Iran in Bildern erleben

„Heartbeat Iran“ lautet der Titel der neuen Publikation, die den Alltag in Iran, eingefangen auf Studienreisen der Gerrit Rietveld Academy Amsterdam, mittels atmosphärischer Fotos darstellt und dabei ein außergewöhnliches Leseerlebnis bietet.



„Heartbeat Iran“ lautet der Titel der neuen Publikation, die den Alltag in Iran, eingefangen auf Studienreisen der Gerrit Rietveld Academy Amsterdam, mittels großflächiger, atmosphärischer Fotos darstellt und dabei ein außergewöhnliches Leseerlebnis bietet.


Für das Editorial Design des Bildbandes zeichnet der Kommunikationsdesigner Niels Schrader verantwortlich, dessen Anliegen eine „poetische Informationsvisualisierung“ ist. Seinen Ansatz demonstrierte er etwa mit dem Ausstellungskonzept für „Dutch Design Database“ im Graphic Design Museum Breda, einer interaktiven Schau über niederländisches Kommunikationsdesign, die zwischen virtuellem, intuitiv bedienbaren Werkarchiv und räumlich erfahrbarer Designausstellung angesiedelt ist.

Schrader, der digitale und analoge Strategien der Informationsvermittlung gern kombiniert, erläutert sein Buchkonzept: „Der lineare Aufbau einer Publikation stellt Designer immer wieder vor die Frage, in welcher Abfolge die Gestaltungselemente platziert werden sollen.“ Und so entwickelte er auch für den Reisebericht ein reizvolles Navigationsprinzip: An den Rändern der Buchseiten werden jeweils Vorschläge für weitere, nach unterschiedlichen Kriterien zusammengefasste Fotos geliefert, und zwar in Form von Querverweisen zu den entsprechenden Seitenszahlen. Diese ermöglichen nicht nur, ganz konventionell, lineares Lesen, sondern auch flexibles und intuitives Blättern und Verstehen.

Das Material für „Heartbeat Iran“ umfasste beinahe 16.000 Fotografien, so dass es nahelag, die vielen Bilder zunächst einmal zu kategorisieren. Der Designer schildert den Entwicklungsprozess: „Wir stellten schnell fest, daß die Bilder nicht immer eindeutig zuzuordnen waren, denn die Widersprüche, in denen die Menschen im Iran leben, waren erwartungsgemäß auch in der Bildauswahl wiederzufinden. So entstand schließlich die Idee, die Abbildungen zu taggen beziehungsweise durch mehrere Schlagwörter zu labeln, wie es etwa bei Flickr üblich ist. Hieraus entstand dann das Netzwerk aus Verknüpfungen, das auch die zahlreichen Lesemöglichkeiten und -kombinationen wiedergibt.“ Diese Tag Cloud, die die thematischen Gruppierungen wiedergibt, wurde der Fotoserie als Übersicht voran gestellt – auch ein zeitgemäßes Konzept, um die Bedeutung von „Interior“, „Emotion“, Politics“, „Uniformity“ oder „Gesture“ in der islamischen Kultur plastisch zu visualisieren.

Der Buchumschlag, ausfaltbar und auch als Poster zu verwenden, zeigt den Verborgenen Imam, eine zentrale Figur des schiitischen Glaubens. „Ganz unter dem Motto ‘Ich bin dann mal weg’ ist er natürlich das ideale Motiv für die Titelseite eines Reisetagebuches.“ meint Niels Schrader.

Die dekorativen hinteren Seiten des Buches wirken wie persische Muster aus ornamental zusammengesetzter Typografie – eine nette Form der Anzeige, für die die Namen der Sponsoren jeweils auf einer Seite in Szene gesetzt wurde. „Wir haben uns hierbei von der Ornamentik persischer Fassadenmosaiken inspieren lassen. So kann in jedem Muster der Name eines Sponsors individuell inszeniert und gleichzeitig in einer gemeinsamen Formensprache verankert werden.“

Durch das flattrige Papier erinnert das Reisetagebuch an eine Bibel. „Wir haben für das Buch Dünndruckpapier von etwa 60 g verwendet.“ so Schrader. „Die Publikation sollte eine biblische Anmutung haben, um kulturelle “Berührungspunkte” zwischen westlichen und islamischen Ländern auch auf haptischer Ebene erfahrbar zu machen.“ Tatsächlich bietet der Reisebericht mit seiner sinnlichen Vermittlungsform und der persönliche Perspektive einen spannden Einblick in die aktuelle Alltagskultur des Iran. Die Publikation kann bei Rieneke van den Broek (rvdbroek@grac.nl) bestellt werden.


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