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New European Bauhaus: Das Europa von morgen – und für alle!

Die von Ursula von der Leyen angestoßene Initiative New European Bauhaus ist offiziell gestartet. Sie wird weitgehend begrüßt – doch es gibt auch Kritik …

New European Bauhaus
llustration: https://europa.eu/new-european-bauhaus/index_de

Im Okto­ber 2020 veröffentlichte die Präsiden­tin der Europäischen Kommission Ur­sula von der Leyen einen Artikel in der »FAZ«, der die Kreativbranche aufhor­chen ließ: Sie forderte darin ein »neues Europäisches Bauhaus«. Nach dem histori­schen Vorbild soll es als interdisziplinäre und co­-kreative Bewegung Ideen und Projekte für ein nachhaltiges Europa im Sinne des Green Deals hervorbringen. Es soll zur Schnittstelle von Kunst, Kul­tur, sozialer Inklusion, Wissenschaft und Technologie werden, Design und Nachhaltigkeit in Einklang bringen und die EU zum Vorreiter der Kreislaufwirt­schaft machen.

Am 28. Januar startete die Initiative offiziell. Auf der Website https://europa.eu/new-­european­-bauhaus kann man sich informieren sowie Ideen, Heraus­forderungen und beispielhafte Pro­jekte einreichen. Ziel ist es, in einem ersten Schritt im offenen Dialog den Hauptfokus der Bewegung herauszu­kristallisieren. Im Frühjahr will die EU erste wegweisende Projekte im Rah­men eines New European Bauhaus Prize auszeichnen. Im Herbst folgt dann ein Bewerbungsaufruf für die ersten fünf Pilotprojekte in verschie­denen Mitgliedsstaaten.

Der Vorstoß wird in der Kultur­ und Kreativbranche weitestgehend begrüßt. Allerdings regt sich auch Kritik – und zwar an der Begrifflichkeit. Die Be­zeichnung »neues Europäisches Bau­haus« mag zwar eingängig sein und Assoziationen von Interdisziplinarität und Modernismus hervorrufen. Sie ist allerdings auch stark westlich ge­prägt und eurozentrisch – und damit exklusiv, so die Kritiker. Die histori­sche Anleihe ziehe einen Ratten­ schwanz an Verknüpfungen mit kolo­nialer Ausbeutung und industriellem Kapitalismus nach sich, heißt es in einem von der Jan van Eyck Academy initiierten offenen Brief, den bereits zahlreiche Menschen aus unterschied­lichen Staaten unterzeichnet haben. Die Ziele der Bewegung seien durchaus erstre­benswert und dringend, doch wünsche man sich eine Diskussion über einen alternativen Namen, der die Vielzahl an Stimmen und historischen Pers­pektiven besser zum Ausdruck bringt. Einen Vorschlag machen die Verfasser leider nicht.

So oder so: Erste Institutionen ha­ben sich für das Förderprogramm be­reits in Stellung gebracht. Geradezu prädestiniert ist natürlich die Bauhaus­ Universität Weimar, die schon im De­zember verkündet hat, sich an der Aus­schreibung zu beteiligen. Gemeinsam mit thüringischen, bundesweiten und internationalen Partnerinstitutionen will sie ein »inhaltlich breit gefächer­tes Konzept« entwickeln. »Die Initia­tive der Kommissionspräsidentin von der Leyen hat uns alle elektrisiert«, so Professor Dr. Winfried Speitkamp, Präsident der Bauhaus­-Universität Wei­mar. »Sie passt nicht nur genau auf unser Fächerprofil, sie bezieht auch unsere Kompetenzen bei der Ausbil­dung von Studierenden mit ein und fordert uns ausdrücklich auf, die re­levanten Fragen der Gegenwart aktiv anzugehen. Wir sind bereit, die He­rausforderung anzunehmen und un­sere gemeinsame, geteilte Zukunft zu gestalten.«

Wir sind gespannt, wel­che wegweisenden Projekte das New European Bauhaus zutage bringen, unterstützen und anstoßen wird – und unter welchem Namen.

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Na klar ist diese initiative grundsätzlich ein politikum , da initiiert von einer kritisch zu beurteilenden eu kommission . Aber interdisziplinär , interagierende ideenentwicklung für die das bauhaus prägend war ist ein guter, unterstützenswerter ansatz . Extrem wichtige kolonialismuskritik und einzelthemen können über die eingereichten projekte inhaltlich gewürdigt werden .
    Ebenso inhaltlich spiegeln können sich anti imperialistische/kapitalistische themen , durch die öffentlichkeit , die soe erreichen werden .

    Ein neo bauhaus in kinshasa oder nairobi oder dschibouty wäre auch lustig , oder ein projekt.
    Biogasanlagen im kenianischen bergland , die kindern erlauben die schule zu besuchen , da sie von der holzbeschaffung ausgenommen sind , bedürfen einer industrie/engineering gestaltung .

    Der diskurs welchen anteil das bauhaus mit der bedeutungsanreicherung des industriedesign/architektur an der entwicklung des industriellien kapitalismus, konsumwahn oä hat. Ist sicherlich sehr spannend . Industrieprodukte im sinne der nachhaltigkeit , zeitlose formensprache sind produkte die eben nicht zum repetitiven konsum herhalten , sondern für mögliche tauschkreisläufe , von daher schon nachhaltig und ressourcenschonend angelegt.
    Die kritik der jve academy , nun, da die alternative namens idee fehlt : meint möglicherweise die umbenennung in #new european JvE prize.

  2. Da haben sie sich viel vorgenommen.. Utopia lässt grüssen. der Name ist goldrichtig, die Gegenströmung hat sich wohl nicht richtig informiert udn kritisieren und keinen Vorschlag amchen-geht ja gar nicht.

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