iPhone 4: Krallengriff und Bildwunder

Das iPhone 4 offenbart im Praxiseinsatz nicht nur Stärken. Am heißesten wird die abfallende Signalstärke diskutiert, die je nach Handhaltung bis zu einem Ausfall der Verbindung sorgen soll. Die Qualität der Foto- und Videokamera wird dagegen in den höchsten Tönen gelobt. Was ist dran?



Das iPhone 4 offenbart im Praxiseinsatz nicht nur Stärken. Am heißesten wird die abfallende Signalstärke diskutiert, die je nach Handhaltung bis zu einem Ausfall der Verbindung sorgen soll. Die Qualität der Foto- und Videokamera wird dagegen in den höchsten Tönen gelobt. Was ist dran?

Offenbar kann es bei Apple nur noch Extreme geben, im Positiven wie im Negativen. »Krallengriff des Todes« titeln einige Blogs und Newsseiten. Gemeint ist: Wer sein iPhone 4 mit der linken Hand zu fest umklammert, riskiert Sprachaussetzer und komplette Verbindungsabbrüche. Steve Jobs hat die im Stahlrahmen befindliche Antennenkonstruktion noch in höchsten Tönen gelobt, nun ist von einer völligen Fehlkonstruktion die Rede. Im Praxistest relativiert sich die Problematik. Wer mit robuster linker Hand sein Apple-Phone wie einen Tennisschläger umfasst, der muss tatsächlich den Verlust ein bis zwei Signalstärke-Balken befürchten. Aber wer macht das so? Ungünstig ist vor allem, den linken Rahmen des iPhone fest an den Handballen zu drücken. Der Plastikrahmen »Bumper« reduziert den Effekt. Bei lockerer Haltung ist er praktisch nicht wahrnehmbar und bei Verwendung des Headset spielt die Handhaltung eh keine Rolle.
Produktionsfehler wie »gelbe Streifen« im Display und »zerkratzendes Glas« können wir nicht bestätigen, aber bei Millionen ausgelieferter Geräte sind wohl auch immer einige schwarze Schafe dabei. Youtube sei Dank kann jeder Betroffene diese publikumswirksam zelebrieren.

Dabei gibt es in Sachen iPhone 4 viel Positives. Der Bildschirm mit seiner im Vergleich zum 3GS vierfachen Auflösung und besserem Kontrast ist wirklich eine Augenweide. Bilder und Schriften profitieren gleichermaßen. Insbesondere die Schriftqualität in iBooks lässt vergessen, dass man eigentlich keine gedruckten Seiten vor sich hat. Alte Applikationen laufen problemlos auf dem neuen Smartphone. Durch die höhere Auflösung werden Grafiken und Bilder darin hochskaliert, während die Elemente der Benutzeroberfläche automatisch in der hohen Qualität wiedergeben werden. Eigentlich komisch, dass dies auf dem iPad nicht auch so gehandhabt wird, hier wird die gesamte GUI hochskaliert, was nicht so prickelnd aussieht. Die Performance des iPhone kann sich mit der des iPad messen, wobei Apple klar macht, dass ein iPad-ähnlicher A4-Prozessor im Inneren schlägt, nicht derselbe.
Das Telefonieren mit dem iPhone 4 ist komfortabel, die Sprachqualität kann aber immer noch nicht mit der eines betagten Nokia E71 desselben Formfaktors mithalten. Der Ton klingt ein wenig blechern, insbesondere mit den eingebauten Mini-Lautsprechern. Etwas mehr Kraft wäre auch schön, bei besonders lauten Umgebungsgeräuschen hilft nur noch das Headset, wenn man sein Gegenüber verstehen möchte.
Die Videotelefoniedienst FaceTime ist eine Art iChat für das Apple-Phone. Es funktioniert nur über WLAN, dafür kostet es nichts, egal wo sich die Gesprächspartner aufhalten. Apple will die Spezifikation zu FaceTime offen legen, so dass auch andere Hersteller Videotelefonie nach Apple-Art unterstützen können. Skype soll bereits Interesse signalisiert haben. Durch Umschalten der Kamera von der Vorderseite auf die Rückseite kann man im Videogespräch senden, was man selber sieht, ohne sein Gegenüber aus dem Blick zu verlieren. Videotelefonie konnte sich bisher im mobilen Einsatz nicht durchsetzen, sicher auch weil die Provider extra Gebühren dafür verlangen. Vielleicht hat Apple nun den Dreh gefunden, wenn andere Hersteller mitziehen ist der Erfolg vorprogrammiert.

Eine zusätzliche Kamera wird in vielen Fällen überflüssig. Wobei die reinen technischen Werte von fünf Megapixeln für Fotos und HD-Format in 720p für Videos noch wenig aussagen. Wirklich unglaublich ist aber die Schärfe und die Farb- und Bildqualität der Aufnahmen, die man so in einem Smartphone sicher noch nicht gesehen hat. Die Kamera verfügt über eine Makro-Funktion, wenige Zentimeter Abstand zum Objekt für Nahaufnahmen sind also drin. Die Lichtempfindlichkeit ist ordentlich, der Weißabgleich kommt allerdings durcheinander bei Aufnahmen mit Kunstlicht. Das dürfte aber eher ein Softwareproblem sein. Am besten arbeitet der Weißabgleich bei normalem Tageslicht.
Die E-Mailkommunikation hat Apple in iOS 4 aufgebohrt: Die Mails im Eingang aller Konten können nun in einer Liste angezeigt werden, Mail in Unterordnern (im Falle von IMAP) muss man aber nach wie vor einzeln aufrufen. Push-Mail, also die direkte und stromsparende Übertragung auf das Handy, sobald eine Mail eintrifft, funktioniert mit MS Exchange und dem Appledienst Mobile Me. GMX und andere bleiben immer noch außen vor, selbst Google-Kalender will iOS 4 nicht mehr per Push abgleichen, in Version 3 des iOS ging das noch.
Trotz kleiner Schwächen ist das iPhone 4 ein großer Wurf. Und ausgereift ist es dazu, im mehrtägigen Einsatz ist kein einziger Absturz zu beklagen.


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2 Kommentare


  1. Thomas Kaltschmidt

    Dt. Telekom: #iPhone4: Bei jetziger Bestellung ist mit einem Lieferverzug von 4 Wochen zu rechnen ­čÖü
    http://twitter.com/deutschetelekom


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