Ab heute im Kino: Finding Vivian Maier

Wer war Vivian Maier? Ein mitreißender Film versucht jetzt das Geheimnis des Chicagoer Kindermädchens zu lüften, die ein beeindruckendes fotografisches Werk hinterließ, dass sie nie jemandem zeigte …



Wer war Vivian Maier? Ein mitreißender Film versucht jetzt das Geheimnis des Chicagoer Kindermädchens zu lüften, die ein beeindruckendes fotografisches Werk hinterließ, dass sie nie jemandem zeigte …

Für manche Dinge braucht es einfach Amerikaner. Zum Beispiel um frisch und staunend an Dinge heranzugehen. Ganz so wie John Maloof es tut, der auf besondere Weise mit Vivian Maier (1916-2009) verbunden ist.

Auf einer Auktion 2007 ersteigerte der damals 26jährige Geschichtsbegeisterte Maloof, der gerade an einem Buch über einen Chicagoer Park arbeitete, 40.000 ihrer Negative auf einer Nachlassauktion. Gerade mal 400 Dollar kosteten sie und auch nachdem er sie für sein Buch nicht gebrauchen konnte, ließ die frühe Streetphotography ihn nicht los, die so punktgenau und mit einem Gespür für das Besondere der Alltagszenen, ebendiese aufnahm.

Ein Schwarzer, der mit dem Pferd unter einer Hochbahn entlang reitet, schnieke Vorort-Ladies, die an ihren Schleierhütchen zupfen, flirtende Latinas und strauchelnde Obdachlose, wehende Röcke und Nerzstolas, die durch die Nacht getragen wurden – und immer wieder Kinder.

John Maloof lud eine Auswahl ihrer Bilder auf einem Blog hoch und damit begann auch seine eigene Karriere – als Besitzer eines Großteils ihrer Negative und als ihr Nachlassverwalter, den kaum war der Blog online, sorgte er für Begeisterungsstürme in den Medien auf die bald erste Ausstellungen folgten.

So beeindruckend wie ihre Fotografie ist, so befremdlich ist der Biografie Maiers, der Maloof versucht auf die Spur zu kommen. Zeitlebens war sie Kindermädchen und er traf zahlreiche ihrer Schützlinge, die erzählten wie sie die behüteten Vorstadtkinder mit in die düsteren Ecken der Stadt nahm, um dort zu fotografiren, von ihren großen Herrenschuhen und steifem Schritt, ihrem kindlichen Gemüt und ihrer unbekümmerten Zärtlichkeit, während andere sich an Dransalierungen erinnern und an ihren bis zum Exzess betriebenen Schutz der Privatsspäre.

Niemand durfte ihr Zimmer betreten, in dem sie irgendwann begann besessen Zeitungen zu sammeln, immer war die Tür zu – und abgeschlossen.

Stück für Stück setzt Maloof ihr Bild zusammen und natürlich ist die Dokumentation auch ein Werbefilm für seinen Maier-Besitz. Doch vor allem ist er eine hoch unterhaltsame Schnitzeljad, der Blick zurück auf der Leben einer besonderen Frau, die ein Werk schuf, das sie nie jemandem zeigte und zu dem zehntausende Filmrollen gehören, die sie gar nicht mehr entwickeln ließ.

Aber darf man das Leben einer Frau, die zeitlebens so um Privatssphäre bemüht war eigentlich an die Öffentlichkeit zerren? Auch dafür braucht es manchmal Amerikaner, die auch mit dieser Frage ganz offen umgehen und sich ihr leichtfüßig stellen …

Auf der Berlinale wurde »Finding Vivian Maier« bejubelt und gewann beim Publikumswettbewerb den zweiten Preis. Abn heute ist er in den Kinos.

Finding Vivian Maier, Regie und Produktion:John Maloof, Charlie Siskel, 84 min., ab heute im Kino




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