Infografik

»Form follows function« – auf Infografiken trifft diese Designrichtlinie 100-prozentig zu. Denn vor allem sollen sie uns helfen, Informationen besser und schneller zu verstehen, als dass durch einen Text möglich wäre.
Damit das funktioniert, muss man zunächst eine tragfähige Struktur entwickeln, bevor man sich um die Ästhetik kümmert. Das ist oftmals gar nicht so einfach.

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Dieser Beitrag wurde erstmals in PAGE 04.2013 veröffentlicht.
Autorin: Antje Dohmann


INHALT

1 Form follows function
2 Erster Schritt
3 In welcher Form
4 Tools hin oder her
5 Der Boom der Infografik
6 Das liebe Geld ist Auslöser
7 Animationen im Trend
8 Web, iPad und Co
9 Ereignisse
10 Infografiken als Content-Marketing-Instrument


Infografiken eröffnen ein vielseitiges Tätigkeitsfeld für Gestalter, Animation Artists und Interaction Designer. PAGE sagt, worauf es bei Entwicklung von Infografiken ankommt, und beleuchtet den Prozess vom Briefing über die Recherche bis zur Umsetzung.

»Bester Spieler der Welt«, viermal »Fußballer des Jahres« – nach Superlativen muss man in Bezug auf Lionel Messi nicht lange suchen. Mit der Messi Matrix setzte adidas ihm ein digitales Denkmal. Konzipiert hat die Anwendung die TBWA\-Tochter United State of Fans, die Umsetzung lag in den Händen von MediaMonks Amsterdam. Mit Flare 3D entstand eine komplexe interaktive Infografik, die dem User die Inhalte auf unterschiedlichen Ebenen präsentiert. So navigiert er durch eine Sammlung von Statistiken, Fakten und Erfolgen – von der exakten Anzahl der Ballkontakte bis zu allen Rekorden, die der 25-Jährige 2012 gebrochen hat – und kann sich dabei zum Beispiel nur einzelne Monate anzeigen lassen, um so seine Performance über das Jahr zu vergleichen. Die Messi Matrix überzeugt tech­n­isch und visuell und auch dadurch, dass adidas sich angenehm zurück hält. Vor allem aber bietet sie mehr als Informationen: Sie erzählt die Geschichte des Ausnahme-Fußballers.

 

1 Form follows function

– auf Infografiken trifft diese Designrichtlinie 100-prozentig zu. Denn vor allem sollen sie uns helfen, Informationen besser und schneller zu verstehen, als dass durch einen Text möglich wäre. Damit das funk­tioniert, muss man zunächst eine tragfähige Struktur entwickeln, bevor man sich um die Ästhetik kümmert. »Gerade im Internet finden sich wahnsinnig viele schlechte Infografi­ken, bei denen das Hauptaugenmerk auf dem tollen Aussehen liegt«, sagt Stefan Fichtel. Er muss es wissen, beschäftigt er sich doch schon lange mit dem Thema Informa­tionsvisualisierung. Zunächst bei KircherBurkhardt, seit mehreren Jahren mit seiner eigenen Agentur ixtract (siehe PAGE 04.2013, Seite 28). Eine schlechte Grafik zu erkennen sei nicht besonders schwer: »Schauen Sie sich die Dar­stellung an, legen Sie sie beiseite und fragen Sie sich, was Sie da­von behalten haben. Je we­niger das ist, desto schlech­ter ist die Infografik.«

Fehlende Präzision und man­gelnde Kohärenz sind für Ralf Grauel die Merkmale mangel­haf­ter Infografik: »Da werden Dinge verglichen, die gar nichts mit­einander zu tun haben. Vielleicht sieht die Grafik hübsch aus, fängt man aber an, sie zu lesen, fällt sie sofort auseinander. Deshalb ist es unerlässlich, unterschiedliche Quellen zu homogenisieren.« Das weiß der Wirtschaftsjournalist nicht erst seit dem »Lese-, Lern- und Anschaubuch« »Deutschland verstehen«, das er zusammen mit Jan Schwochow – dem in seinen Augen »komplexesten Infografiker Deutschlands« – herausgebracht hat.

