Reportagen: Alle Macht dem Wort

Moiré gestaltet das neue Magazin Reportagen – und spielt gekonnt mit Satz und Schrift.



Sechs Mal pro Jahr wird das Magazin Reportagen aus Bern erscheinen, das sich ganz auf die journalistische Königsdisziplin konzentriert. Auf begleitende Fotos verzichten die Chefredakteure Daniel Puntas Bernet und Claude Frankhauser, stellen den Text in den Mittelpunkt, angereichert mit einigen wenigen Infografiken und Illustrationen. Eine Herausforderung für die Agentur Moiré, mit der wir über die Gestaltung sprachen, darüber, ob Fotografie noch zeitgemäß ist, wie der Lesefluss nicht unterbrochen wird und Text in Bewegung bleibt.

Sie mussten mit großen Textmengen umgehen. Was waren Ihre Überlegungen dazu?

2008 haben Daniel Puntas und Claude Fankhauser, die beide zur Reportagen-Redaktion gehören und Moiré mit der Diskussion und der Arbeit an der Nullnummer angefangen, um mit dieser Investoren für das Projekt zu finden. Dabei stand von Anfang das Lesen von längeren Texten im Zentrum. Das ganze Magazin ist darauf ausgerichtet: das kleine, handliche Format, das ungestrichene Papier, der typografische Umschlag. Es gibt aber durchaus auch doppelseitige Infografiken, etwa wenn sie als Anhang zum Artikel funktionieren. Im Allgemeinen versuchen wir aber den Lesefluss möglichst nicht zu stören und Illustrationen und Infografiken da einzusetzen wo der inhaltliche Zusammenhang gegeben ist. Es ist aber gut möglich dass wir in Zukunft auch mit kleinteiligen Bildern arbeiten die zwischen oder neben den Textblöcken stehen.

Überraschend ist, dass es ein Reportagemagazin ganz ohne Fotografien ist …

Kurz gesagt: wir halten das klassische Duo bestehend aus Reporter und Fotograf für nicht mehr zeitgemäß. Es gibt nach wie vor hervorragende Reportage-Fotografie, allerdings eher Projekte die über lange Zeiträume entstehen und oft als Fotobücher erscheinen. Daneben sind digitale Bildquellen, Fotos und Filme beinahe unbegrenzt verfügbar und für jedermann in Sekunden zugänglich. Daraus ergaben sich für uns zwei Möglichkeiten: Entweder wir publizieren umfangreiche Bildserien, die sich selbst kontextualisieren und mehr als ein Aufmacher mit einer erklärenden Bildlegende sind. Oder wir verzichten auf die Fotografie und setzen einerseits auf die Imaginationskraft des Lesers und geben uns andererseits die Freiheit, die Texte durch Illustration und Infografik zu ergänzen, zu interpretieren, zu kommentieren. Gleichzeitig ist der Verzicht auf Fotografie wie sie schon sagten auch ein klares Unterscheidungsmerkmal zu klassischen Reportagenmagazinen wie National Geographic oder Geo.

Die Schrift spielt eine besonders wichtige Rolle bei einem Textmagazin. Welche haben Sie gewählt? Und warum?

Moiré wollte eine gut lesbare Schrift mit hoher x-Höhe und einer satten Schwärze. Eine direkte, kantige Schrift mit handschriftlichem oder handwerklichem Gestus, die das Schreiben als Tätigkeit betont. Außerdem sollte sie besonders in größeren Schriftgraden möglichst eigenständig sein um dem Cover und den Titeln Charakter zu verleihen. Wir haben eigentlich gar nicht groß nach bestehenden Schriften gesucht, sondern gleich angefangen, die Schrift zu entwerfen und zu zeichnen. Wir sind immer noch dabei, sie weiter zu entwickeln und weitere Schnitte zu erstellen. Und es wäre natürlich schön sie irgendwann vertreiben zu können.

Können Sie was dazu erzählen, wie Sie optisch dabei vorgegangen sind, die Texte einzurücken?

Durch das kleine Format, den Leineneinband und den einspaltigen Satzspiegel ist Reportagen quasi ein Buch mit dem Inhalt eines Magazins. Wir haben daher nach einem lebendigen Satzspiegel gesucht der den Magazincharakter unterstützt und den Text in Bewegung hält. Das System ist im Prinzip sehr einfach, die Abschnitte werden abwechslungsweise links und rechts eingezogen. Der Wechsel der Einzüge wird dann auf den Inhalt des jeweiligen Artikels angepasst, der Text wird typografisch redigiert. Daneben gibt es ab und zu Texte die bereits eine so dezidierte Form haben dass wir sie einfacher setzten.

Sie haben sich für die Farben Weiß, Schwarz und Rot, bzw. Grün entschieden. Was gab den Ausschlag?

Das ganze Magazin ist, abgesehen vom ersten und letzten Bogen wo die Anzeigen liegen, zweifarbig gedruckt. Die Buntfarbe wechselt von Ausgabe zu Ausgabe. Die erste Kombination war Schwarz und Rot, die zweite Schwarz und Grün, die Januar-Ausgabe wird Schwarz und Lila.


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