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Siebert-Kolumne: Video-Calls – Dos & Don’ts

Unser Kolumnist Jürgen Siebert verrät, wie du beim nächsten Online-Meeting zum Videostar wirst

Jürgen siebert, Sieberts FundstückeBild: Norman Posselt

Videokonferenzen werden auch nach Corona ein essenzieller ­Bestandteil der Business-Kommunikation bleiben. Doch viele Men­schen scheinen es für eine vorübergehende Erscheinung zu halten. Woher ich das weiß? Ich sehe es ihnen und ihrem Home­office an . . . beispielsweise wenn in den Nachrichten, bei einer Talk­show oder einem politischen Magazin Experten von zu Hau­se zu­geschaltet werden: flaues Licht, schlechter Ton, Frosch­per­spektive, albernes Hintergrundbild.

Nirgendwo werden Gesprächspartner und das Drumherum aufmerksamer studiert als bei Video-Calls, weil sich – aus technischen Gründen – die Augen nicht wirklich treffen. Gleich­zei­tig sind virtuelle Konferenzen weniger konzentriert als persönliche Besprechun­gen, denn die Aufmerksamkeit der Teilnehmen­den lässt schon nach wenigen Minuten nach, ja manche erliegen sogar der Verlockung, die Social-Media-Kanäle zu ­checken oder gar E-Mails zu beantworten. Als Gastgeberin oder Gastgeber eines Online-Meetings ist es umso wichtiger, die Auf­merk­sam­keit hochzuhalten, damit die Konferenz Früchte trägt. Hier ein paar einfach Tipps:

Du selbst. Zunächst kommt es darauf an, einen guten, angenehmen Rahmen für den Video-Call zu schaffen.

Licht: Suche dir einen ruhigen Raum mit einer Lichtquelle – Fenster oder Lampe – von vorne. Eine preiswerte, dimmbare LED-Ringleuchte mit Stativ (unter 100 Euro) wirkt Wunder.

Kleidung: Nichts gegen gemütliche Kleidung am heimischen Schreibtisch, doch bei einem beruflichen Online-Meeting sollte man sich selbst und den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern so viel Achtung zollen, dass man ihnen gut gekleidet gegenübertritt. Schuhe zu tragen wirkt Wunder, auch wenn sie unsichtbar bleiben.

Stehen statt sitzen: Sorgt für ein aktiveres Körpergefühl, steigert die Konzentration und unterstreicht die Gastgeberrolle.

Hintergrund: Vergiss alle zu Auswahl stehenden Hintergründe. Kreative entwerfen sich selbst einen. Sei nicht irritiert, wenn du deinen Hintergrund spiegelverkehrt siehst (so wie dich selbst auch) . . . die anderen werden dich seitenrichtig empfangen.

Deine Kamera. Smartphone statt Laptop: Es hat eine bessere Kameraauflösung, korrigiert schlechte Lichtverhältnisse, lässt sich mit einem Stativ oder einem Bücherstapel leichter auf Augenhöhe bringen und hält dich auf Distanz zu Parallelaktivitäten, zum Beispiel eintreffende Mails zu lesen.

Schau direkt in die Kamera, wenn du sprichst. Positioniere als Blickfang das Fenster einer Folie oder deines Gegenübers dicht an die Linse. Aber nicht zu dicht rangehen, weil dies eine dicke Nase macht. Pro-Tipp: eine Zoomlinse wählen und mehr Abstand zur Kamera einnehmen.

Dein Ton. Die wichtigste technische Komponente: Eine schlechte Bildqualität mit klarem Ton kommt besser an als ein HD-Bild mit verzerrter Stimme. Wenn Laptop, dann am besten mit ei­nem preiswerten externen USB-Mikrofon (unter 50 Euro). Seine Nierencharakteristik unterdrückt Nebengeräusche im Raum, selbst die Sirene eines vorbeifahrenden Rettungsfahrzeugs. Ver­kabelte Ohrstöpsel liefern bessere Qualität als drahtlose. Vergiss die AirPods Pro: Sie haben ein schlechtes Mikro und die Geräuschunterdrückung schreddert oft auch die Sprecherstimme.

Deine Zuschauer.

Rede nicht auf die anderen ein, sondern mit ihnen. Zeige Reaktionen mit deiner Stimme und deinem Gesicht.

Denke auch daran: Jeder kann dich auf Full Screen schalten . . . um deine Falten zu scannen oder die Bücherwand hinter dir. Falls deine Worte langweilen, wirst du es den anderen ansehen, denn sie fangen an zu tippen oder lesen in einem anderen Fenster. Nutze die Interaktionsfunktionen deiner Konferenzsoft­ware, zum Beispiel Handheben, Miniumfrage oder den Chat.

Und zum Schluss: Teste alle deine Einstellungen mit einer Freundin oder einem Freund.

 

 

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