Den sicheren Beweis dafür, dass Infografik im Mainstream angekommen ist liefert das Buch »Deutschland verstehen« von Ralf Grauel und Jan Schwochow. Im Oktober erschienen, war es kurz vor Weihnachten bereits rund 30 000 Mal verkauft. Zu Recht, das Buch mach Spaß und ist dabei auch noch lehrreich. Hier die Grafik »Strahlende Perspektiven. Vom Uranabbau bis zur Stationierung: Globale Geschäfte mit Atom« von Daniel Stolle­.

 

Wie ausgezeichnet sich Funktion und Ästhetik ergänzen können, beweist immer wieder die »New York Times«, die ihre Leser mit großartigen Darstellungen informiert und unterhält, etwa mit den interaktiven Grafiken zur damaligen Olympiade in London.

Unter der Headline »Racing Against History« bot die »New York Times« ihren Lesern zu den Olympischen Spielen einmal mehr Information und Unterhaltung. So konnten sie in einem Video von Kevin Quealy und Graham Roberts die Leistungen aller Olympiasieger über 100 Meter Freistil auf einen Blick vergleichen. Wussten Sie, dass Tarzan-Darsteller Johnny Weissmuller heute 20 Meter hinter dem aktuellen Goldmedail­len­gewinner Nathan Adrian liegen würde? Entsprechende Grafiken gab es für den Weitsprung und den 100-Meter-Sprint der Männer. Auch Mona­te nach Olympia ist das Anschauen ein Ver­gnügen.

 

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2 Erster Schritt

… bei der Entwicklung einer Infografik ist die Recherche, die viel Zeit verschlingen kann. »Durchs Web ist dies eher schwieriger geworden: Die Datenlage ist heterogen, und man muss sehr quellenkritisch vorgehen«, sagt Ralf Grauel. »Bei komplexen Themen kann es nach wie vor die bessere Lösung sein, in Bibliotheken zu recherchieren.« Quel­len immer wieder gegenzuchecken, empfiehlt auch Stefan Fichtel: »Stößt man auf interessante Zahlen, muss man sich fragen, wer sie veröffentlicht hat. Stammen diese von einer anerkannten Institution oder von einer Quelle, die selbst nur wieder auf andere Quellen verweist?« In diesem Fall solle man herausfinden, ob davon unabhängige Quellen wenigs­tens ähnliche Zahlen angeben, so Fichtel. Schwierig seien zudem Datenvisualisierungen, die in der Re­gel sehr große Da­tenmengen verarbeiten und durch Verallgemeinerung oder Abstraktion bereits verfälscht sein könnten.

Aber nicht nur die Recherche ist oft aufwendig, auch eine kreative Umsetzung braucht mehr Zeit und ist damit teurer als ein normales Seitenlayout. Das muss man einem Kunden, der denkt, dass sich mit wenigen Klicks faszinierende Grafiken erstellen lassen, erst mal klarmachen. »Auftraggeber setzen oft zunächst gewöhnliche Layout- oder Fotokosten an«, berichtet Stefan Fichtel. »Wir erklären dann, dass eine Infografik sehr viele Informationen sehr differenziert anordnen muss, sodass bestimmte Sachverhalte für den Betrachter sofort nach vorne rücken, während andere im Hintergrund agieren und dies alles trotz vieler Einzelteile ein stabiles Layout bildet – und dass dieser Aufwand natürlich auch bezahlt werden muss.«

