Wettbewerb um die besten Designs des Jahres

Das London Design Museum stellt die Favoriten in seinem Designwettbewerb vor – aus Deutschland sind zwei feministische Projekte und ein in 3D gedrucktes Motorrad dabei.



Das NERA-e-Motorbike von Marco Mattia Cristofori und Daniel Büning von NOWLAB/BigRep

Die Nominierungen für einen der spannendsten Design-Wettbewerbe des Planeten stehen fest – den Awards um die Beazley Designs of the Year. Insgesamt 76 Projekte wurden ausgewählt, erstmals nicht nur von einer hochkarätigen Jury, sondern auch über ein Publikums-Voting.

Eine Menge sinnvolle Projekte gehören zu den Nominierten. So wurden in der Kategorie Architektur nicht nur sensationelle Gebäude prämiert wie The Shed, ein neuer New Yorker Event Space mit beweglichem Dach (unsere Kollegin Lena Simonis hat in der Anfang August erschienenen PAGE 9.2019 über eine spektakuläre 360-Grad-Projektion berichtet, die flora&faunavisions aus Berlin dort inszenierte).

Ebenfalls in der Kategorie Architektur findet sich ein von Hildrey Studio entwickeltes System, das Obdachlose mit Proxy-Adressen versorgt, um ihnen den Zugang zu Dienstleistungen zu erleichtern, sowie die belgische Opalis-Plattform, die die Weiterverwertung verschiedenster Baumaterialien erleichtert – allein die Produktion von Zement lässt inzwischen nicht nur Sand rar werden (!), sondern trägt auch acht Prozent zur globalen CO2-Produktion bei.

KATEGORIE DIGITAL

Auch hier sind sozial und politische bedeutsame Projekte dabei. Virtue Worldwide, die Kreativ-Agentur von Vice Media hat mit CopenhagenPride »Meet Q« entwickelt, »The First Genderless Voice«. Dabei wurden Stimmaufnahmen nicht-binärer Personen verbunden.

Kate Crawford vom AI Now Institute und Vladan Joler wiederum knöpften sich die im Detail den Produktionsprozess des Amazon Echo inklusive seiner Schattenseiten vor – unter  https://anatomyof.ai  lässt sich eine detaillierte Infografik mit den Ergebnissen downloaden.

Ausschnitt aus »Anatomy of an AI system«

Interessant ist in dieser Kategorie auch die Nachbarschafts-Food-Sharing-App OLIO, die schon 1,5 Millionen User in 49 Ländern nutzten, sowie der mobile Projektor Xperia Touch von Sony, der jede Fläche in ein interaktives Interface verwandelt – ob Wand, Tisch oder Boden.

Xperia Touch von Sony

KATEGORIE GRAPHICS

Die beiden angesprochen feministischen Projekte aus Deutschland sind hier zu finden. Zum einen das per Kickstarter finanzierte Buch »A New Perspective on Women Graphic Designers in Europe« von Silva Baum, Claudia Scheer, Lea Sievertsen alias notamuse, das wir ebenfalls in PAGE 9.2019 besprochen haben und das fünfzig tolle Designerinnen vorstellt.

Das Buch von notamuse, erschienen beim Niggli Verlag

Zum anderen das Projekt whose.agency von Anja Kaiser aus Leipzig, mit dem sie sich als Werbegestalterin für Auftraggeber*innen aus dem feministischen Umfeld anbot.

Anja Kaiser: whose.agency

Weitere Nominierungen sind unter anderem: das Leitsystem fürs neue Amorepacific-Headquarter in Seoul, gestaltet von Pentagram-Neu-Mitglied Sascha Lobe, die Poster des New Yorker Künstlerkollektivs Papi Juice, die das Leben farbiger Trans- und Queer-Menschen feiert, oder die Illustratorin Nina Chalabi, ebenfalls aus New York, die mit ihrer Gestaltung gesichtslose Statistiken lebendig macht.

Instagram @papijuicebk

KATEGORIEN PRODUCT, FASHION UND TRANSPORTATION

Alle weiteren nominierten Projekte, die wir hier nicht vorgestellt haben, sind auf der Website des Designmuseums zu sehen oder bis 20. Februar auch in einer großen Ausstellung im Museum selbst.

Besonders aus deutscher Sicht spannend ist noch ein Transportation-Design: das erste 3D-gedruckte Motorrad aus dem NOWLAB von BigRep aus Berlin, einem Hersteller großformatiger 3D-Drucker.

 

 


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