Kein Wunder, denn in den Punkten Scheinselbstständigkeit oder Altersvorsorge hat sich bislang wenig bewegt. Dabei könnten Freie viel stärker die Wirtschaft mit ankurbeln. Die Politik muss dafür aber mehr supporten und eine sichere Basis schaffen.

Eigentlich könnten Freelancer:innen dazu beitragen, Innovationssprünge zu pushen. Das würde auch der gesamten Wirtschaft zugutekommen. Es scheint so, als ob hier Potenzial brachliegt – und das aufgrund von politisch gesetzten Rahmenbedingungen.
Die Problematik, dass sich Freelancer:innen auf dem deutschen Arbeitsmarkt von der Politik alleine gelassen fühlen, trifft stark auf die Kreativbranche zu.
Ein Blick auf allgemeine (über alle Branchen hinweg) Freelance-Zahlen verrät, dass 62 % den Punkt der Scheinselbstständigkeit als größtes rechtliches Defizit sehen. Es folgen Steuerrecht, fehlende Interessensvertretung und die Altersvorsorge. Viele fühlen sich durch bürokratische Hürden ausgebremst.
Selbständigkeit: Sichere Basis fehlt
Zudem sehen 76 % fehlende politische Rahmenbedingungen als Problem an und 80 % würden nach Eintritt des Rentenalters weiter arbeiten. Das sagt das Politikbarometer aus dem Freelancer-Kompass von freelancermap in diesem Jahr. Der Trend zeichnet sich auch in der aktuellen Freelancer-Studie von freelance.de, denn dort gaben 71 % an, dass sie mit der politischen Unterstützung unzufrieden sind.
Also: Eine sichere Basis fehlt hierzulande. Die Folge: Selbstständige struggeln, die Wirtschaft kann aus ungenutzten Kräften und Ideen auch nicht profitieren.
Im Freelancer-Kompass wird zudem sehr deutlich, dass das Thema Scheinselbstständigkeit über alle Branchen hinweg das heißeste Thema ist, die Angst davor ist groß, obwohl die wenigsten bislang von einer Prüfung betroffen waren.
PAGE liegen dazu Daten vor, die ausschließlich Kreativdienste betreffen. Hier zeichnet sich das Bild ein wenig anders. Hier gaben die Hälfte der Befragten an, dass sie den Punkt der Altersvorsorge als größtes rechtliches Defizit sehen, gefolgt von Steuerrecht sowie fehlender Interessensvertretung. Und dann kommt erst das Thema Scheinselbstständigkeit.
Das mag daran liegen, dass die meisten laut Daten bisher weder von einer Prüfung betroffen waren, noch Projekte aufgrund von Scheinselbstständigkeit ablehnen mussten. 65 % finden, dass die Politik nicht die richtigen Rahmenbedingungen für Freie schafft. Die höchsten Belastungen liegen bei der Steuererklärung und Buchhaltung.
Mehr als die Hälfte machen sich Sorgen um ihre finanzielle Lage im Rentenalter, was auch zur Angabe passt, dass über alle Branchen hinweg und in der Kreativbranche selbst so viele Freie nach Eintritt des Rentenalters weiterarbeiten würden.
Freiberufler:innen: Wie sieht die Zukunft aus?
Aktuell dürfte sich die finanzielle Situation vieler Freiberufler:innen aufgrund politischer Weltgeschehnisse weiter verschärfen. Vor allem, was die Auftragslage angeht. Den meisten machen politische Unsicherheiten dahingehend Angst.
»Wir Soloselbstständigen sind kein nettes Extra am Rand! Wir sind ein aktiver Teil der Wirtschaft! Es wird Zeit, dass unsere Arbeit die gleiche Wertschätzung und Sicherheit erfährt wie die eines Angestellten.«
(Quelle: Antwort Freelancer:in, Freelancer-Kompass, Daten aus gesonderter Befragung Kreativbranche)
Mehr Support für freie Kreative
Es zeichnet sich mehr und mehr ein frustriertes Bild. Dem ließe sich mit besserem Support seitens der Politik entgegenwirken.
Dr. Andreas Lutz, Vorstandsvorsitzender VGSD e.V., appelliert in der Freelancer-Studie (freelance.de):
»Die Regierung braucht endlich eine Strategie für Solo- und Kleinstunternehmen. Sie dürfen bei Vergünstigungen und Versicherungsleistungen nicht systematisch benachteiligt werden und ihre Beiträge dürfen nicht höher sein als die von Arbeitgebern und -nehmern zusammen.«
Zum Thema Scheinselbstständigkeit schlägt er eine »Definition von Selbstständigkeit mit Positivkriterien« vor. Bei Vorliegen würde es gar nicht erst zu einem Statusfeststellungsverfahren kommen. Er wünscht sich, dass der Gesetzgeber »Selbstständige als Ganzes« sieht, nicht nur per Auftrag. Und Kriterien dürften nicht verschoben werden, rückwirkende Beitragszahlungen dürfen nicht vorkommen.
Außerdem gibt es Verbände wie die Allianz deutscher Designer (AGD) oder der BDG (Berufsverband Kommunikationsdesign), die sich für diese Themen starkmachen. Oft ist die Politik auf Landesebene greifbarer; wer sich informieren und/oder aktiver werden möchte, sucht nach den jeweiligen Landesverbänden. Und der VGSD (Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland) leistet viel Lobbyarbeit für Solo-Selbstständige in Deutschland.
Wer sich mal eben schnell über die wichtigsten Punkte informieren möchte, liest sich das Survival-Kit für Freie durch.