PAGE online
Produkt: PAGE 02.2020
PAGE 02.2020
Fotografie: Comeback in Kommunikation, Branding und UX Design ++ Behavioural Design: Wie wir mit Design Verhalten gezielt verändern können ++ Vegan drucken – so geht’s ++ Creative Coding für Designer ++ Framing als Kreativmethode ++ Dos & Don’ts: Mit UX an die Spitze ++ John Maeda im Interview

Sperrmüll, 1983

 

Für kreative junge Leute mit wenig Geld war der Sperrmüll, den man in Hamburg früher an die Straße stellte, ein Paradies. Dann wurde diese anarchische Form von Recycling und Eigentumsumverteilung verboten. Ein Fotoband von Thomas Henning blickt zurück. 

 

Für kreative junge Leute mit wenig Geld war der Sperrmüll, den man in Hamburg früher an die Straße stellte, ein Paradies. Dann wurde diese anarchische Form von Recycling und Eigentumsumverteilung verboten. Ein Fotoband von Thomas Henning blickt zurück. 

Der Junius-Verlag hat nicht nur das hier gerade vorgestellte, reizende Buch mit Postkarten aus Hamburg veröffentlicht, sondern auch einen Rückblick auf die für alle, die sie miterlebt haben, unvergeßlichen Sperrmüll-Tage der achtziger Jahre. Was man da alles auf der Straße finden konnte! Es war wie Weihnachten. Und es war sehr kommunikativ, brachte Menschen verschiedenster Altersstufen und sozialer Hintergründe zusammen. Man kannte Sperrmüll-Experten, die ihre Wohngemeinschaften mit den unglaublichsten Fundstücken ausgestattet hatten. 

Thomas Henning, dessen Fotobände »Schanze, 1980« und »Straßenfotos. Hamburg um 1975« wir schon vorgestellt haben, legt nun ein Buch über den Sperrmüll-Rausch der achtziger Jahre vor. Wir zitieren daraus einen schönen Text von Diedrich Diederichsen, der ursprünglich in der linken Postille »konkret« erschien: 

 

»Sperrmüll war ein Termin, an dem die Ordnung der bürgerlichen, diesseitigen Welt außer Kraft gesetzt wurde. Für die Hamburger Verwaltung muss es jedenfalls bedrohlich ausgesehen haben. Denn die für die Abschaffung vorgegebenen Kosten- und Rationalitätsgründe überzeugten nicht einmal die Leserbriefschreiber von Springers Abendblatt. Der Strassensperrmüll bedeutet vor allem die Aufhebung des Eigentumsbegriffs. Was auf der Straße lag, gehörte allen, ›Mein und Dein‹ war außer Kraft. Alles darf angefasst, begrabbelt, auch auseinandergenommen, zerlegt und kaputtgemacht werden. Kein Besitzer ist da, der sein Eigentum schützt oder seine Ware gegen Geld tauschen will. Die Dinge, die da in unförmigen planlosen Haufen liegen, stecken, zwischen anderen Dingen klemmen, sind plötzlich aus der Warenwelt herausgefallen, kennen keinen Eigentümer, Hersteller oder Käufer mehr, sind wie nichts, ohne Referenz. Und doch sind sie ganz massiv materiell vorhanden. Sie sind wie die Menschen, die sie befingern und aufheben, eine Randgruppe, eine Randgruppe der Dingwelt. Waren-Zombies.«

Diedrich Diederichsen, konkret 10/83

 

 

 

Thomas Henning

Sperrmüll, 1983. Hamburgs letzte Abfuhr

Mit einem Text von Diedrich Diederichsen

112 Seiten mit ca. 100 Farbabb.

Hardcover, 17,6 x 26 cm

19,90 Euro

ISBN 978-3-88506-042-0

 

 

 

 

 

 

Produkt: PAGE 02.2020
PAGE 02.2020
Fotografie: Comeback in Kommunikation, Branding und UX Design ++ Behavioural Design: Wie wir mit Design Verhalten gezielt verändern können ++ Vegan drucken – so geht’s ++ Creative Coding für Designer ++ Framing als Kreativmethode ++ Dos & Don’ts: Mit UX an die Spitze ++ John Maeda im Interview

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren