Bienenbüttel illustriert

Wie sieht es eigentlich aus in Bienenbüttel, dem friedlichen Örtchen in der Lüneburger Heide, dem Ehec zweifelhafte Berühmtheit brachte? Illustratorin Claire Lenkova verrät, wie sie im Auftrag der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» ihre Vision der Biobauerngemeinde entwickelte.



Wie sieht es eigentlich aus in Bienenbüttel, dem friedlichen Örtchen in der Lüneburger Heide, dem Ehec zweifelhafte Berühmtheit brachte? Illustratorin Claire Lenkova verrät, wie sie im Auftrag der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» ihre Vision der Biobauerngemeinde entwickelte.

Als wir vor kurzem über die neue Ausgabe der Illustratorinnen-Magazins »Spring« berichteten, erzählte uns Claire Lenkova von einer Illustration, die sie letzte Woche zum Artikel »Geschichten aus Bienenbüttel« von Michael Martens anfertigte. Es ist nicht ihre erste Arbeit für die »F.A.S.«: Ob Comics, die oft zusammen mit Autor Jan-Frederik Bandel entstehen, oder Illustrationen zu Themen aus Politik und Gesellschaft: die in Hamburg lebende Illustratorin zeichnet regelmässig für die »F.A.S.«. Hier gibt die Zeichnerin selbst einen Einblick in den Arbeitsprozess.

»Mittwochnacht las ich die Mail, dass ich Bienenbüttel als eine Art ›Bienenhausen‹ zeichnen soll: das Ortsschild sollte vorkommen, alle Bewohner Bienen sein. Das wünschte sich Volker Zastrow, verantwortlich für den Politikteil der FAS, von dem ich immer die Aufträge bekomme.

Weitere Stichpunkte waren: Pferdemörder, Bauern, die besoffen Traktor fahren, vor der Arbeit noch einen trinken, Bauer beim Bankberater. Ich schlug am Donnerstag ein Wimmelbild vor, das wurde angenommen. Ich hab dann geguckt, wie Bienenbüttel von oben aussieht und mir einzelne Gebäude, dann zig Bienen, Hummeln usw. angeschaut und Berichte über Ehec gelesen. Recherche halt.

Die Komposition stammt von Hieronymus Bosch, dem Maler aus dem 16. Jahrhundert: ›Der dritte Schöpfungstag‹ aus ›Das Tausendjährige Reich‹, die Außenflügel eines Altars. Den dicken Bosch-Wälzer hat mir glücklicherweise Jan-Frederik in die Hand gedrückt, und ich wollte mich lediglich bei der Farbgebung daran orientieren. Beim Blättern sah ich das Bild von der Erdscheibe in der durchsichtigen Kugel, auf die ein kleiner Gott schaut. Mir war sofort klar, dass das perfekt für die Illu sein könnte.

Ich bin dann zeichnend von diesem traurigen Kreisverkehr hier ausgegangen http://www.panoramio.com/photo/15470775, hab die Straßen gezeichnet, das Rathaus, die alte Vogtei und die Kirche den echten Gebäuden nachempfunden, falls es FAS-Leser in Bienenbüttel gibt oder einfach zu meinem Vergnügen 🙂 Denn es dauert echt total lange, beispielsweise das Fachwerk zu zeichnen. Ich wollte aber nicht irgendwelche Hütten. Der dunkle Käfer ist ein Mistkäfer, die Bewohner Bienen und Hummeln, die Käfer Zugezogene oder Urlauber. All das muss man aber nicht bemerken, Hauptsache, die Illu funktioniert, unterhält, schmückt … und wer das Bild von Bosch erkennt, gut! Wer den Käfer als Störenfried empfindet – auch gut! Wer sagt, oh, das ist doch das Rathaus in B. – ebenfalls gut! 

Ich hab am Sonntag den Text gelesen – mir scheint, dass er denselben Humor hat wie die Zeichnung und dass das also eine wirklich gute Kombination geworden ist. Dass das so klappt, leitet Herr Zastrow in die Wege. Ich finde es sehr erfrischend, dass die FAS so viele Illustrationen hat. Ich glaube, das hat keine andere Zeitung.«

Unten können Sie das Bienenbüttel-Wimmelbild nochmal im Detail angucken – und einen Comic von Claire Lenkova lesen. 


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