Was Designer über sich erzählen sollten (AGD)

Wie man sich als Designer auf seiner Website am besten positioniert und am effektivsten zeigt, was man kann, erklärt Andreas Maxbauer, Referent bei der Allianz Deutscher Designer (AGD).



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Wollen sich potenzielle Kunden auf den Websites von Designbüros über ihre künftigen Gestalter informieren, so erfahren sie dort oftmals nichts Hilfreiches. Viele der Seiten enthalten Abhandlungen zur »Philosophie« des Designbüros, auch gibt es aussagefreie Symbolbilder. Mit der Abbildung eigener Arbeiten hingegen tun sich Designer oft schwer, lieber zeigen sie Kundenlisten. Mitunter entsteht das Gefühl, dass die Seiten eher andeuten und verbergen als zu werben.

Das ist insofern kurios, weil wir eine der Hauptaufgaben besonders gut erledigen, nämlich unsere Kunden mittels unserer Arbeit wirkungsvoll zu positionieren und zu profilieren. Wir haben also zweifelsohne die notwendige Kompetenz – wenden sie aber zu wenig auf uns selber an. Das aber ist fatal: Denn wie soll sich jemand für einen Designer entscheiden, wenn er nicht einmal weiß, was der für ihn leisten kann?

Was diese mögliche Entscheidung für ein Designbüro besonders erschwert, ist, dass dessen Schwerpunkte nicht erkennbar sind und ob seine Leistungen zur anstehenden Aufgabe passen. Designer sind in diesem Punkt ihrer Selbstdarstellung häufig bewusst sehr zurückhaltend, weil sie befürchten, einen Auftrag zu verpassen, wenn sie zu klein und nicht breit genug aufgestellt wirken. Die Folge aber ist, dass die Leistungsspektren der Designbüros für einen Außenstehenden nicht sichtbar sind oder recht ähnlich wirken.

Weniger bringt mehr
Nun lautet eine der Grundregeln der Marktwirtschaft, dass eine große Menge gleicher Waren oder Dienstleistungen deren Preise senken. Das liegt zum einen daran, dass alles, das im Übermaß vorhanden ist einen geringen Marktwert hat, zum anderen daran – und hier kommt wieder die Außendarstellung von Designbüros ins Spiel – , dass ein Kunde bei nicht unterscheidbaren Leistungen den Preis als Entscheidungskriterium heranzieht. Er senkt sein Risiko einer möglichen Fehlentscheidung dadurch, dass er einen billigeren Anbieter beauftragt.

Diese Grundregel der Marktwirtschaft bedeutet im Umkehrschluss auch, dass seltenere Waren oder Dienstleistungen einen hohen Marktwert haben – so sie nachgefragt werden natürlich. Deshalb können Designerinnen und Designer mit einer interessanten, nicht überall verfügbaren Spezialisierung oftmals höhere Vergütungen erzielen.

Diese Spezialisierung muss sich nicht auf rein grafische Fertigkeiten und Kenntnisse beziehen wie etwa Graphic Recording, Tablet Publishing oder einen besonderen Stil. Genauso förderlich, eventuell sogar noch wichtiger als technische Fertigkeiten, sind tiefere Kenntnisse in einer für den Kunden relevanten Branche oder Zielgruppe. Es ist übrigens gar nicht so entscheidend auf welchem Gebiet man Spezialist ist. Die Tatsache überhaupt spezialisiert zu sein ist ebenso wichtig, denn einem Spezialisierten traut man grundsätzlich mehr als einem Generalisten zu – er nimmt die kleineren Aufträge gleich mit.

Zu einer Selbstdarstellung gehören auch weiche Faktoren, etwa weitere für den Beruf förderliche Interessen, persönliche Eigenschaften oder der fachliche Ruf in der Branche. Es ist gut, sich von Zeit zu Zeit selbst zu fragen, was dazu geführt hat, dass die vorhandenen Kunden zu Stammkunden wurden. Ist es der besondere Stil, sind es die Zuverlässigkeit, die hohe Beratungskompetenz, sind es Perfektion oder initiatives Handeln? Solche Eigenschaften müssen auf der Website erkennbar werden, denn andere mögliche Auftraggeber werden sich vermutlich ebenfalls davon angesprochen fühlen. Auch designerische Fachkompetenz sollte dokumentiert werden, zum Beispiel durch einen Hinweis auf Lehraufträge, auf Aktivitäten im Berufsverband oder einem Fachforum, ebenso ist der Hinweis auf Fachpublikationen und Ausstellungen höchst sinnvoll.

Um sich gezielter zu präsentieren ist es auch möglich, alles Relevante und die aktuellen Arbeiten zusätzlich in einer PDF-Datei zusammenzustellen und zum Download bereitzustellen. Das erlaubt auch Differenzierungen nach Kundengruppen: Wer schwerpunktmäßig für unterschiedliche Branchen arbeitet, stellt eben mehrere spezifische Profile auf seine Website.

Zeigen was man kann
Im Unterschied zu den meisten anderen freien Berufen haben wir etwas zu zeigen und das sollten wir auch tun. Die allenthalben anzutreffenden Stockfotos von glücklichen Geschäftspartnern oder Blumen auf dem Empfangstresen, sowie Aufnahmen von iMacs in einem hellerleuchteten Räumen und aus unterschiedlichen Perspektiven sind nicht wirklich das, was einem Interessenten zum Kunden macht.

Viel entscheidender sind die eigenen Arbeiten, idealerweise schafft eine kurze Erklärung zum Kunden, zum Auftrag und dem Besonderen zusätzliches Vertrauen in die Designerleistung: Wer seine Leistung nachvollziehbar erklären kann wirkt professioneller.

Und Vertrauensbildung ist das A und O jeder beginnenden Geschäftsbeziehung, deshalb sollte man auf das erste Kundengespräch ordentlich vorbereitet sein, zum Beispiel einen sichtbar vorbereiteten Fragenkatalog parat haben. Hinzu kommen eventuell noch einige Muster aus den eigenen Arbeiten, die einem nicht fachkundigen Auftraggeber zeigen, was die Designerin meint und zugleich für sie wirbt. Das Wichtigste aber ist auch hier, dass die Designer ihren Kunden erzählen, welche Vorteile sie von der Zusammenarbeit mit ihnen haben und was sie in dem speziellen Auftrag Besonderes tun und wie sie den Kunden professionell durch ein Projekt begleiten.

Das Vertrauensbildende schlechthin ist aber die Professionalität von fachlich versierten Designerinnen und Designern. Kunden müssen wissen, was ihre Designer tun, wie sie vorgehen und den Kunden durch ein Projekt führen. Es ist das, was man »Beratung« nennt, und es ist, gekoppelt mit einer soliden Auftragsbearbeitung genau die Fertigkeit, die uns von Billigheimern und Feierabendgestaltern unterscheidet. Auch davon erfahren unsere Kunden in der Regel viel zu wenig von uns.

Deshalb wird es das nächste Thema dieser Kolumne.

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