Neues Bauhaus Magazin

Wiederaufnahme einer Tradition: Heute wird auf der Leipziger Buchmesse das neue Bauhaus Magazin vorgestellt. Die Berliner Agentur Novamondo erläutert dessen Gestaltung.



Wiederaufnahme einer Tradition: Heute wird auf der Leipziger Buchmesse das neue Bauhaus Magazin vorgestellt. Die Berliner Agentur Novamondo erläutert dessen Gestaltung.

101 Seiten ist das neue Bauhaus Magazin dick, erscheint alle sechs Monate, ganz regulär am Kiosk – und das zum ersten Mal nach 80 Jahren wieder. Berichtet wird um und aus dem Bauhaus Dessau, in der ersten Ausgabe mit einem besonderen Blick auf die Rolle des Künstlers und mit Beiträgen von Konzeptkünstler Olaf Nicolai und dem Stiftungs-Direktor und Architekten Philipp Oswalt.

Wie ist es mit so einer großen Tradition im Rücken zu arbeiten? Wie geht man mit ihr um? Was macht man daraus? Wir fragten Julia Fuchs, Bastian von Lehsten und Christian Schlimok von der Berliner Agentur Novamondo (im PAGE Porträt), die das erste Heft gestaltet hat.

Wie kam es zu dem Auftrag?

Novamondo Design wurde zum Pitch für den Relaunch des visuellen Erscheinungsbildes der Stiftung Bauhaus Dessau eingeladen. Im Zuge der Wettbewerbsentscheidung erhielten wir von der Stiftung die Anfrage, ob wir die Position der Jahresdesigners 2011 einnehmen wollen. Neben den konstanten Elementen des neuen Erscheinungsbildes, das letztendlich vom Designbüro Hort entworfen wurde, soll jedes Jahr ein neues Gestaltungsteam die laufenden Printmedien mitkonzipieren. In unserem Fall beinhaltet dies nun auch die ersten Ausgaben der neuen Bauhaus Zeitschrift.

War das erste Gefühl das eines spannenden Erbes oder auch das Gefühl einer historischen Last?

Unser erstes Gefühl war eine große Vorfreude darauf, mit der Stiftung zusammen über eine gegenwärtige Sichtweise auf das Bauhaus nachzudenken. »Das Erbe« ist in diesem Zusammenhang eine tolle Möglichkeit mit spannenden visuellen und textlichen Inhalten arbeiten zu können, die die Erscheinungsform der Printmedien, neben Typografie und Formsprache ja maßgeblich mitbestimmen.

Wie sind Sie bei der Gestaltung vorgegangen? Haben Sie sich am Vergangenen orientiert? Oder es erst mal völlig unberücksichtigt gelassen?

Das Vergangene gestalterisch nicht zu berücksichtigen, wäre in diesem Fall unmöglich gewesen. Die mit dem Bauhaus verbundenen Bilder, Schriften und grafischen Elemente sind in unser visuelles Gedächtnis eingeprägt. Außerdem sind sie ein wichtiger Bestandteil der Stiftung und ihrer Geschichte. In diesem Sinne haben wir versucht, die bestehende visuelle Kultur noch einmal genau zu analysieren und sie, zwischen Tradition und Gegenwart, in eine zeitgenössische Form zu übersetzen.

Gab es vom Bauhaus selbst Wünsche, Ideen, Vorstellungen?

Die Arbeit an einem komplexen Medium wie der neuen Bauhaus Zeitschrift, die repräsentativ für eine so wichtige Einrichtung stehen soll, erfordert enge Zusammenarbeit zwischen Agentur und Auftraggeber und dies war auch einer der zentralen Ansprüche der Stiftung. Nur durch den Austausch mit den in die Stiftung eng involvierten Personen kann man in Konzeption und Gestaltung diese Inhalte voll erfassen und auf bestmögliche Weise kommunizieren.

An was orientieren sich Farbgebung, Typographie, Gestaltung?

Das Designkonzept der Zeitschrift basiert auf dem Selbstverständnis des Bauhaus Dessau als Weltkulturerbe und internationale Plattform für innovative Gestaltung zwischen einzigartiger Tradition und lebendiger Gegenwart. Die fließende Verbindung der Pole dieses Spannungsfelds wird zum gestalterischen Grundmotiv und zum Ordnungsprinzip für alle Inhalte. In diesem Sinne wird das Layout durch eine horizontale Bewegung bestimmt, die die Seitengestaltungen organisch miteinander verwebt. Die Formsprache und der Einsatz von Abbildungen folgen dieser Ausrichtung innerhalb eines variablen Rasters. Während im Essayteil die großzügige, flächenbetonte Gestaltung von Text und Bild dominiert, hebt sich der Magazinteil durch den Einsatz einer Sonderfarbe im Textbereich und ein kleinteiligeres, dichteres Layout ab. Die englische Übersetzung der Essays ist als eigenständiges Leseheft einfarbig, auf getöntem Papier um den Zeitschriftenumschlag gelegt. Diese Dreiteiligkeit bestehend aus Essays, Magazinteil und Übersetzungen betont die inhaltliche Struktur der Zeitschrift. Die typografische Gestaltung wird durch die von Gábor Kóthay geschnittene Schrift Dessau Pro bestimmt. Diese orientiert sich am Original-Bauhaus-Schriftzug des Hauptgebäudes in Dessau und integriert parallel dazu zeitgenössische Formansätze. Mit der Walbaum MT wurde dazu kontrastierend eine der bedeutendsten klassizistischen Schriften eingesetzt, die über Serifen und Strichkontraste charaktervoll das inhaltliche Spannungsfeld betont.

Was drückt ihrer Meinung nach am stärksten das Zeitgemäße aus? Das Heute? Was ist der große Unterschied?

Viele Momente, die in der neuen Zeitschrift zur »Gegenwart« auf visueller Ebene Bezug nehmen, leiten sich aus den konkreten Inhalten und Bildern ab. Diese spiegeln auch das »Bauhaus-Gedankengut«, wie die Idee von transdisziplinärer Zusammenarbeit, Vernetzung sowie Entwurfsmethodiken zwischen Experiment und Anwendungsbezug wider und machen das Bauhaus im Jetzt noch immer sehr relevant. Das zeitgenössische Spiel mit den »visuellen Stereotypen« des Bauhaus in Typographie und Formsprache der neuen Zeitschrift tritt ohnehin ab einem gewissen Punkt in den Hintergrund. Die im heute noch relevanten Bezüge zur visuellen Bauhaus-Kultur bilden sich eher in klaren und trotzdem spannungsreichen Gestaltungsprinzipien ab.

Hier ein kurzer Blick in das Magazin:


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