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3 In welcher Form

… eine Grafik die Zahlen präsentiert, ist nicht nur eine ästhetische Entscheidung. So kann die Wahrnehmungspsychologie bei der Auswahl der Farben und For­men helfen. Da es unserem Gehirn zum Beispiel schwerfällt, Flächen zu vergleichen, wir aber prima Längen und Hö­hen abschätzen können, bietet sich für den Vergleich von Zahlen immer eher ein Balken- oder Säulen- als ein Tortendiagramm an. Nicht zu unterschätzen ist darüber hinaus die Menge der dargestellten Informationen. Zahlreiche Gra­fiken kranken da­ran, dass sie zu viel wollen, zu überladen sind. Dann drohen visuell schreckliche Kompromisse oder der Fokus stimmt nicht mehr. »Man muss die Mitte treffen«, sagt Ralf Grauel. »Will man zu viel, wird es durcheinander, reduziert man zu sehr wird es langweilig.«

Aus der Arbeit an »Deutschland verstehen« hat Grauel ei­ne interessante Lehre gezogen:

»Man muss sich so weit mit dem Thema auseinandersetzen, dass man die Darstellungs­form von diesem selbst aufgezwängt bekommt.«

So wollte der Journalist unbedingt eine Seite mit den wichti­gen Ereig­nissen der deutschen Geschichte der letzten 2000 Jah­re in Form einer Synopse visualisieren. Während seine Kollegen ihn auslachten, vertiefte er sich immer mehr in die Daten, bis sich schließlich die Form einer DNA herauskristallisierte – die für dieses Thema ideale Umsetzung, weil sich so die Vielzahl an Infos übersichtlich darstellen lässt und das Ganze dabei auch noch gut aussieht.

Vielfältigste Werkzeuge unterstützen den Infografiker, angefangen vom Sammeln der Daten bis hin zu ihrer Visualisierung. Für die Bearbeitung der Rohdaten bieten sich Tools wie Google Docs, Google Refine, Numbers oder auch Excel an. Im Gestaltungsprozess kommen meist gängige Program­me wie Illustrator, Photoshop, 3ds Max oder Cinema 4D zum Einsatz. Für interaktive Visualisierungen nutzen Designer und Developer in der Regel HTML5 oder Processing. Weiter­hin gibt es spezielle Programmiersprachen wie D3.js, eine JavaScript-Bibliothek, die aus Zahlenwerten automatisch gra­fische Elemente für Webseiten generiert, oder R, die auf dem Weg ist, zur Standardsprache für Statistiken zu werden.

Mithilfe von GIS (Geographic Information System)-Software wie ArcGIS, die georeferenzierte Daten verarbeitet, las­sen sich beispielsweise 3-D-Globen erzeugen. Hierzu gehört auch das kostenlose Grass, das raster- und vektororien­tierten Funktionen bereithält. »Im Internet finden sich viele kostenlose Tools zur Erstellung von Infografiken, wie zum Bei­spiel Google Charts oder Many Eyes. Für professionelle Arbeiten funktionieren diese aber oft nicht«, urteilt Stefan Fichtel. »In der Regel kann man nur Daten einlesen und diese in einer vorgegebenen Form darstellen lassen. Templa­tes machen bei Infografiken aber nicht viel Sinn, weil man jedes Mal andere Informationen hat. Zumal es darum geht, eine individuelle Geschichte zu erzählen.«

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4 Tools hin oder her

… ohne konzeptionelle Kenntnisse bleibt die Grafik meist auf der Ebene einer oberflächlichen Zahlen­präsentation, ohne diese in einen Kontext zu setzen. Woher aber kommt das notwendige Wissen? In Deutschland gibt es verschiedene Hochschulen, an denen man Informationsde­sign studieren kann, meist als Schwerpunkt eines Design­studiengangs. Wer seine Ausbildung abgeschlossen hat, sollte Erfahrungen in einer spezialisierten Agentur sammeln. »Neben Talent braucht ein guter Infografiker eine gute Ausbildung oder eben ein paar Jahre in einschlägigen Büros«, so Stefan Fichtel. Agenturen, die nur gelegentlich eine Infografik umsetzten, seien in der Regel nicht so aufgestellt, dass sie inhaltlich komplexe Zusammenhänge durchdringen und adäquat darstellen könnten. »Wir bei ixtract bilden unsere Leute oft selbst aus. Es gibt noch zu wenige qualifizier­te Absolventen«, berichtet Fichtel.

