Brennpunkt Designpreis Deutschland

Zwischen dem iF und dem Rat für Formgebung schwelt ein Streit über den Designpreis Deutschland. Andrej Kupetz, Hauptgeschäftsführer des Rats für Formgebung, über die Auseinandersetzung.



Bild Kupetz

Mitte Juli sorgte iF-Geschäftsführer Ralph Wiegmann mit einem Brief an für den Designpreis nominierte Agenturen für Irritation in der Designbranche. Er erklärte darin, dass der vom Rat für Formgebung ausgeschriebene Designpreis Deutschland ein neuer Preis sei, der nichts mit dem bisherigen, vom Bundesministerium für Wirtschaft geförderten Wettbewerb zu tun habe. In der Tat veranstaltet der Rat für Formgebung den Preis dieses Jahr eigenständig – was die Ausschreibung nicht ganz deutlich macht.

Wir sprachen mit Andrej Kupetz, Hauptgeschäftsführer des Rats für Formgebung, über die Auseinandersetzung. In PAGE 10.2011, die ab heute am Kiosk liegt, lesen Sie das Gegenstatement von Ralph Wiegmann.

PAGE: Herr Kupetz, wieso veranstaltet der Rat für Formgebung den Designpreis auf eigene Faust?

Andrej Kupetz: Das Bundesministerium hat den Designpreis dieses Jahr erstmals öffentlich ausgeschrieben. Leider hatte die inhaltliche Ausrichtung nichts mehr mit dem bisherigen Konzept zu tun. Schließlich wurde er aufgrund einer innerministeriellen Prüfung ganz ausgesetzt. So entstand eine große Lücke in der Designförderung, auf die wir reagiert haben. Der Designpreis Deutschland ist eine Marke des Rat für Formgebung und sämtliche Urheberrechte am Gesamtkonzept liegen bei uns. Wer außer der per Bundesgesetz legitimierten Institution der gesamtdeutschen Designförderung sollte einen deutschen Designpreis ausrichten, wenn es der Bund nicht mehr tut?


Wo liegen die Unterschiede zum bisherigen Designpreis?

In den Kosten. Als privater Auslober steht es uns frei, die Gebühren für die Gewinner gegenüber dem bisherigen, öffentlich geförderten Preis um 30 Prozent zu senken und das Preisgeld für die Nachwuchstalente zu verdreifachen. Als gemeinnützige Stiftung müssen wir zwar kostendeckend arbeiten, sind aber nicht gewinnorientiert.

Werden Sie auf das Schreiben von Ralph Wiegmann reagieren?

Ich halte die Aktion für einen beispiellosen Vorgang, der die Regeln des geschäftlichen Anstands verletzt. Aber das Schreiben ist wohl so formuliert, dass es haarscharf an einer wettbewerbsrechtlichen Klage vorbeikäme. Über die Ursachen kann ich nur spekulieren. Von unseren Kunden hören wir zunehmend, dass sie sich am iF award nicht mehr beteiligen möchten. Wir werden daher nicht umhinkommen zu prüfen, ob ein gewonnener iF award in Zukunft noch ein Nominierungsgrund für den Designpreis Deutschland sein kann.


Hier können Sie PAGE 10.2011 bestellen.


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