Im Gespräch: Corey Holms

Corey Holms arbeitet seit vielen Jahren im Entertainment-Design und kümmert sich dort vor allem um die Typografie. So auch für den Film »Where the wild things are«.




Corey Holms arbeitet seit vielen Jahren im Entertainment-Design und kümmert sich dort vor allem um die Typografie. So auch für den Film »Where the wild things are«.

Ein kreatives Multitalent ist der Kalifornier Corey Holms. Nach Abschluss seines Studiums am California Institute of the Arts 1996 arbeitete er für zahlreiche große Agenturen wie Frankfurt Balkind, Sapient oder Mojo in den Bereichen Corporate Identity, Type- und Entertainement-Design. Auch privat arbeitet er kreativ, fotografiert und entwirft Schriften. Einige seiner Fonts sind über Veer und YouWorkForThem erhältlich, seine kommerziellen Fotografien werden von Getty vertrieben. Seit einigen Tagen arbeitet er bei Logan in Los Angeles.

www.coreyholms.com

Logo-, Print-, Entertainment-, Typedesign – in welchem Bereich arbeitest du am liebsten?

Vorzugsweise mixe ich alles, denn wenn ich zu lange in einem Bereich arbeite wird es mir schnell langweilig. Nur ein Logo für einen Kunden zu gestalten stellt mich nicht zufrieden, gerne entwickle ich daraus dann eine ganze Kundenschrift – jeder Bereich nährt den anderen.

Woher hast du deine Kenntnisse im Typedesign?

Als ich am California Institute of the Arts studierte, brach gerade das digitale Zeitalter an und ich hatte die Chance, den ersten Typedesignkurs der Schule zu besuchen – mein Lehrer war Jeff Keedy. Und auch in meinem ersten Job hatte ich Glück, denn mein Chef war sehr engagiert in der Entwicklung von Kundenschriften. So war es Teil meines Jobs, beinahe den ganzen Tag mit Buchstaben herumzuspielen. Schließlich fand ich meine Nische im Entertainment-Design, denn hier gibt es nicht viele Leute, die sich für Typografie oder Typedesign interessieren. Außerdem leide ich an Schlaflosigkeit und die recht monotone Arbeit des Typedesigns beschäftigt mein Hirn während dieser Phasen.

Sind deine Schriften Abfallprodukte deiner Designprojekte?

Absolut. Tatsächlich entstanden nahezu alle meine Fonts aus Logos, die von Kunden verworfen wurden. Manchmal lösen sich die Buchstaben aus der Form des Logos und es gelingt mir, ein komplettes Alphabet zu zeichnen. Manchmal funktionieren sie aber nur mit dem Logo und es ist nicht möglich, sie weiter zu entwickeln. Dieser Prozess dauert oft Jahre und zu manchen Projekten kehre ich immer wieder zurück und beginne noch einmal. Aus diesem Grund hat die Entwicklung meiner letzten Schrift auch ganze vier Jahre gedauert.

Da kann man ja eine richtige Beziehung aufbauen. Welche deiner Schriften magst du am meisten?

Ne10, weil es meine Aktuellste ist, in die ich immer noch ein wenig verliebt bin. Große Zuneigung hege ich auch für Brea, weil es die erste Type ist, die von einer Typefoundry angenommen wurde. Ich hatte so viele vergebliche Versuche gemacht, meine Schriften bei Foundries unterzubringen, dass ich schon aufgegeben hatte. Dann postete ich das Erscheinen von Brea auf typophile.com und zack, wurde ich von Veer kontaktiert.

Du arbeitest seit vielen Jahren für Mojo, hast du trotzdem noch Zeit für eigene Projekte?

Zwei Tage bevor ich diese Fragen beantwortete, kündigte ich bei Mojo. Ich war dort fünfeinhalb Jahre, habe geholfen ihre Printabteilung auf die Beine zu stellen. Ich mache jetzt seit fast fünfzehn Jahren Entertainemnt-Design und nun war es Zeit für eine Veränderung. Mein Midlife-Karrierewechsel führt mich zu Logan, einer High-end Motion- und Werbe-Agentur (www.logan.tv).

Wenn du auf die ganzen Jahre zurückblickst, welches war der beste Job, den du gemacht hast, welches der Schrecklichste?

Der Beste war die Entwicklung eines neuen Logos für das Depeche Mode Album »Sounds of the Universe«, weil dort viele Aspekte zusammen kamen: zum einen war Depeche Mode in meiner Jugend eine wichtige Band für mich und allein der Gedanke, einmal etwas für sie zu tun war ziemlich aufregend. Zweitens konnte ich mit dem Kreativdirektor Adrian Shaughnessy zusammenarbeiten, den ich sehr bewundere. Und drittens war es das erste Mal, dass ich mit meiner Frau zusammen an einem Projekt arbeitete, dass von uns beiden ein Höchstmaß an Kreativität forderte. Schreckliche Projekte gab es so viele, dass ich aufgehört habe sie zu zählen. Auch wenn viele Leute es nicht zugeben wollen: in jedem Job gibt es einen Punkt, an dem er – egal wie gut der Job ist – einfach nur noch ein Job ist.

Was für Schriften möchtest du zukünftig noch realisieren?

Im Moment stehen zwei Entwürfe in vorderster Reihe. Einer basiert auf einer Slab Serif, wird aber ein Stencilfont werden, der andere ist eine experimentelle Frakturschrift. Dann gibt es noch ein viel versprechendes Projekt, bei dem ich mit einem guten Freund zusammen arbeiten könnte und in dem es darum geht, eine Slab Serif in eine Serifenlose zu verwandeln. Vor allem aber freue ich mich auf meinen neuen Job und die damit verbundenen Herausforderungen.

Zur Zeit arbeitet Corey Holms an einem Stencilfont. Diese ersten Skizzen machen neugierig auf mehr

Auch Ne10 ist eine Stencilschrift – erhältlich über www.youworkforthem.com. Die Inspiration lieferte ein Neonschild in Coreys Lieblingspizzeria

Brea entstand ursprünglich für ein T-Shirt und war die erste Schrift von Corey Holms, die von einer Typefoundry, nämlich von www.veer.com, angenommen wurde

Die meisten von Corey Holms Schriften sind »Abfallprodukte« seiner Designprojekte


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