Erik Spiekermann druckt Krautreporter

Krautreporter ist ein Magazin für das digitale Zeitalter. Die Mitarbeiter lieben das Internet. Trotzdem drucken sie jetzt mit Erik Spiekermann zusammen eine Zeitungsausgabe. In Handarbeit mit schwarzer und roter Druckfarbe auf einer uralten Johannisberger Schnellpresse von 1924.



Fotos: Norman Posselt

Warum sollte ein digitales Magazin das tun? Weil Digitales Publizieren und eine Druckausgabe ganz wunderbar zusammen passen. Schließlich wollte Krautreporter als Projekt die alten Medien nie ablösen, ersetzen oder zerstören. Aber sie kritisieren ihren Zustand, ihre Produktionsbedingungen und den Verlust ihrer Ideale. Sie wollen zurück zu einem Zustand, in dem Journalismus seine Versprechen halten konnte: Verstehe die Zusammenhänge!

»Wir machen im Journalismus Vieles neu, um das Alte zurückzugewinnen: Ruhe, Unabhängigkeit und Vertrauen,« sagt Krautreporter Herausgeber Sebastian Esser. »Diese professionelle Gelassenheit und handwerkliche Qualität verkörpert die tonnenschwere Johannisberger Schnellpresse von 1924, auf der vor 90 Jahren (wahrscheinlich) die Weltbühne gedruckt wurde, eines der wichtigsten Blätter der Weimarer Republik, die Zeitung Kurt Tucholskys.« 

Die Idee zur Druckausgabe stammt von Krautreporter-Mitglied Erik Spiekermann, der schon öfter zeigte, dass mit alter Drucktechnik einiges möglich ist, etwa beim Druck der Suhrkamp Bücher auf einem Original Heidelberger Zylinder (siehe dazu PAGE 7/17, Seite 78 ff.). »Die Johannisberger geht auch in den nächsten hundert Jahren nicht kaputt«, sagt er. »Das Metall hält. Aber was kaputt geht, ist das Wissen. Ich kann noch setzen und drucken, aber dieses Handwerk stirbt aus.« Gedruckt wird in der Buchdruckerei Die Lettertypen in Berlin Adlershof. Der Drucker und Lettertypen Geschäftsführer Daniel Klotz fand die riesige Maschine vor einigen Jahren mit seinem Vater Herbert in Potsdam, rettete und restaurierte sie – mit Unterstützung von Erik Spiekermann. 

Irgendwann Mitte Juli soll die Ausgabe in limitierter Auflage erscheinen, gedacht ist sie als kostenloses Extra für Krautreporter Mitglieder. Sie wird nicht im Handel erhältlich sein. Wer Krautreporter Mitlied werden und damit eine Ausgabe erhalten möchte, kann das hier tun.

Ein Interview mit Erik Spiekermann zum Thema kann man hier lesen. 


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