In kaum einer kreativen Disziplin verschwimmen die Gren­zen zwischen Gestalter und Autor so stark wie im Bereich Infografik – das macht es so spannend, aber auch so anspruchsvoll.

»Ein Infografiker arrangiert ja nicht nur Tex­te und Bilder auf einer Seite, er muss auch in der Lage sein, Quellen auszuwerten und den Inhalt zu verstehen. Sonst kann er ihn auch nicht visuell übersetzen«, meint Ralf Grauel. Die recherchierten Daten, die ein Redakteur ihm vorlegt, sind selten so, dass dieser gleich damit arbeiten kann. »Oft müssen diese noch vereinheitlicht oder umgerechnet werden, damit sie mit anderen Daten zusammenpassen«, sagt Stefan Fichtel. Bei ixtract macht das in der Regel der Infogra­fiker, der sich dafür in den entsprechenden Programmen aus­kennen muss. Vor allem aber müssen sie in der Lage sein, Sachverhalte zu vereinfachen und visuell eingängig zu präsentieren. Klingt nicht so kompliziert, aber die Möglichkei­ten, sich auf dem Weg von einer Illustration hin zu einer Gra­fik, die in der Lage ist, einen Text zu ersetzen, zu verzetteln, sind vielfältig. Stefan Fichtel fasst es so zusammen: »Man kann viel lernen, aber ein didaktisches Grundtalent sollte da sein.«

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5 Der Boom der Infografik hier­zu­lan­de

– in den USA, Spanien und auch Portugal genießt sie bereits sehr viel länger einen deutlich höheren Stel­lenwert – hat verschiedene Gründe. Zum einen ist die Zahl und die Vielfalt der Tools, die sich für die Erstellung von Infografiken eignen, deutlich angestiegen. Zum anderen sind wesentlich mehr Daten ver­fügbar. Viele Unternehmen und auch Behörden stellen einen Teil ihrer Daten ins Netz und vereinfachen so das Sammeln von In­for­mationen. Diese auf uns einpras­selnde Datenfülle wiederum macht es erforderlich, diese zu sortieren und in einer Form aufzubereiten, dass wir sie verstehen.

»Durch die Digitalisierung gibt es natürlich auch viel mehr Absatzkanäle für Infografiken, wobei der größte Kanal nach wie vor Print ist«, beobachtet Ralf Grauel. »Printmedien müs­sen beweisen, dass sie noch ein aufregendes Medium sind. Aufregend ist eine Zeitung, wenn sie die Verweildauer erhöht, und das kann eine Infografik. Auch ›Der Spiegel‹ arbeitet seit geraumer Zeit nicht mehr nur mit seinen klassischen, hyperventilierenden und manipulieren­den Balkendiagrammen, sondern mit für seine Verhältnisse rich­tig kreativen Infografiken. Eine gut gemachte Grafik auf einer großen Seite wie in der ›ZEIT‹ ist opulent und überraschend, aber sie ist auch teuer.« (Mehr zur Entstehung der »ZEIT«-Infografiken auf Seite 32 in PAGE 04.2013.)

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6 Das liebe Geld ist Auslöser

… für eine auffällige Entwicklung: Die ursprünglich vor allem im Verlagswesen angesiedelten Infografiken wandern Richtung Corporate Publishing. Immer mehr Unternehmen entdecken den Nutzen der Informationsvisualisierung für sich. »Verlage haben oft kein Geld, um zwei oder drei Leute zu bezahlen, die ausschließlich Info­grafik machen, ohne zusätzliche Seiten zu layouten«, meint Stefan Fichtel. »Fehler sind folglich nicht selten, auch weil die Verlage häufig Freie beauftragen, die auf diesem Gebiet nicht zu Hause sind. Die Darstellungen in der ›ZEIT‹ beispiels­weise entsprechen daher oft nicht dem Niveau der restlichen Zeitung.« Die Informationen, die Unternehmen bereit­stellten, seien dagegen qualitativ hochwertiger und oft auch besser recherchiert, denn Firmen könnten es sich nicht leis­ten, etwas Falsches zu publizieren.

