Fotolia macht in einem Jahr endgültig dicht, Adobe Stock übernimmt

Welche Vorteile bringt das den Stockfotonutzern? Interview mit Murat Erimel, Head of Marketing Adobe Stock



Im Januar 2015 kaufte Adobe die beliebte Bildagentur Fotolia auf und integrierte deren Datenbank in Adobe Stock. Die Fotolia-Website besteht seither parallel weiter. Im November 2019 soll sie nun definitiv geschlossen werden, das gesamte Bildgeschäft wird danach über Adobe Stock abgewickelt. Für manche Fotolia-Fans ein trauriger Abschied. Aber auch Kunden, die nicht mit Creative Cloud arbeiten und dann direkt über Adobe Stock Bilder erwerben, werden von den Vorteilen des neuen Angebots profitieren. Wie das geht, erklärt im Interview der sympathische Murat Erimel. Er ist langjähriger Head of Marketing Fotolia und seit 2015 in gleicher Funktion im deutschsprachigen Raum auch bei Adobe Stock.

 

Das Verschwinden einer der beliebtesten Bildagenturmarken werden viele Fotolia-Nutzer sicher bedauern. Was erwartet die Kunden, die zu Adobe Stock wechseln?

Murat Erimel: Die größten Vorteile haben natürlich User von Creative Cloud. Die Integration der Stockmedien in Programme wie Photoshop, InDesign oder Premiere Pro und After Effects erlaubt zum Beispiel das vernetzte Arbeiten per Bibliothek oder die Bearbeitung hochaufgelöster Vorschaubilder und -videos – um diese dann auf Wunsch einfach auf Knopfdruck mit Dateien ohne Wasserzeichen auszutauschen. Aber auch für alle, die keine Adobe-Programme nutzen, hat Adobe Stock Vorzüge gegenüber Fotolia.

Als da wären?

Insbesondere die künstliche Intelligenz, mit der die Suchfunktion ausgestattet ist. Sie arbeitet nicht nur mit Keywords, sondern bei der Rückwärtssuche auch mit Bilderkennung. Das führt zu viel relevanteren Suchergebnissen. Wer beispielsweise als Suchwort »See« eingibt, bekommt keine Enten oder Flamingos angezeigt, nur weil der Fotograf solche Bilder mit »See« verschlagwortet hat. Außerdem besitzt Adobe Stock neben den ästhetischen Filtern wie etwa Tiefenschärfe eine smarte Ähnlichkeitssuche, bei der sich weitere diverse Filter wie Inhalt, Farbe und Komposition anwenden lassen. Technische Innovationen, wie man sie so bei keinem anderen Anbieter findet.

Unterscheidet sich auch das Bildmaterial?

Tatsächlich soll Adobe Stock nicht bloß eine weitere Bildagentur im Netz sein, sondern ein umfassender Marktplatz, wo Kreative alles finden, was sie für ihren Produktionsprozess brauchen. Es gibt also etwa auch Templates für Adobe-Programme, animierte Grafiken als Vorlagen für Premiere Pro oder Modelle, Lichter und Materialien für 3D.

Wie sieht es mit der Qualität aus?

Dadurch, dass die Adobe Stock-User ja selbst auch Produzenten von kreativen Assets sind, haben viele interessante neue Anbieter zu uns gefunden. Außerdem haben wir eine Premium-Collection eingerichtet, für die wir unter anderem exklusiv die Agentur Stocksy als Partner gewinnen konnten. Wir arbeiten aber auch mit hochkarätigen einzelnen Fotografen und Illustratoren zusammen, die Fotolia nie hätte gewinnen können – da brauchte es einen Namen wie Adobe.

Wie läuft ganz praktisch für die Kunden der Übergang zu Adobe Stock?

Bei Fotolia sind Credits oder Abos mit Downloads ein Jahr lang gültig. Deshalb haben wir am 5. November dieses Jahres angekündigt, dass ab 5. November 2019 Fotolia endgültig eingestellt wird. Der Account lässt sich auf Knopfdruck synchronisieren, nur bei individuellen Firmenlösungen müssen wir manuell umstellen. Genau wie bei Fotolia gibt es auch bei Adobe Stock Abos und Credits. Die Abonnements sind vom Preis her identisch, aber mit besseren Konditionen: Es gibt keine Download-Tageslimits mehr, die verfallen, wenn man sie nicht nutzt. Bei den Credits haben wir die Preise und das Lizenzierungsmodell vereinfacht und dadurch den Gegenwert erhöht. Es gibt einen Einheitspreis von maximal acht Euro und nur noch hochaufgelöste Dateien. Die günstigere kleinere Auflösung findet man nicht mehr, dafür sind die Hi-Res-Dateien preiswerter, da alle Stockmedien der Standard-Kollektion zum Einheitspreis angeboten werden und nicht mehr in drei Preisstufen.

Und wie funktioniert die Umrechnung der Fotolia-Credits?

Hier ist auf Seiten der Käufer zunächst noch zwischen Credits und Downloads zu unterscheiden. So erhalten Nutzer von Credits im Rahmen des Migrationsangebots ein Adobe Stock-Credit für jeweils 5 Fotolia-Credits. Die Gesamtzahl der Adobe Stock-Credits, die der Nutzer erhält, wird dann auf die nächste ganze Zahl aufgerundet. Im Falle der Nutzung von Abo-Downloads mit Monatskontingenten erhalten Käufer zwei Adobe Stock-Downloads für jeden Fotolia-Download, den Sie im Rahmen des Migrationsangebots übertragen. In beiden Fällen, Credits oder Downloads, erhalten die Kunden also mehr Guthaben. Unsere Nutzungsbedingungen für die Fotolia-Übertragung und -Migration erklären Umrechnung, Gültigkeit und Berechtigung noch einmal genau.

 


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