Im Gespräch: Interview mit Siggi Eggertsson

Ziemlich jung und ziemlich gut: der gebürtige Isländer Siggi Eggertsson lebt und arbeitet zur Zeit in Berlin.




Siggi Eggertsson mag es bunt. Farbenfrohe abstrakte Formen kennzeichnen den Stil des 26-jährigen, den er ständig weiter entwickelt. 1984 in Island geboren, zog er mit 18 Jahren von Akureyri nach Reykjavik, um dort Grafikdesign zu studieren. Noch während des Studiums verbrachte er einen Sommer in New York und arbeitete bei der Agentur Karlssonwilker. 2005 studierte er ein Semester an der Kunsthochschule Berlin-Weissensee und beendete sein Studium in Reykjavik ein Jahr später. Schon zu dieser Zeit galt er als einer der vielversprechendsten jungen Designer – was ihn nicht weiter zu beeindrucken schien. Von Island zog er nach London, gründete dort die Agentur Big Active (www.bigactive.com) und fokussierte sich immer stärker auf die Bereiche Illustration und Typografie. Nach etwas mehr als einem Jahr war er sich sicher, dass London nicht die Stadt seiner Träume ist, er kaufte sich ein Flugticket und verbrachte den Sommer in einem kleinen isländischen Fischerdorf. Dort stellte er fest, dass von allen Städten, in denen er bisher gelebt hat, ihm Berlin am meisten fehlte. So zog er im Herbst 2008 in die deutsche Hauptstadt. Dort arbeitet er für die verschiedensten Kunden, heimst in regelmäßigen Abständen Auszeichnungen ein und realisiert außerdem jede Menge freie Projekte. So viele, dass Zeit Mangelware ist – wie man an den ganz schön kurzen Antworten auf unsere Fragen sieht.

www.siggieggertsson.com

Du konzentrierst dich auf Illustration und Typografie. Worin unterscheiden sich diese beiden Bereiche?

Eigentlich gar nicht, für mich sind sie nahezu identisch. Ich mache meine Illustrationen genauso wie meine typografischen Arbeiten.

Du hast mal gesagt: Ich versuche meine typografischen Projekte auf den nächsten Level zu heben. Was meinst du damit?

Puh, das habe ich gesagt? Wahrscheinlich meinte ich einfach, besser zu werden und noch mehr auszuprobieren.

Ist ein kommerzielles oder ein persönliches Projekt eine größere Herausforderung?

Tja, das ist schwer zu vergleichen. Bei persönlichen Projekten muss ich ja nur mit mir selbst als Chef auskommen, bei kommerziellen Jobs muss ich häufig Kompromisse machen. Beides kann ganz schön anstrengend sein.

Du hast einen enormen Output an Artworks. Ist die Arbeit dein einziges Hobby?

Sie beansprucht schon einen großen Teil meiner Zeit und ich bin echt froh, dass sie zugleich mein liebstes Hobby ist. Aber ich schaue auch gerne Dokumentarfilme, Fußball oder UFC (Ultimate Fighting Championship)-Kämpfe.

Was magst du an Berlin?

Es ist eine große europäische Stadt, mit viel Geschichte, guter Pizza und dazu noch bezahlbar. Und es ist angenehm weitläufig.

Und wie sieht es mit deinen Deutschkenntnissen aus?

Ich kann es immer noch nicht sprechen, was wirklich eine Schande ist, denn ich halte es für eine wundervolle Sprache. Sollte ich irgendwann mal die Möglichkeit haben, würde ich gerne ein paar Deutschkurse besuchen.

Hattest du in der letzten Zeit ein Lieblingsprojekt?

Ich bin ziemlich stolz auf das Video „A growing pile of work“. Es ist eine Zusammenstellung vieler meiner Projekte aus den letzten sechs Jahren. Ich finde es sehr befriedigend, sie so zusammengestellt zu sehen – auch wenn der Kampf mit den mehr als 400 darin vorkommenden Bildern mich fast um den Verstand gebracht hätte.

Ein verworfenes Magazincover. Schade, sagt Siggi Eggertsson, er hätte das Heft sofort gekauft wenn er es mit diesem Cover am Kiosk gesehen hätte


Diese Headlineschrift entstand für den Katalog der Ausstellung »Grasrót« in Reykjavik, die Arbeiten aufstrebender, junger, isländischer Künstler zeigte


Eine neue Schrift. Ihr Name: BP oblique. In Kürze bei Siggi Eggertsson erhältlich


Nach vielen Displayschriften wollte Siggi Eggertsson auch einmal eine Textschrift zeichnen. Sein Urteil: ein hartes Stück Arbeit und ganz schön langweilig


Für das »Paper Magazine« in New York sollte er das Wort Papier illustrieren


Die Schrift Bútasaumsletur ist von Patchwork-Quilts inspiriert

Der Auftrag lautete ein Poster zu gestalten, das irgendwie mit dem Monat Oktober und Typografie zu tun hat. Siggi Eggertsson schuf ein Bild in drei sich überlagernden Ebenen: Im Hintergrund das verzerrte Bild einer Landschaft, dem wiederum ein Foto zugrunde liegt, das er im Oktober auf der Insel Hrisey machte. Darüber, die Formen der Illustration nutzend, steht in großen transparenten Buchstaben der Name Oktober und im Vordergrund zecihnete er dünne weiße Lettern, die sagen, was in seinem Wörterbuch über den Oktober steht: »Der Monat nach dem September und vor dem November« – ach was


Plakat für ein Konzert der Band Johnny Sexual, in der auch Siggi Eggertssons spielt


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