmals nicht gefunden. Wie man es richtig macht, lesen Sie hier.


Gehört zwischen die Ziffern bei Telefonnummern ein Leerzeichen? Diese Fragen und viele mehr werden hier beantwortet: Richtiges Setzen von Zahlen und Nummern.


Schriftklassen: Was unterscheidet eigentlich Serifenschriften von denen, die keine Anhängsel haben? Und welche kann man besser fürs Web verwenden? Mehr dazu erfahren Sie auf der Typokarte »Schriftklassen«.


Wie zeichnet man Textpassagen am besten aus, gefettet oder schräg gestellt? Oder vielleicht doch ein Mix aus beiden Varianten? Und welche Schriften lassen sich gut miteinander mischen? Lesen Sie Antworten auf diese Fragen hier nach.


Richtig setzen Teil 1: In welcher Punktgröße sollte man Texte am besten anlegen? Und wie lang sollte eine Zeile idealerweise sein? Mehr Infos dazu gibt es in diesem Beitrag. 


Richtig setzen Teil 2: Flatter- oder Blocksatz – das ist hier die große Frage! Und was ist eigentlich noch einmal der Unterschied zwischen Spationieren, Sperren und Kerning? Die Antworten lesen Sie hier.


OpenType-Features und wie man sie aktiviert, erklärt dieser Beitrag.





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