Guy Bourdin: Glossy Verrenkungen

Die erste große Retrospektive: Das Werk des legendären französischen Fotografen Guy Bourdin.



Hochstilisiertes Augenzwinkern oder hochglänzender Sexismus? Wer sich einen eigenen Reim auf das Werk des legendären Fotografen Guy Bourdin (1928-1991) machen möchte, kann das jetzt in den Deichtorhallen Hamburg tun.

Frauen, die an Bahngleise gekettet sind, die, nur mit Schlüpfer und Strumpfhose bekleidet, eine Brüstung hinunter stürzen, die über Türen hängen und sich immer wieder zu den abenteuerlichsten Posen verrenken, sind da zu sehen. Farbenfroh, glossy, absolut künstlich ist diese Fotografie und und schwingt sich mitunter zu so herrlich spitzbübischen, heiteren und visuell unschlagbaren Motiven auf, wie das der unzähligen Hände mit knallrot lackierten Fingernägeln, die sich über die Augen einer Frau legen∞ oder der nackten Models, die – Feigenblatt und Penis zugleich – eine Anthurie zwischen den nackten Schenkeln tragen.

Regelmäßig hat Bourdin Modestrecken für Vogue und Kampagnen für Charles Jourdan fotografiert. Nie in leisen Tönen, sondern immer in knalligen Fraben, mit expliziten Motiven – und dazu beschäftigte er sich ausgiebig mit dem Phänomen der Doppelseite in Magazinen, auf deren Falz er die Komposition seiner Motive ausrichtete und mit ihr experimentierte.

In den Deichtorhallen Hamburg ist jetzt auch das malerische Werk Bourdins zu sehen, in dem es genauso geheimnisvoll, aber weniger laut zugeht. Darüber hinaus werden Polaroids, Skizzen, Schwarzweiß-Aufnahmen aus den 50er-Jahren, Filme und seine berühmten Modeaufnahmen und Kampagnen gezeigt – und bisher noch nie präsentiertes aus Bourdins Privatarchiv.

Retrospektive: Guy Bourdin, Deichtorhallen Hamburg/Haus der Photographie, 1.11. – 26.1.2014




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