Designer, aufgepasst! So sieht der Berufsalltag wirklich aus

Viele Design-Berufseinsteiger haben falsche Vorstellungen vom kreativen Arbeitsalltag. Zeit für einen Realitätscheck!



Ob Schüler, Auszubildende oder Studierende – jeder hat eine bestimmte Vorstellung von seinem Traumjob in der Kreativbranche. Aber stimmt dieses Bild mit der Realität überein? Je nachdem, wie praxisorientiert ein Studium ist (Azubis haben hier meist einen Vorteil), kann es beim ersten Job zu einem bösen Erwachen kommen. Das Alltagsgeschäft ist nicht so kreativ wie gedacht, die Strukturen eingefahrener als erwartet, die Deadlines kürzer als befürchtet und die Arbeitszeiten . . . nun ja. Besser also, man hat schon mal eine konkrete Idee davon, was einen erwartet – und wie man sich darauf vorbereiten kann.

Erfahrungen sammeln

Der Königsweg ist und bleibt ein Praktikum, am besten sechs Monate lang und während des Studiums. So bekommt man einen guten Eindruck von der Arbeitswelt und knüpft erste Kontakte. Als Praktikant ist man zwar nicht voll eingespannt, erlebt aber den Zeit- und Budgetdruck, unter dem Agenturen stehen, schon mal mit. »Konnte man im Studium ein Thema über ein ganzes Semester bearbeiten, bleiben in der Praxis manchmal nur wenige Wochen«, erklärt Julian Hrankov, seit Ende 2015 Designer bei MetaDesign in Berlin. »Im Berufsalltag muss man ein Gespür dafür entwickeln, was in welchem Zeitrahmen machbar ist, damit ein Projekt wirtschaftlich bleibt.«

»Im Berufsalltag muss man ein Gespür dafür entwickeln, was in welchem Zeitrahmen machbar ist, damit ein Projekt wirtschaftlich bleibt«

Leider ist die Zahl an Praktikumsstellen wegen des Mindestlohns extrem gesunken. Nur Pflichtpraktika sind davon ausgeschlossen, die aber nicht in jedem Bachelorstudium vorgesehen sind. Studierende müssen dafür eventuell ein Urlaubssemester einlegen oder andere Lösungen finden, wie Sonder-Vereinbarungen mit der Agentur. Eine exzellente Möglichkeit ist eine Werkstudentenstelle, bei der man neben dem Studium eine bestimmte Anzahl von Stunden in einer Agentur arbeitet. Dabei bekommt man meist einen noch besseren Einblick, da das Engagement längerfristig ist und man stärker in die Abläufe eingebunden wird.

An vielen Hochschulen gibt es auch Kooperationsprojekte mit Unternehmen, wie sie etwa Professor Stefan Wölwer an der HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen regelmäßig mit Partnern wie Volkswagen und Fjord Design anbietet. Hier können Studenten ausprobieren, wie man sich realen beziehungsweise realistischen Problemen und Briefings nähert. Noch »echter« arbeitet Professor Wolfgang Sasse an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel mit seinen Masterstudenten. In seinem Projektbüro arbeiten sie an realen Anliegen aus Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft – auch für reale Kunden, die nach Absprache eine finanzielle Anerkennung für den Mehrwert zahlen. »In kleinen Teams spielen die Studierenden quasi Agentur und haben so die Möglichkeit, verschiedene Rollen zu testen und zu sehen, welche ihnen in die sem Gefüge am besten liegt«, erklärt Wolfgang Sasse.

Eine Ausbildung ist zwar wesentlich praxisorientierter als ein Studium, aber die Berufsschulen hinken der Realität teilweise hinterher. Statt Kundengespräche zu üben, füllen die angehenden Designer Lückentexte aus oder lernen Korrekturzeichen auswendig – wenig nützlich, meint Larina Lienenbecker, die gerade eine Ausbildung zur Mediengestalterin absolviert. Hier hilft der Austausch mit Mitschülern oder Kollegen beim ausbildenden Unternehmen. Das gilt auch für die Hard Skills: »Die Lehrer kennen sich zwar mit den Programmen aus, arbeiten aber nicht täglich damit und haben daher begrenzte Fähigkeiten. Einiges haben wir Schüler uns untereinander beigebracht, vor allem kleine Softwarekniffe«, berichtet Vanessa Janich, Mediengestalterin in einer Firma in Oldenburg.

Eigenititive ergreifen, Soft Skills trainieren, richtig vorbereiten – diese und mehr Tipps sowie zahlreiche Erfahrungsberichte lesen Sie in PAGE 01.2018. Hier geht’s zum Shop.

 

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3 Kommentare


  1. Roland Scheil

    Unter »Realitäts-Check« stelle ich mir doch etwas anderes vor … »Ich mach mal was mit Medien« ist ja schon seit vielen Jahren der explizite »Berufswunsch« vieler junger Leute. Was ihnen aber keiner sagt, ist, dass in der Design- und Medienbranche seit ebenso vielen Jahren oftmals prekäre Verhältnisse anzutreffen sind. Waren z. B. ausgebildete Kommunikationsdesigner vor einem viertel Jahrhundert noch händeringend gesuchte Fachkräfte, die direkt von der FH weg engagiert wurden, gibt es heute ein enormes Überangebot an hoffnungsvollen Nachwuchskräften mit guter Ausbildung und kreativem Potenzial. Diese werden dann häufig in Agenturen als billige Arbeitskräfte verheizt oder fristen ihr Dasein als unterbeschäftigte Freiberufler nahe am Existenzminimum. Das ist die Realität!


  2. Nina Kirst

    Hallo Michael,

    vielen Dank für deine Kritik. Uns würde interessieren, was dich genau an dem Artikel stört und was du als Schlag ins Gesicht empfindest. Hast du nur diesen Teaser oder den kompletten Artikel gelesen?
    Wir freuen uns über Rückmeldung!

    PAGE Redaktion


  3. Michael

    Euer Artikel ist eine Frechheit und ein Schlag ins Gesicht eines jeden Designers. Für mich hat eure Zeitschrift nur wenig mit Journalismus um so mehr aber mit Lobbyismus zu tun. PAGE ist ein Sprachrohr der Agenturen, das Geld spart man sich besser.


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