Himmlisch: Spielfilmanimationen von SFA

Zeichnungen als Schnittstelle zwischen Realität und Traum: Das Büro SFA hat an dem Spielfilm »Finn und der Weg zum Himmel« mitgearbeitet.



Toll, wenn man solche komplexen Aufträge bekommt. Für die Spielfilmproduktion »Finn und der Weg zum Himmel« entwickelte das Hamburger Animationsbüro SFA (hier im PAGE Porträt) nicht nur das animierte Titeldesign, sondern auch Traumsequenzen und fertigten mehr als 1.000 Filzstiftzeichnungen an, die im Film von Finn gezeichnet werden. Der geistig behinderte junge Mann hat noch sechs Wochen bis zu seinem 27. Geburtstag und da sein Großvater an seinem Geburtstag gestorben ist und sein Vater auch, geht Finn davon aus, dass es ihm ähnlich ergeht …

Doch wie zeichnet ein 26-Jähriger, der sich auf dem geistigen Niveau eines 9-Jährigen befindet? Wie setzt man das um, ohne dass es nicht zu perfekt oder nicht zu bemüht wirkt?

Jon Frickey von SFA löste das Problem so, dass er als Rechtshänder mit links zeichnete, dazu wurden verschiedene Grade der Abstraktion getestet. Damit die Bilder nicht allzu kindlich wirken, sondern eher einen leicht manischen Eindruck erzeugen, hat SFA für Hintergründe wie die Berge verschiedene Muster gezeichnet, viele kleine »F«-Buchstaben ins Gras gemalt und Hausdächer mit hunderten Pfannen. Wolkenballette ziehen am Himmel entlang, ornamenthaft und wunderbar pur, dann wieder sausen Särge als Raketen gen Himmel und über dem Kopf von Gott tanzt ein Heiligenschein.

 

Besonders ist auch, dass die Zeichnungen Finns im Film als Schnittstelle zwischen der realen Welt und Finns Traumwelt dienen, sie in Bewegung geraten und dabei jedoch von realen Figuren handeln, die im Film mitspielen.

 

Damit die Mundbewegungen der animierten Figuren mit den Dialogen von Schauspielern wie Herbert Feuerstein oder Heio von Stetten übereinstimmen und – trotz der phantastischen Traumvisionen – eine Glaubwürdigkeit und Präsenz haben, wurden sie in einem Geräuschemacherstudio eingesprochen. Und zwar in den Situationen, wie sie in den Animationen zu sehen sind. In Szenen, in denen beim Laufen gesprochen wird, taten das auch die Schauspieler im Aufnahmestudio oder nahmen, wie Feuerstein als Gott, hinter einem Schreibtisch Platz.

 

Um den Filzstift-Look von Finns Zeichnungen auf die bewegten Bilder zu übertragen, wurden sie mit Hilfe eines Cintiqs simuliert und anschließend mit After Effects animiert. Die Trickfilmtechnik ist eine Kombination aus Phasenanimation und Legetrick.

 

 



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