Ob er für Verlage oder die Industrie arbeitet, macht für Ralf Grauel keinen Unterschied. »Es hat eine Weile gedauert, bis die Unternehmen so weit waren, mehr als ihre klassi­schen Markeninhalte zu kommunizieren und mit Fakten ans Licht zu kommen, die interessant sind und die man auch erzählen darf. Das lässt sich mit Infografiken spannend aufbe­reiten. Das Medium bietet sich an, mit vermeintlich drögen Zahlen Geschichten zu erzählen.« Besteht aber nicht die Gefahr des Überdrusses und des Glaubwürdigkeitsverlusts, wenn künftig jeder Hersteller die Wirksamkeit seiner Zahnpasta oder seines Shampoos durch Infografiken erklärt? Stefan Fich­tel kann uns beruhigen: »Leser haben ein gutes Gespür dafür, ob Informationen wertvoll sind. Die Nicht-Infogra­fik, die als Info­grafik verkauft wird, entlarvt die­ser schnell als un­brauch­bar. Gerade für Unternehmen ist das ein zu kostspieli­ges Risi­ko.«

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7 Animationen

… liegen im Bereich der Infografik im Trend. Web und Mobile bieten schließlich noch ganz andere Möglichkei­ten, in eine Grafik einzusteigen. Die Leistungen der Schwimm-Olympia-Sieger beispielsweise, die »The New York Times« zu­sam­menge­stellt hat, werden erst in der Animation richtig er­leb­bar (siehe Bild oben). Echten Mehrwert können interak­tive Ele­mente lie­fern, die es dem User ermöglichen, für ihn interessanten Da­ten in den Vordergrund zu stellen und andere zu vernach­lässigen.

Idealerweise sollten die im Web oder per Smartphone er­kundbaren Infografiken nach Responsive-Design-Prinzipien für die Größe und Auflösung des jeweiligen Ausgabegeräts optimiert sein. »Im Umgang mit Infografiken begegnen uns aber immer noch viele nicht responsive Visualisierungen«, be­dauert Chris­tian Hanke, Kreativdirektor bei edenspieker­mann in Ber­lin, der an einem Design- und Development-Guide für Re­sponsive Infographics arbeitet. »Schade, denn Infografiken sind aus dem eigenen Online-Erleben nicht mehr wegzuden­ken. Wir haben uns daran gewöhnt, Informationen so wun­der­bar aufbereitet zu genießen, und möch­ten dies gerade mobil nicht missen, zum Beispiel wenn wir Nach­rich­ten­häpp­chen auf dem iPhone durchwühlen.« Dank US-Wahl­kämpfen, die schon Unmengen von Infografiken hervorbrachten, wuchs aber auch das Be­wusst­sein für re­sponsive Dar­stellungen, sodass wir in nächster Zeit wohl öfter entsprechend op­ti­mierte Grafiken sehen wer­den (siehe PAGE 04.2013, Seite 34 f.).

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8 Damit für Web, iPad und Co

… wirk­lich innovative Anwendun­gen entstehen, müssten Print und Online sich allerdings erst einmal aufeinanderzubewegen. »Bei den großen Verlagen steht beides oft in Konkurrenz zueinander, weil die Inhalte der Web­site kostenlos sind«, sagt Gregor Aisch. Der Datenjournalist, Programmierer und Designer beschäftigt sich mit interaktiven Visualisierungen, vor allem aus den Bereichen Politik und Ge­sellschaft. »Die Verlage von ›Spiegel‹, ›ZEIT‹, ›SZ‹ und Co täten jetzt gut daran, alle verfügbaren Grafikressourcen zu bündeln, anstatt sie weiter voneinander abzugrenzen.«

Als positives Beispiel führt auch Gregor Aisch die »New York Times« an: »Sie haben dort eine gemeinsame Grafikab­teilung für Print und Online. Da gibt es natürlich auch Spezia­listen, aber alle sitzen jeden Morgen im gleichen Meeting und arbeiten zusammen. Außerdem hat der Verlag ein erfolgrei­ches Bezahlmodell, dessen Einnahmen inzwischen sogar die Werbeeinnahmen übersteigen.« Da kann man sich dann auch schon mal so etwas leisten wie die Aufbereitung eines La­winen­unglücks, bei der die Designer schon mal eine Re­portage als Website präsentierten. »Das ist die nahtloseste Integration von 3-D-Animation, interaktiven Elementen, Videos, Sprachaufzeich­nun­gen und Text, die ich seit Langem gesehen habe – Visual Story­telling at it’s best«, so Aisch.

Bis diese Art des Erzählens auch in Infografiken zum Einsatz kommt, wird wohl noch einige Zeit vergehen.

Denn gerade mit fehlenden Ressourcen in den Online-Redaktionen ist die Kombination aus einer großen Story und ihrer interaktiven Aufbereitung mit infografischen Elementen schwie­rig. »Auf  zeit.de/wirtschaft/arbeitslosigkeit  gibt es ei­ne interaktive Visualisierung der regionalen Arbeitslosenquoten seit 2005. Der Ansatz ist innovativ und geht in die richtige Richtung. Doch wie bei vielen solcher Projekte in Deutschland fehlt noch der Einstieg mit einer Geschichte. Hier können wir Onliner von den gedruckten Grafiken lernen«, so Gregor Aisch. Wahrscheinlich wird die finanziell bes­ser aufgestellte Unternehmenskommunikation auch hier zunächst die kreativeren Anwendungen liefern. Ebenso die kulturellen Einrichtungen, schließlich machen es uns die Mu­seen seit Jahren schon vor, wie man mit interaktiven Infografiken die Menschen erreicht.

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9 Ein Ereignis

… , das die Zahl der Infografiken seit jeher in die Höhe schnellen lässt, sind Wahlen. Leider kommen dabei fast immer die gleichen Balkendiagramme zum Einsatz, die sich selten sofort erschließen. Nicht gerade der Sinn einer Visualisierung. Für die Niedersachsenwahl im Januar 2013 näherte Gregor Aisch sich dem Thema aus einer anderen Richtung. »Vergesst die Parteien, visualisiert die Koalitionen!«, forderte er auf seiner Website. Schließlich sei Regel Nummer 1 der In­formationsvisualisierung: Das Wichtigste zuerst zeigen. Bei Wahlen sei das der Gewinner, was wiederum nicht zwingend die Partei mit den meisten Stimmen sei, sondern die, die sich in der Regierung wiederfinde. Also entwickelte er das XXL-Koalitionsdiagramm, das alle in der Theorie denkbaren Koalitionen anzeigte, auch solche für die (noch) keine Mehr­heit zusammenkam. Bei neuen Hochrechnungen ver­schwan­den Koalitionen nicht einfach, sondern sie veränderten lediglich ihren Ort. Das spannende Hin und Her zwischen Schwarz-Gelb und Rot-Grün zeigte sich in Aischs Animation als fröhli­cher Tanz der unterschiedlichen Koalitionen.

Nun ist diese Wahl Schnee von gestern, das Thema Visualisierung von Wahlergebnissen sicher nicht. Denn Wahlen stehen immer an. Dann können Agenturen und Verlage, Gestalter und Journalisten zeigen, was sie hinsichtlich Infografik gelernt haben: in Print, TV, Web und Mobile.


10 Infografiken als Content-Marketing-Instrument

 

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